Postkartenkrimi

Ich soll für unsere Schreibwerkstatt einen Krimi schreiben, der so kurz ist, dass er auf eine Postkarte passt. Ich plagte mich mit der im Lehrbuch empfohlenen guten Vorplanung. Das machte keinen Spaß und gelang überhaupt nicht. Ich probierte es eben ein letztes Mal ohne Plan und nach einigen Kürzungen kann ich morgen folgenden Kurzkrimi vorlegen:

Pech gehabt
Als der alte, reiche und berühmte Mann beim Sex über ihr zusammenbrach, kriegte erlitt seine dreißig Jahre jüngere Frau einen unheilbaren Nervenzusammenbruch. Nur mit letzter Kraft konnte sie sich aus ihrer misslichen Lage befreien und den  Krankenwagen rufen. Der Arzt verliebte sich sofort in die Witwe, ließ den Toten aber trotzdem obduzieren. Es stellte sich heraus, dass der alte Mann mit seiner letzten Viagra vergiftet wurde. Kommissarin Kernig kannte den Toten. Wenn sie es auch nicht geschafft hatte, eine seiner Ehefrauen zu werden, so war sie doch einmal eine seiner Geliebten gewesen. Sie fälschte den Laborbericht. Nun hat der Alte einen Herzinfarkt wegen Überlastung erlitten. Frau Kernig fand, dass der alte Mann und seine sehr junge Frau ihr Schicksal verdienten, so wie sie seine geschiedenen Ehefrauen und Geliebten gedemütigt hatten, indem sie ihr Glück in jeder Illustrierten und Talkshow in die Welt posaunten. Auf der Beerdigung trafen sie sich und weinten alle sehr. Eine von ihnen vergoss allerdings nur Freudentränen, denn sie war noch einmal davongekommen.

9 Gedanken zu “Postkartenkrimi

  1. Poah, das fänd ich richtig schwer. Erstens würd ich nicht gern einen Krimi schreiben. Zweitens in dieser Kürze 😲
    Das hast du ziemlich gut gelöst, finde ich.
    Eine kleine Stilsache würde mich persönlich stören: Im ersten Satz, dass die junge Frau einen Nervenzusammenbruch KRIEGTE find ich nicht so ein schönes Wort. Was fällt mir als Alternative ein? Vielleicht, dass sie mit einem Nervenzusammenbruch wegkippte, von dem sie sich lange nicht erholen wird?
    Der Kommissarin würde ich wahrscheinlich nicht den Namen Kernig geben, aber das ist eine Geschmacksfrage. Hm, ich stell sie mir als ein klein wenig mondäne selbstbewusste Frau vor, die sich auf den inzwischen Verstorbenen bewusst nur als Affäre eingelassen hatte. Aber welcher Name das ausdrücken könnte, mir will grad nix einfallen.
    Du siehst, ich wäre viel fantasieloser als du 😛

    Gefällt 2 Personen

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