Aufräumen

Ich verstehe, dass wir bald wieder reisen dürfen und sollen. Viele können es kaum abwarten. Nur raus und endlich in den wohlverdienten Urlaub. Rein wirtschaftlich betrachtet ist das vernünftig.

Ich glaube den Beteuerungen nicht, dass viele Lockerungen, insbesondere das Reisen, vertretbar sind. Meine Vernunft sagt mir etwas anders. Ich hätte andere Regelungen getroffen. Aber ich trage keine Verantwortung, bin keine Politikerin und keine Wissenschaftlerin. Außerdem kann ich mich irren. Und ich möchte gerne falsch liegen. Das ist eine neue Erfahrung für mich.

Wenn ich mich nicht irre, ist es brandgefährlich, was jetzt passiert.

Wenn ich mich irre, kann alles so weitergehen, wie  vor der Pandemie. Wir müssen nur vorsichtig sein, Abstand halten und an den Mund-Nasen-Schutz denken. Ach ja, Hände waschen nicht vergessen!!! Dann wird alles gut und wie vorher. Ähnlich, zumindest. Wir müssen und wollen die Konjunktur wieder ankurbeln und dazu gehört eben auch das Reisen.

In meiner Zeitung lese ich: WHO warnt vor neuer Corona- Welle. Die europäischen Staaten sollten sich nach der Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits jetzt auf eine zweite tödliche Welle von Coronavirus- Infektionen einstellen. Es sei an der Zeit für Vorbereitung, nicht für Feierlichkeiten“, sagte der WHO- Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, am Montag der britischen Zeitung „The Telegraph“. Er reagierte damit auf die Lockerung von Maßnahmen gegen die Pandemie in mehreren Ländern.“ (Elbe- Jeetzel- Zeitung , 19.05.2020, S.16)

Seltsam, dass mir diese kleine Randnotiz überhaupt aufgefallen ist. Nein, ist es nicht. Ich achte natürlich mehr auf Überschriften, die meine Annahmen bestätigen. Darum überflog ich nur widerwillig die Artikel, die über Lockerungen, Schulöffnungen und Reisemöglichkeiten berichten. Mich interessieren die Warnungen, weil ich gewarnt werden möchte.

Wer sich um seine Existenz sorgt oder sich nach Vor-Corona-Zeiten sehnt, wird sich anders orientieren, als diejenigen, die  zu noch vorsichtig sind und zu Hause bleiben. So finden auch die Leute, die an Verschwörungen und nicht an Corona glauben, ihre Argumente in allen möglichen Quellen. Wer sollte es ihnen verübeln, dass sie anders denken?😳 Diese Leute regen mich trotzdem auf. Über meine Toleranzgrenze will ich demnächst neu nachdenken.

Entscheide ich mich für meine Sicht der Dinge, noch bevor ich mich informiere? Glaube ich eher den Informationen, die meine Haltung bestätigen, als denen, die mir nicht gefallen? Das wäre nicht schön, aber denkbar. Vielleicht sogar wahrscheinlich.

Ich vertraue den öffentlich-rechtlichen Medien. Dazu lese ich noch eine Tageszeitung und ein Wochenmagazin, welches meiner Denkweise entgegenkommt, auch wenn ich nicht immer einverstanden bin mit dem, was ich dort lese. Aus diesen Quellen stammen die Informationen, die mir helfen, meine Gedanken zu ordnen und Schlussfolgerungen zu ziehen. Diese bestimmen mein Handeln. Oder wähle ich diese Medien, weil sie meine Meinung und meine Haltung bestätigen?

Als Rentnerin kann ich mir den Luxus erlauben, mich auf mein Wissen zu verlassen, meine eigenen Entscheidungen zu treffen und das zu tun, was mir vernünftig erscheint. Alle anderen, die nicht im Rentenstand sind, haben es nicht immer so gut. Sie müssen noch viele andere Faktoren einbeziehen und manchmal auch Dinge tun, die sie vielleicht selbst so nicht wollen. Die Politiker müssen uns alle im Blick behalten und vielleicht Entscheidungen treffen, die sie selbst nicht für vernünftig halten. Alle Interessen unter einen Hut zu bringen, ist unmöglich. Wenn ich es so betrachte, bleibe ich gelassen und sage mir, das niemand wissen kann, was für alle richtig ist. Wir alle zusammen tragen die Verantwortung. Regelungen müssen getroffen und eingehalten werden, auch wenn wir wissen, dass es „den einen, wahren Weg“ nicht gibt. Wir waren noch nie in einer solchen Situation. Wir wissen wenig. Wir müssen Erfahrungen sammeln. Viele Wissenschaftler*Innen arbeiten daran. Es wird neue Erkenntnisse geben.

Das habt Ihr sicher schon vorher gewusst. Ich auch. Warum schreibe ich das denn jetzt und nutze meine Zeit nicht für andere Dinge? Ich mache das, weil ich mit dem Schreiben eine gute Methode gefunden habe, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Mir fehlt der Gesprächspartner im Haus, darum räume ich  meine Gedanken schriftlich auf und teile das mit der ganzen Welt!

Danke, liebe Leser*Innen für Eure Geduld!

 

 

 

 

13 Gedanken zu “Aufräumen

    1. Wenn schon mein Philosophie-Kurs ausfällt, muss ich selbst philosophieren, um nicht aus der Übung zu kommen😂. Schön, dass Dir mein Beitrag gefällt! Vielleicht spinnst Du die Gedanken weiter und kommst zu für mich überraschenden Erkenntnissen! Das wäre toll! Liebe Grüße! Regine

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  1. Ich frage mich auch täglich, was ist richtig und was falsch.
    Sind die Lockerungen noch zu früh?
    Kommt noch eine heftige Pandemie hinterher?
    Oder ist alles nur Humbuk?
    Machen wir uns um sonst verrückt?
    Ich würde auch gerne mal wieder verreisen, aber ist das jetzt schon richtig?
    All das hält mich zurück, bin ich jetzt zu ängstlich?
    Die einen sagen das, die anderen jenes, was davon soll man glauben?
    Alles eine schwierige Sache, die einem das Leben kosten kann, oder auch nicht.

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    1. Auf den Punkt gebracht, liebe Roswitha. Ich wage zu behaupten, Humbug ist die Krise auf keinen Fall. Man muss sich ja nur die Bilder aus den Ländern ansehen, die nicht so glimpflich davon kommen, wie wir (noch). Immerhin haben wir in Deutschland auch 8000 Tote,das ist nicht wenig. Niemand weiß, wie sich der Virus auswirkt. Was langfristig passiert, wenn man sich ansteckt, ist auch unklar. Ich glaube nicht, dass wir uns umsonst „verrückt“ gemacht haben.
      Jetzt wäre es mir allerdings lieber, wenn die Politiker weiterhin an einem Strang ziehen würden, wie zu Beginn. Im Moment bin ich verunsichert und frage mich, ob die Gesundheit bei allen Entscheidungen der Ministerpräsidenten noch im Vordergrund steht. Ich bin ziemlich fest davon überzeugt, dass es eine weitere Welle geben wird. Darum bleibe ich noch weitgehend zu Hause und treffe mich mit wenigen Leuten. Mal davon abgesehen, dass ich zur Risikogruppe gehöre, möchte ich mich auch so auf keinen Fall anstecken. Ich verstehe natürlich auch alle Leute, die um ihre Existenz kämpfen und darum froh über die Lockerungen sind.
      Wir erleben gerade eine weltweite Naturkatastrophe und es gibt keine einfachen Lösungen! Liebe Grüße, lass Dich nicht verunsichern und bleibe trotzdem fröhlich (so gut es geht)! Regine

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  2. Liebe Regine,
    ich danke dir für deine Worte. Es tut gut, sich mit anderen Menschen auszutauschen, dass erweitert den Horizont.
    Denn jeder hat ja andere Ansichten, Meinungen und Lebenserfahrungen.
    Ich bleibe auch weiterhin noch allem fern, auch wenn ich mir wünschen würde, den ein oder andern Menschen wieder zu sehen und vor allem in die Arme schließen zu können, aber die Gesundheit geht vor.
    Liebe Grüße
    Roswitha

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  3. Ich habe unsere Regierung bisher unterstützt und finde, sie machen allesamt eine gute und solide Arbeit. Auch, dass einzelne Bundesländer anders lockern, wenn die Gegebenheiten sich unterscheiden, kann ich auch nachvollziehen, aber Reisen schon im Sommer in andere Länder halte ich doch für sehr gewagt.
    Mir persönlich wäre es lieber, man bliebe erst einmal im eigenen Land und wartet die weitere Entwicklung ab.

    Mir sind jetzt im Mai zwei Kurzreisen geplatzt, nach Danzig und nach Verona – ja, schade, aber ist nun mal so. Bei weiteren Grenzöffnungen würde ich diese Reisen in den kommenden Monaten nicht antreten, selbst wenn ich könnte, dazu ist mir die ganze Lage noch zu gefährlich und die furchtbaren Bilder als Italien noch zu präsent.

    Und die Wirtschaft im eigenen Land kann auch Unterstützung gebrauchen, wer meint, unbedingt verreisen zu müssen, kann das hier doch auch tun.

    Ich kann wenigstens wieder zum Sport – was für ein gutes Gefühl!!!

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    1. Hallo Anna-Lena, bis zu den Lockerungen war ich auch sehr zufrieden mit unserer Regierung. Dass sich dann die Bundesländer plötzlich nicht mehr an Vereinbarungen hielten und die meisten jetzt ihr eigenes Ding machen, gefällt mir nicht und verunsichert mich.
      Auch mit dem Tourismus innerhalb Deutschland bin ich etwas unglücklich. Ich fürchte, hier gehen wirtschaftliche Interessen vor, was vielleicht ja auch in Ordnung ist. Wenn die erste Reisewelle über meinen Landkreis hinweg gefegt ist, werden wir erfahren, ob das zu erhöhten Fallzahlen geführt hat. Wenn nicht, habe ich mich geirrt und werde sehr glücklich sein.
      Ich hatte mir 2020 anders vorgestellt. Eine Reise mit vier Freundinnen (5 Haushalte! Meine Güte, waren das noch schöne Zeiten damals!) nach Dänemark war geplant und diverse Besuche in Berlin und Hamburg. Alles verschoben und damit kann ich gut leben.
      Mein soziales Leben findet weitgehend am Telefon statt. Mir fehlen meine Auszeiten vom Alleinsein in den Gruppen sehr. Es gibt gerade nichts, auf das ich mich freuen kann. Ich habe aber keine Lust, darunter zu leiden. Manchmal geht es mir nicht so gut, aber dann lenke ich mich mit schönen Dingen ab. Ich gewöhnte mich an das Leben ohne Termine. Es wird nicht ewig dauern.
      Schön, dass Du Deinen Sport wieder aufnehmen konntest. Wie ich damit umgehe, weiß ich noch nicht so recht. Ich mache keine langfristigen Pläne mehr! Liebe Grüße mit einer kleinen Wendlandsonne für Dich!🌞Regine

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  4. Liebe Regine, hast du dich schon mal philosophierend gefragt, warum du so viel Angst hast? Warum dir gleich Horrorbilder vor Augen stehen, warum du an eine zweite Welle so fest glaubst? Was ist das in dir, dass du es so sehen willst und glauben möchtest?
    Du könntest ja mal versuchen, die Welt mit den Augen eines angstfreien Kindes zu sehen. Stell dich doch mal in die Rolle hinein und schaue von da auf die Welt. Zeitungen liest du noch nicht, und ihr habt keinen TV. Was siehst du dann?
    Liebe Grüße!

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    1. Nö, dazu habe ich jetzt keine Lust. Ich möchte alle Facetten meiner realen Welt wahrnehmen. Und alle meine Gefühle fühlen. Aber danke für Deinen Denkanstoß. Ich werde bei Gelegenheit Deine Anregung umsetzen, liebe Gerda. Mal sehen, ob es mir gelingt. Ich habe ja guten Kontakt zu meinem inneren kleinen Mädchen. Ob es angstfrei ist, wage ich zu bezweifeln. Ich werde es fragen! Liebe Grüße aus dem sonnigen Wendland! Regine

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  5. Regina, ich kann dich sehr gut verstehen, aber ich kann auch Gerdas Argumentation nachvollziehen, wobei ich bezweifle, dass wir eine angstfreie Perspektive hinbekommen.
    Ich denke, wir können nur das Mögliche machen, um und und andere zu schützen und hoffen, dass bei uns die Zahlen weiterhin niedrig bleiben, die Angst uns nicht überrennt und wir da gut durchkommen.

    Mir fehlen auch viele Kontakte, aber so langsam wagen wir uns wieder, auch mit Freunden, ins Leben.

    Halt durch!!
    Und sei herzlich gegrüßt von mir!°

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