Von heute auf morgen hat sich nicht nur die Welt verändert, sondern es ist gestern auch der Frühling ausgebrochen. Ich buddelte ein büschen im Garten rum und die Sonne brannte mir schon wieder ins Genick. Aber der Wind kühlte es gleich wieder und ich war zufrieden mit meinen Narzissen. Jedenfalls mit denen, die blühen. Andere trödeln noch und verderben mein geplantes Gesamtbild. Egal. Aber Stiefmütterchen für die Terrasse könnte ich brauchen!

Die Spatzen schrien sich unaufhörlich an. Was hatten die sich bloß die ganze Zeit zu erzählen? Oder dachten sie gar, sie sängen liebliche Frühlingslieder? Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung passen manchmal einfach nicht zusammen.

Die Amseln kamen kaum zu Wort.

Als ich abends im Bett lag, verschwand meine gute Stimmung schlagartig. Ich fragte mich, ob ich es wagen kann, mich am Montag der Schreibwerkstatt anzuschließen. Wir sind fünf. Sind das schon zu viele Leute? Gehe ich ein Risiko ein? Ist das ein unnötiger sozialer Kontakt? Und am Wochenende plant mein Sohn einen Spielabend. Ich bin eingeladen. Dort wären wir vier. Die anderen drei sind berufstätig und jeden Tag in der Stadt unterwegs. Ist eine Teilnahme ratsam? Und was ist überhaupt mit Ostern? Kein Besuch? Kein persönlicher Kontakt? Wie schrecklich!

Ja, ich muss zugeben, meine gestrige  Gelassenheit hatte sich über Nacht verzogen. Eine kleine Angst machte es sich bei mir gemütlich und ich wünschte mir einen Partner ins Nachbarbett, mit dem ich mich austauschen könnte. Nachbarbett blieb natürlich leer und das war auch gut so. Ich hätte mich doch noch mehr gefürchtet, wenn nebenan plötzlich jemand geantwortet hätte. Nicht auszudenken.

Heute morgen zog die Gelassenheit wieder ein und brachte die gute Stimmung mit.  Ich zog los, um Stiefmütterchen einzukaufen. In der Zeitung stand, dass ältere Leute lieber zu Hause bleiben sollten. Nein, ich stufte mich jetzt mal nicht als älter ein. Neugierig war ich auf das Regal mit dem Toilettenpapier. Ziemlich leer gefegt, aber es gab noch ein paar Rollen. Nein, ich brauchte keine, aber Taschentücher! Regal fast leer, aber es gab noch ein paar Packungen. Alles andere sowieso und fast hätte ich die Stiefmütterchen vergessen!

Auf dem Rückweg beobachtete ich vergnügt zwei vielleicht achtjährige Mädchen, die mit ganz modernen, aber quietschenden Puppenkarren auf der anderen Straßenseite spazieren gingen. „Das kriegen nur Erwachsene“, sagte die eine. Die andere antwortete leider unverständlich. Nur Corona kam zu mir rüber geweht. Ich war fand die beiden bemerkenswert. Ich wusste nicht, dass es tatsächlich noch Mädchen gibt, die mit Puppen spielen. Und dass Puppen heutzutage noch ausgeführt werden, war mir fremd.

Vor dem menschenleeren und gewöhnlich kaum benutzten Spielplatz blieben die beiden stehen und starrten auf das Schild, welches schon immer dort stand. Es verbietet Kindern über zwölf die Geräte zu nutzen, glaube ich. Na ja, die beiden standen unschlüssig herum und schauten mich an. Ich nickte ihnen aufmunternd zu und dann betraten die beiden Puppenmütter zögerlich den Platz, um ihre Puppen zu bemuttern. Zwei Jungen radelten vorbei, hielten an und einer rief: „Ihr dürft nicht auf dem Spielplatz sein! Spielplätze sind geschlossen! Das habe ich im Internet gelesen.“ Die Mädchen antworteten irgendetwas und blieben zum Glück gemütlich sitzen. Ich denke, ich hätte mich sonst eingemischt. Die Jungen sind dann aber auch gleich weitergefahren. Vielleicht spielten sie Aufpasser.

Ich brachte meine Einkäufe nach Hause und freute mich über den gefüllten Kühlschrank. Alles paletti! Während ich die Stiefmütterchen in ihren Kasten pflanzte, hörte ich nebenan die Nachbarn husten.

14 Gedanken zu “Stimmungsschwankung

    1. Dieser Spielplatz ist eigentlich ganz armselig und wird selten genutzt. Die zwei Mädchen waren ganz alleine. Die Puppen zähle ich mal nicht mit. Ich denke, es geht hauptsächlich darum, dass es keine großen Menschenansammlungen gibt, wie es in großen Städten ja der Fall sein kann. Egal. Die Mädchen sind auch schon wieder zu Hause.

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  1. Auch bei uns herrscht Ausnahmezustand.
    Das Sportcenter ist geschlossen bis einschließlich 19.04.
    Meine Physiopraxis macht dicht, unser Kaufhaus hat mir gerade eine Mail geschrieben, dass sie bis auf weiteres zumachen.
    Theaterveranstaltungen und sonstiges ist eingefroren. Hallenbad geschlossen und sogar Gaststätten machen zu. Man darf nicht mehr ins Altenheim und ins Krankenhaus schon mal gar nicht.
    Regale sind leer gefegt.
    Aber ich frage mich was machen die Leute mit dem ganzen Toilettenpapier und den Nudeln.
    Ich glaube kaum dass man den Virus damit bekämpfen kann. 🙂

    Bleib gesund.
    Liebe Grüße
    Roswitha

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  2. Ist schon sehr schräg alles. Vor 2 Monaten hätten wir uns das nicht vorstellen können. Ich war gestern auch noch mal mit meiner Zeichengruppe draußen unterwegs – mit Abstand 🙂 Wir fragten uns alle, ob es das letzte Mal sein würde in nächster Zeit. Hoffen wir, daß wir es ohne Ausgangssperre hinbekommen… LG und dreh – zwischendurch – nicht durch! Almuth

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    1. Nö, durchdrehen nützt ja nichts! Es dauert eben immer eine Weile, bis ich die rasanten Entwicklungen realisieren kann. Ich habe es ja noch vergleichbar gut. Solange ich jeden Tag durch die Natur radeln kann, bin ich zufrieden. Wollen wir hoffen, dass es keine Ausgangssperre gibt. Liebe Grüße und bleib gesund, liebe Almuth!

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      1. So sehe ich das auch. Nicht mehr hinaus zu dürfen, wäre krass. Deshalb hoffe ich, daß die Menschen das raffen und sich jetzt noch mehr zusammenreißen! Sonst entgehen wir dem nicht.

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      2. „…. nicht mehr hinaus zu dürfen…..“
        das geht irgendwie gar nicht. Allein das „GassiGehen“…. ich habe gestern einen sehr guten Beitrag von einem Arzt gesehen. Dieser unterscheidet ganz klar von der theoretischen Möglichkeit und der Wahrscheinlichkeit. Als Beispiel nannte er zwei Personen, die draußen in größerem Abstand von mehreren Meter spazieren gehen. Der Vordere hustet und hat Corona oder irgend eine andere Erkrankung….. der, der einige Meter dahinter läuft könnte nun theoretisch sich einen ausgehusteten Bazillus oder Virus „einfangen“. „Doch wahrscheinlich, dass das so kommt, ist das nicht“ so seine Worte… und das denke ich auch. Stellt man sich das einmal in realen Bildern vor….. Anders hingegen sieht es in der Masse von Menschen auf engem und oder geschlossenem Raum aus. Aber draußen in der freien Natur, wo alle paar Meter nur ein einzelner oder vielleicht zwei sich aufhalten…..
        Ich denke das ist von den Behörden auch so gemeint. Ich selbst war gestern gemütlich und einsam unterwegs. Mir tat es gut. Mein Herz hat’s erfreut und ein schlechtes Gewissen, meine vier Wände verlassen zu haben, habe ich nicht….. Ich gehöre auch noch zu denen, die arbeiten gehen müssen/sollen usw. also raus muss ich…..

        Bleibt vorsichtig und geht respektvoll mit Corona um, aber nicht panisch. Und vor allem: bleibt gesund! 🍀

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      3. Das ist schon richtig, alles mit Augenmaß. Leider durfte ich heute wieder einige Leute erleben, bei denen davon noch nichts angekommen ist. Die Sonne lockt zudem gerade und die Parks sind voll, dicht hocken die Leute zusammen. Wenn sich das nicht ändert, wird die Ausgangssperre kommen. Allerdings hörte ich von einer Freundin aus Paris, daß sie zum Luftschnuppern rausgehen dürfen. Aber natürlich soll man sich nirgends stapeln. Bleib du auch gesund! Irgendwann wird diese Krise auch vorbei sein. Toitoitoit! und bleib du auch gesund!

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