Vorgeschichte:

Ich sollte am 21. Januar operiert werden. Ganz gewissenhaft vereinbarte ich telefonisch  rechtzeitig Termine in einer Praxisgemeinschaft  ganz in meiner Nähe. Frau N. wollte mir dann wieder mit Krankengymnastik auf die Beine helfen.

Der OP-Termin wurde auf den 8. Februar verschoben und gewissenhaft, wie ich nun mal bin, rief ich sofort in besagter Praxis an, um meine Termine für die Übungen bei Frau N. nach hinten versetzten zu lassen. 

Die eigentliche Geschichte:

Heute war es also so weit. Um 10.30 Uhr sollte ich in der Praxis sein. Hinzukrücken kam nicht in Frage, dazu schien der Weg denn doch zu weit. Ich bestellte ein Taxi und kaum war ich eingestiegen, musste ich auch schon wieder aussteigen. Mit dem Auto ist der Weg lächerlich kurz. Trotzdem: Stadtfahrten kosten acht Euro und ein kleines Trinkgeld gehört auch dazu. Der Fahrer kann ja nichts dafür!

Ich also rein in die Praxis und das große Warten begann. Alle Patienten kamen dran, ich nicht. Ich machte mich bei einer zufällig vorbeikommenden Physiotherapeutin, die gerade in die Pause wollte, bemerkbar und sie schaute erst mich an und dann in ihren riesigen Terminkalender. Ich war nicht drin und als ich sagte, ich habe meinen Termin mit einer Frau N. vereinbart, schaute sie streng und sagte: „Dann sind sie in der falschen Praxis. Frau N. hat ihre Praxis in der Beispielstraße und nicht hier.“ Ich fühlte mich elend. Ich war mir ganz sicher, dass ich in dieser Praxis angerufen hatte, nicht in der Beispielstraße. Arbeitet hier keine Frau N.? „Doch. Aber sie stehen nicht im Buch. Ich rufe gleich mal in der Praxis N. an.“ Das tat die gute Frau und ich hörte, wie sie erklärte, dass ich mich in ihre Praxis verirrt hätte und gleich kommen würde. Noch mal Taxi? Noch mal acht Euro? Nur weil ich zu blöd war, die richtige Praxis zu finden?

Ich saß da und schämte mich. Habe ich wirklich vergessen, wo ich mich angemeldet habe? Ich hatte doch sechs Termine vereinbart, immer dienstags und freitags um 10.30 Uhr. Aber ich stand nicht im Buch. Meine Güte. Mitleidig sah mich ein älterer Herr an und murmelte: „Kann passieren.“

Könnt Ihr Euch vorstellen, wie erleichtert ich war, als ich erfuhr, dass ich auch im Terminkalender der Praxis N. in der Beispielstraße nicht zu finden war?

Etwas ratlos blätterte die Kollegin hin und her, fand mich aber immer noch nicht. Eine Tür ging auf und Frau N., die sich gerade an einer anderen Patientin abarbeitete, kam heraus, weil sie ihren Namen mehr als dreimal gehört hatte.

Sie schaute streng und sagte: „Sie sind nicht zur Behandlung gekommen und haben nicht angerufen, da habe ich sie aus dem Kalender gestrichen.“ Wie bitte? Ich habe doch heute meinen ersten Termin und warum sollte ich anrufen, wenn ich doch rechtzeitig da bin? Frau N. schaute und sagte, ich hätte vor zwei Wochen meinen ersten Termin gehabt und ihn versäumt. Ich erinnerte sie daran, dass sich meine Operation verschoben und ich neue Zeiten mit ihr am Telefon vereinbart hatte.

Ich vermutete, dass Frau N. einfach vergaß, die ersten Termine zu löschen und dann gleich überall meinen Namen ausradierte, nachdem ich nicht erschienen war.

Mittlerweile standen alle Mitarbeiterinnen vor mir, während ihre Patienten warten mussten.  „Nein, tut uns sehr leid, wir haben Sie aus unserem Kalender herausgestrichen.“ Und nun? „Tut uns sehr leid.“ Davon hatte ich ja nun nichts. Na gut, es war kein Schicksalsschlag, aber doch sehr ärgerlich, wenn ich an die unnötigen Kosten für das Taxi dachte. Frau N. entschuldigte sich und die anderen nickten und merkten an, dass Fehler leider passieren. Und ob ich Freitag um 10.00 Uhr Zeit hätte und dann würde ich auch wirklich fünf Nachfolgetermine bekommen. Fest versprochen.

Erleichtert war ich, dass keine Denkknoten oder Fehlhandlungen meinerseits vorlagen. Ich habe alles richtig und gewissenhaft vorbereitet. Gut so. Gut fühlte ich mich trotzdem nicht. Ob mir die unnötigen Kosten von der Praxis erstattet werden, ist unklar geblieben.

Ich hatte keine Lust auf eine Rückfahrt und fühlte mich in der Lage, den Rückweg zu Fuß zu schaffen. Also krückte ich nach Hause. Dabei konnte ich meinen Unwillen ins All entlassen und die witzige Seite des Geschehens erkennen. Eine halbe Stunde war ich unterwegs und es ging unerwartet gut. So habe ich meinen ersten Spaziergang hinter mich gebracht und hatte zwar keine Krankengymnastik, aber immerhin Bewegung an der fischen Luft.

 

 

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9 Gedanken zu “Wegradiert

  1. Zum Glück konntest du am Ende die heitere Seite sehen und dich dazu noch körperlich betätigen. Wenn das nicht toll ist. In der Praxis wäre ich vermutlich erst mal reichlich angesäuert gewesen, boah ey! Aber was Blödes kann was Gutes zur Folge haben 🙂 Schön, daß du das gemeistert hast!!! LG, Almuth

    Gefällt 3 Personen

    1. Hallo Almuth, zuerst war ich entsetzt, dass ich in der falschen Praxis saß. Dann erleichtert, als Frau N. unsere Terminvereinbarung bestätigte, dann hilflos, weil ich ausradiert wurde, dann erleichtert, dass es nicht mein Fehler war und dass ich zeitnah neue Termine erhielt. Dann erschöpft und sauer, weil ja sowieso alles doppelt so lange dauert wie gewöhnlich. Dann froh, dass ich es nach Hause geschafft habe. Danach fand ich, dass Loriot sich keinen besseren Sketsch hätte ausdenken können.
      Es war schon etwas leichtsinnig, den Heimweg zu Fuß anzutreten. Heute werde ich wieder mehr aufpassen, weil die Hände ganz schön rummeckern. Liebe Grüße! Regine

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, das ist wahr, eine loriotische Geschichte 😉 Manchmal ist es schon zum Haare raufen, aber sich drüber ärgern bringt auch nix! Du hast das Beste drauß gemacht und dein Publikum damit noch gut unterhalten 🙂 Wobei mein Blutdruck…okay, lassen wir das 😉 LG, Almuth

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