Gestern war ich in Hamburg. Eine Freundin begleitete mich und wir fuhren mit der Bahn. War gar nicht so schlimm, wie ich mir vorher ausmalte. Jedenfalls der Hinweg nicht. Der Rückweg war schon beschwerlicher. Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich mich wahrscheinlich am Hauptbahnhof weinend auf den Boden geschmissen. So ein Gedränge und Geschiebe habe ich noch nie erlebt und ich hatte Mühe, mich auf den Beinen zu halten. Meine Freundin war aber da und etwas standfester als ich. Sie ergatterte sogar zwei Sitzplätze für uns. Puh und schwitz.

Ich bin in Hamburg aufgewachsen und habe dort studiert. Ich fand nichts dabei und war eine richtige Stadtpflanze. Heute lebe ich in einer klitzekleinen Kleinstadt und so viele Menschen, wie ich gestern in ein paar Stundengesehen habe, sehe ich hier das ganze Jahr über nicht. Die vielen Eindrücke konnte ich schwer verarbeiten. Ja, ich denke, dass ich tatsächlich zu den Hochsensiblen gehöre, die es lieber etwas ruhiger haben und sich mit wenigen Eindrücken schon voll ausgelastet fühlen.

Klar, ist bestimmt auch eine reine Gewohnheitssache. Ich war lange nicht in einer richtigen Stadt und dass meine Beine nicht mehr so gut wollen, wie ich wohl will, spielt auch eine Rolle. Ich habe mir vorgenommen, mich doch wieder etwas öfter aus dem Landkreis zu wagen. Alleine um zu sehen, wie vielfältig das Leben sein kann.

Ich war also mit einer Freundin in Hamburg. Dort trafen wir zwei andere Freundinnen  und so war unsere „Mädelsgruppe Dänemark“ mal wieder für eine kurze Zeit zusammen. Das war schön. Wir brachten uns auf den neuesten Stand und quatschten, während wir in einem Lokal zu Mittag aßen. Eine süße Kellnerin quatschte lustig mit, während sie uns alte Tanten bediente und sie schien uns ganz gern zu mögen.

Ich war eigentlich nicht wegen der Mädels in Hamburg. Ich war wegen „Knie links“ beim Orthopäden, um meine zweite Knieoperation anzuleiern. Das Arztgespräch verlief ungefähr so:

Orthopäde: Sie brauchen ein vollständiges künstliches Kniegelenk. Sie haben keine Kreuzbänder mehr. Eine Teilprothese ist nicht möglich.

Ich: Oh.  Ich denke: Mist! Mindestens vier Wochen Reha!

Orthopäde: Ich rate Ihnen, mit der Operation noch zu warten. So lange wie möglich. Im Moment würde ich Sie noch nicht operieren.

Ich: 😳

Orthopäde: Wie lange können Sie denn relativ schmerzfrei laufen?

Ich: Am Strand und barfuß etwa eine Stunde relativ schmerzfrei. Also nicht laufen, ich gehe. Manchmal watschle ich auch.

Orthopäde: Na dann keine Operation jetzt. Aber ich werde das noch einmal mit einem Kollegen durchsprechen.

Damit war ich entlassen und völlig fertig. Meine Gedanken wussten nicht, was sie denken sollten. Ungefähr so: Keine OP! Juche! Aber das Gehen ist doch beschwerlich, besonders in der Stadt.  Ich muss also irgendwann mein linkes Kniegelenk austauschen. Das kommt auf mich zu. Es wird wahrscheinlich immer schwerer zu genesen, je älter ich werde. Aber jetzt ist mein Gelenk noch zu gut, um ausgetauscht zu werden. Vielleicht will ich doch das Abnehmen noch mal angehen und mich um Krankengymnastik kümmern? Nach der ersten OP ist es mit den Schmerzen tatsächlich viel besser geworden. Vor einem Jahr wäre es doch undenkbar gewesen, mit der Bahn nach Hamburg zu reisen. Aber die Krücken liegen schon bereit und warten auf ihren Einsatz. Wie soll ich denen das erklären? Ach schade, ich habe mir zwei neue Nachthemden für die Klinik besorgt. Die muss ich nun wohl auch weglegen……

Je mehr ich dachte, umso stärker wurden die Schmerzen und meine Beine immer steifer. Psychisch bedingt, nahm ich an. Ich entschloss mich, das Denken zu lassen und mich mit meinen Freundinnen zu beschäftigen. Das half ein wenig.

Heute morgen finde ich mich gerade mit dem Ergebnis ab. Ich komme ganz gut zurecht. Vielleicht ruft mich der gute Orthopäde doch noch an und teilt mir mit, dass er mich auf Anraten des geschätzten Kollegen sehr gerne operieren möchte. Ob ich allerdings dann noch will, weiß ich gar nicht so recht.😂

 

 

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13 Gedanken zu “Unerwartet

  1. Du solltest auf den Orthopäden hören und so lange es irgend geht, mit Physiotherapeuten und Rehasport (verschreibt auch der Orthopäde) versuchen. Jede Op birgt schließlich auch ein Risiko.. Ich wünsche Dir gute Besserung. Großstadt ist auch nichts mehr für mich, es sei denn, es handelt sich um Leipzig.

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    1. Für mich wäre es der reinste Jungbrunnen, täglich mindestens eine Stunde am Strand barfuß spazieren zu gehen. Manchmal frage ich mich, warum ich von Föhr weggezogen bin. Ach ja, ich weiß. Es war uns zu teuer, dort zu leben. Heute könnte ich mir Föhr oder die Küste erst recht nicht mehr leisten. Darum: immer wieder Urlaub dort!

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  2. In Deutschland werden mehr operiert als in anderen Ländern. Und ich kenne genug Leute, bei denen es dann auch nicht gut war.
    Lieber Muskeln stärken und Entspannungstechniken lernen.
    Meine Mutter warschelt auch, sehr elegant und eindrucksvoll, aber hat Angst vor OP und kommt mit Physio gut klar.

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    1. Ich watschle nicht elegant…..aber egal. Ja, ich werde mich um Rehasport oder so kümmern und sehen, wie lange ich die OP rausschieben kann. Mich verunsicherte die Aussage meiner Orthopädin, die meinte, wenn es sowieso gemacht werden muss, sollte man nicht zu lange warten. Und dieser Arzt sagt genau das Gegenteil. Ich höre jetzt auf mein Körpergefühl und gucke, was ich sonst noch machen kann. Danke für deine Rückmeldung und liebe Grüße! Regine

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