„Das Wochenende ist schon bald wieder vorbei. Ich fasse es nicht“, sagte mein Sohn gestern bedauernd und ich fand, dass ich es nicht fasse, dass schon wieder Oktober ist. Mein Verhältnis zur Zeit ist gestört. Wobei ich nicht weiß, ob ich überhaupt ein Verhältnis mit der Zeit haben kann.

Aber Verhältnis stimmt schon irgendwie. Und gestört auch. Eben war Ostern und heute Nacht gab´s schon den ersten herbstlichen Nachtfrost. Dabei ist in mir noch gefühlter Sommer. Einerseits kommt es mir so vor, als ob ich in einem Schnellzug durch mein Leben rase. Auf der anderen Seite war ich sehr erstaunt, dass unser Haus erst in diesem Jahr verkauft wurde. Mir kommt das schon ewig vor und ich musste mich schwer zusammenreißen, diesen Tatbestand zu glauben.

In drei Tagen fahre ich weit, weit weg. Also nicht wirklich, ich bleibe immer noch in Niedersachsen. Trotzdem kommt es mir so vor, als mache ich eine kleine Weltreise, weil ich schon so lange nicht mehr alleine mit der Bahn gefahren bin. Aber das ist ein anderes Thema und hat nichts mit dem Zeitgefühl zu tun. Oder doch? Das ist wohl eher das Körpergefühl. Ich bin nicht mehr so standfest wie in früheren Jahren. So gesehen fühle ich mich ziemlich alt. Hat also doch etwas mit der Zeit zu tun, mein leichtes Unbehagen.

Also, ich fahre in drei Tagen weg und bin in fünf Tagen schon wieder da. Zwei Tage sind keine lange Zeit, kommt mir aber so vor, zumal ich in fünf Tagen nach meiner „kleinen Weltreise“ mit meinen Söhnen verabredet bin. Das kommt ja selten vor und ich freue mich so. Darum kommt es mir noch ewig vor bis Samstag. Ich muss ja noch viel erledigen bis dahin. Wegfahren, Besuch bei der Freundin genießen, zurückfahren. Und am gleichen Tag dann meine Söhne treffen. Was nur klappen wird, wenn die Bahn so fährt, wie sie soll.

Wenn ich an meine Silvesterunternehmung in Nordfriesland denke, kommt es mir so vor, als sei das schon ganz bald. Ich freue mich, bin etwas aufgeregt, plane schon die Autofahrt und lache über mich, wenn ich mich am liebsten über die Staugefahr informieren möchte. Dann fällt mir auf, dass ich noch über zwei oder fast drei Monate Zeit habe. Kommt mir so kurz vor, aber auch lang, weil ich vorher ja noch allerhand zu tun habe:

  1. Mit meinem jüngsten Sohn werde ich nächste Woche Geburtstag feiern. Mein Baby wird 31 und wieder frage ich, wo bloß die Zeit geblieben ist. Rasend schnell vergangen, oder? Mein Sohn findet das nicht.
  2.  Ich werde in etwas drei Wochen (oder zwei Wochen? Schnell mal nachgerechnet: ne, zwei Wochen!) ein Wochenende mit Familienaufstellungen verbringen. Das ist aufregend. Zumal ich nie weiß, ob sich meine Panikattacken wieder melden, sobald ich mit so vielen fremdem Menschen in einem Raum zusammen bin.
  3.  Ich freue mich im November auf Moving Shadows mit Freundinnen und ein Wochenende in Berlin mit meinen Söhnen.
  4.  Und dann ist Dezember und so. Also ist Weihnachten doch schon ziemlich nah, obwohl ich noch meine Sommergefühle fühle. Es ist jetzt also höchste Zeit, die Herbstdeko herauszusuchen, denn sonst wird die Zeit bis zur Weihnachtsdeko zu knapp.

Eigentlich sollte die Zeit doch gleichmäßig fließen. Tut sie für mich aber nicht. Es kommt mir vor, als hätte ich noch viel Zeit, bis ich heute zur Schreibwerkstatt muss. In drei Stunden muss ich erst da sein. Aber ich will vorher noch meine Hausaufgaben machen. Dazu werde ich nicht genug Zeit haben. Weil ich hier und jetzt über die Zeit nachdenke, werde ich gleich ohne Hausaufgabe losgehen. Und mich schämen, dass ich keine Zeit dafür hatte. Obwohl, wenn ich so richtig darüber nachdenke, hätte ich zwei Wochen dafür Zeit gehabt. Aber die ist so schnell vergangen.

 

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3 Gedanken zu “Zeit

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