Gestern nahm ich mir viel Zeit zum Denken. Und war erstaunt, woran ich dachte: an meine Kleider! Wo kommt das denn her? Egal: Gedanke-Idee-Thema-Umsetzung auf dem Regenbogen:  Kleider meines Lebens.

Gegenwärtig trage ich selten Kleider in der Öffentlichkeit. Aber früher schon. Obwohl meine Beine….na ja. Trotzdem hielten sie mich nicht ab, in meiner Jugend Minis zu tragen! Meine Mutter nähte mir, als ich etwa 14 Jahre alt war, aus einem feinen Blümchenbaumwollstoff ein Mini-Hosenrockkleid. Sie kaufte mir einen silbernen Kettengürtel dazu. Den konnte ich um meine damals noch schlanke Taille ketten und ich fand mich superschön. Dazu ein gelber Strohschlapphut aufgesetzt….. perfekt! Dieses Kleid trug ich, bis es auseinanderfiel und am Po durchgescheuert war.

Für meine Jugendweihe suchte ich mir ein braunes, knielanges Hängekleid mit Pailletten an der Passe aus. Nein, ich fand es nicht schön, aber für das Geld, welches mir zur Verfügung stand, war es das beste, was ich kriegen konnte. Er glitzerte immerhin oben herum. Das war damals sensationell. Heute könnte ich mich in Glitzerstoffe von oben bis unten einhüllen, damals gab es das noch nicht oder doch, aber diese Kleider waren unerschwinglich für mich. Ich kaufte also das blöde braune Kleid und hatte auch gleich etwas für das Theater und die Oper. Kulturring der Jugend! Fünf Theatervorstellungen und eine Oper pro Halbjahr! Wundervolle Jugendzeit. Ach ja. Ich fürchte, dieses Kleid trug ich auch auf meinem Abtanzball. Ich weiß es nicht mehr genau. Ich erinnere mich aber, dass ich keinen Partner hatte und ein Mauerblümchendasein fristete. Traurig, traurig.

Als ich etwa neunzehn war, kaufte ich mir ein knallrotes, glänzendes Minikleid mit Flügelärmeln und Tellerrock. Wunderschön und ich dachte mir gar nichts dabei, dass es so rot war und ging damit aus. Ich hatte damit sogar gute Chancen und wurde zum Tanzen aufgefordert. Das war damals in meinen Kreisen so. Schließlich gingen wir Mädels zum Tanzen, damit wir aufgefordert wurden und vielleicht sogar das Lebensglück in Form eines festen Freundes fanden. Ich fand keinen, aber immerhin wurde ich aufgefordert.

Ein wirklich kurzes Volantkleid zog ich mit Anfang zwanzig im Sommer kaum noch aus. Es war blau mit weißen Punkten und kombiniert mit weißen Plastikkugelohrringen und einer riesigen Sonnenbrille mit weißem Rand war es einfach unwiderstehlich und ich gleich mit, fand ich. Einmal zog ich es zum Fasching an und meine Güte, da ging die Post ab.

Ich kann mich an ein Maxikleid erinnern. Toll, toll ein langes Kleid mitten am Tag zu tragen erzeugte schon ein kleines Prinzessinnengefühl in mir. Dieses war schwarz mit tausend kleinen Blümchen darauf. Also das Kleid, nicht das Gefühl! Schick auch zu Feten und „Insterburg und Co“  in der Hamburger Uni-Mensa erlebte ich in eben diesem Kleid. Nein, was haben wir gelacht und bei „Otto“ war ich auch, aber da hatte ich etwas anderes an.

So, was gibt es noch für Lebenskleider? Mein Hochzeitskleid war ein billiges Schwangerschaftskleid. Knielang-dunkelblau mit kleinen Blümchen drauf und superbillig. Also nichts besonderes und wir wollten es ja auch heimlich tun, das Heiraten. Nur ein paar Verwandte und Freunde im kleinen Kreis. Unser dreijähriger Sohn war natürlich dabei und fand es putzig, dass er plötzlich einen neuen Nachnamen bekam. Das zweite Kinde steckte noch in mir, war schon ziemlich groß und mein Bauch wirklich sehr, sehr eindrucksvoll. Die Hochzeiten am 08.08.88 blieben in Wyk auf Föhr allerdings nicht geheim. Eine große Menschenmenge füllte den Marktplatz um die Superbrautpaare am Superdatum zu beobachten, wie sie das Standesamt verließen. Nun gut, wir waren natürlich nicht wie ein Hochzeitspaar gekleidet, aber das Glück muss man uns angesehen haben. Ach ja.

Als junge Frau und Mutter trug ich im Sommer eine ganze Reihe von Kleidern wadenlang, schwingend und ja, die meisten mit Blümchen, für die ich eine Vorliebe zu haben scheine. Irgendwann passte ich nicht mehr hinein in meine Lieblingskleider. Sie waren wohl eingelaufen im Laufe der Jahre, was wirklich schade war.

Ich besorgte mir zum Abiball meines ältesten Sohnes ein festliches langes Abendkleid. Es war günstig zu haben und ich sah ungewohnt vornehm aus. Der Rock war eng bis unten, dort glockte es um meine Fesseln und Schuhe. Mein Mann gestand mir einige Jahre später, dass ihn das Kleid mit seiner Stofffarbe an eine Leberwurstpelle (die golden-weiße) erinnert hätte. Ich weinte und warf es gleich in den Altkleidercontainer. Ich brauchte es sowieso nicht mehr. Ich kriegte den Reißverschluss nicht mehr zu.

Zu meinem sechzigsten Geburtstag kaufte ich mir noch einmal ein neues Kleid. Lang und eng, und ja, weiß mit Blumen bedruckt. Kein festliches Kleid, aber ein langes und manchmal trage ich es im Sommer heute noch, aber nur Zuhause.

Kleider meines Lebens! Ein witziges Thema und es sprudeln die Erinnerungen, wenn ich an sie denke! Weiter geht´s vielleicht mit den Möbeln meines Lebens, den Reisen meines Lebens und vielleicht sogar der Schmuck meines Lebens? Puppen, Bücher, Musik, Freunde, Ausbildungen, Filme und noch so einiges eignen sich hervorragend für alternative Lebensläufe. Wunderbar, so wird ein und dieselbe Geschichte niemals langweilig.

 

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19 Gedanken zu “Kleider meines Lebens

  1. Oh ja, Kleider meines Lebens. Ich habe schon frühzeitig, so etwa mit 14 Jahren angefangen, mir einige Kleider selbst zu nähen. Leider sind die nirgends dokumentiert. Das bedaure ich wirklich sehr, denn wir waren wirklich sehr kreativ. Auch für meine Töchter habe ich viel selbst genäht und gestrickt. Wirklich schade, das alles nach der Wende entsorgt wurde, schließlich konnten wir dann alles kaufen. Jetzt stricke ich noch immer und trage zu Hause meist Strickkleider.

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    1. Respekt, liebe Hedwig! Nähen war so nie mein Ding und an ein Strickkleid habe ich mich nicht gewagt. Heute ist beides nicht mehr möglich, weil meine Hände feinmotorisch nicht mehr zu gebrauchen sind. Ich erinnere mich gerade daran, dass meine Mutter ihre Schnittmuster und Stoffe mit mir zusammen aussuchte. Heute weiß ich das erst richtig zu würdigen, früher hätte ich mich gerne so angezogen, wie alle anderen auch! Mal abgesehen vom Hosenrockminikleid!

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      1. Manches war eben auch aus der Not heraus geboren. Ich kann mich erinnern, dass ich für meine Töchter keine Hosen zu kaufen bekam, nicht mal hässliche. Eine Kollegin brachte mir einen Hosenschnitt mit. Da ich noch nie eine Hose genäht hatte, probierte ich es mit einem weißen Bettlaken aus. Zufällig war noch rotes Garn auf der Spule. Die Hose passte perfekt. Also noch ein paar rote Ziernähte und ein einfach geschnittener weißes Oberteil und schon war das Outfit für eine Hochzeit, zu der wir eingeladen waren, fertig. Natürlich wurde es auch für die zweite genäht. Nachdem meine Augen immer schlechter wurden, habe ich das Nähen ganz aufgegeben

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      1. Das ist ja toll, dass es Dir so gut geht! Noch denke ich auch, dass es nur besser werden kann und bin froh, dass ich das erste Knie in Angriff nehme! Dort brauche ich nur eine Teilprothese und da ist der Aufwand nicht ganz so groß!

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      2. Abgesehen von dem gestrigen Zwischenfall bin ich angenehm überrascht wie schnell und problemlos die Heilung läuft. Die OP-Methoden und die Endoprothesen haben sich rasant verbessert und die gute Schmerztherapie und schnelle Mobilisierung tun ein Übriges.

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  2. Eine schöne Geschichte. Man konnte so richtig mit dir mitfühlen und manches kommt einem auch bekannt vor, wie man sich in dem einen oder anderen Kleidungsstück mal fantastisch gefühlt hat 🙂 Bei Leberwurstpelle mußte ich lachen! Ich hab noch zwei alte, derzeit nicht mehr modische Kleider rumliegen, die auf Taille und recht eng geschnitten sind. Eins aus Samt. Ich mags heute noch, durfte mir von meinem Partner seinerzeit aber auch anhören, daß ich darin aussähe wie „Wurst in Pelle“ 😉 Da ich es sooo gerne mochte, hat es mir nichts ausgemacht, aber ich muß jedes Mal dran denken 🙂

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      1. Manchmal gehts uns doch genauso, wenn wir etwas zu komisch finden. Man kann es ja so und so sagen. Und wie gesagt, ich mag es so sehr, daß es mich in diesem Fall nicht getroffen hat. Ich glaube treffen tut es einen ,wenn man selbst unsicher ist.

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