Meine Güte, eben stand ich noch durchnässt und verfroren am Föhrer Strand und begrüßte das neue Jahr. Es sollte ein gutes werden, das hatte ich mir vorgenommen.

Und plötzlich ist bald Weihnachten und ich muss ich mir schon wieder Gedanken darüber machen, was ich Silvester mache.

Früher war es einfacher. Als Kind konnte ich mich darauf verlassen, dass meine Familie zusammenkommt und bei Feuerzangenbowle bis Mitternacht und darüber hinaus immer fröhlicher wurde. Wir Kinder schmückten das Wohnzimmer mit Papierschlangen, blieben natürlich wach und feierten, so gut wir konnten. Alle hatten Papphüte auf und meine Großmutter brachte immer Tischfeuerwerke und andere Dummheiten mit. Was für ein Vergnügen, wenn eine schwarze Wurst nach dem Anzünden immer größer und größer wurde und gar nicht aufhören wollte zu wachsen. Knallbonbons liebte ich sehr, denn da waren kleine Plastikteile drin, die als Glücksbringer bei uns Kindern heiß begehrt waren. Mein Bruder vergnügte sich den ganzen Abend im Badezimmer mit seinen Piepmanscher, die er einzeln mit einer kleinen Kanone abfeuerte. Es gab Würstchen im Schlafrock und andere Leckereien. Lustige Musik aus dem Radio unterstrich die fröhliche Silvesterstimmung. Mein Opa fand jedes Jahr, dass dies nun wirklich der schönste Tag in seinem Leben war und er froh sei, dass er das noch erleben durfte. Das Feuerwerk und die Knallerei um Mitternacht liebte ich sehr. Jetzt weiß ich, dass es für die Erwachsenen nicht so einfach war, denn Kriegserinnerungen wurden geweckt. Sie ließen es sich aber nicht anmerken, damit wir Kinder unseren Spaß unbelastet genießen konnten.

Als ich dann kein Kind mehr, sondern eine junge Erwachsene war, hatte ich meine Clique und Silvester waren wir immer zusammen. Mal in Hamburg, mal in Dänemark und einmal mit Schneekatastrophe in Kappeln. Aber immer ohne Hüte, was eigentlich schade war. Dafür war die Stimmung ausgelassen und die Feiern uferten auch manchmal etwas aus. Wir waren eben jung!

Später hatte ich meine eigenen Familie und meistens feierten wir alleine oder mit Freunden. Die Jahrtausendwende verbrachten wir auf Föhr, wo wir jahrelang gelebt hatten, bevor wir auf das Festland zogen. Die grandiose Party auf dem Sandwall mit Lifemusik am Meer werde ich nie vergessen.

Noch später, als die Kinder abgenabelt waren, feierten mein Mann und ich mit anderen Paaren im kleinen Kreis oder wir blieben alleine. Das war dann gemütlich, aber nicht sonderlich spektakulär.

Im Scheidungsjahr blieb ich alleine Zuhause und sah mir die ersten Staffeln von „Mord mit Aussicht“ an. Ich konnte den Gedanken kaum ertragen, dass mein Mann mit der anderen Frau feiert und glücklich ist. Sein Glück machte mich tiefunglücklich. Um Mitternacht stand ich heulend auf der Straße und sah dem Feuerwerk zu. Auch dieses Silvester werde ich nie vergessen! So eine Heulsuse bin ich heute zum Glück nicht mehr.

Die nächsten Jahre verbrachte ich den Jahreswechsel hin und wieder alleine auf Föhr, wobei auf dem Sandwall ja immer viele Leute um mich waren, mit denen ich auf das jeweilige neue Jahr anstoßen konnte. Manchmal traf ich alte Bekannte und dann war die Freude groß.

Einige Jahre feierte ich mit Freundinnen in Lüchow. Wir aßen und spielten. Die Stimmung war gut, aber irgendwie nicht so richtig silvestertauglich, fand ich.

Im letzten Jahr war ich also mit drei lieben Leuten  wieder auf Föhr. Das Feiern war auch bei Dauerregen wunderschön. Der Jahreswechsel am Strand hat immer etwas ganz besonderes, egal wie das Wetter ist.

Jetzt ist also bald Weihnachten und ich weiß immer noch nicht, wie ich Silvester verbringe. Vielleicht bleibe ich alleine Zuhause und stoße um Mitternacht mit mir selber an. Dieser Moment ist in meinem ganzen Leben immer besonders emotional und wichtig gewesen, egal, in welcher Form ich den Jahreswechsel verbrachte. Vielleicht liegt das an meinen schönen Kindheitserinnerungen!

 

 

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8 Gedanken zu “17. Dezember

  1. Ich habe … ich glaub zwei Jahreswechsel mit mir alleine verbracht und es war genau gut so, wie es war
    Man muss ja nicht immer gut drauf sein
    Man kann auch mal einfach in sich gehen und oft ist es innen drin ganz anders als man dachte
    Was nicht funktioniert : Unbedingt ganz toll feiern wollen
    Das kenn ich aus Jugendzeiten
    Die eine Party war nicht toll genug, die nächste auch nicht und letztlich waren wir um Mitternacht irgendwo auf dem Weg von einem zum anderen
    Vielleicht begegnet dir noch eine tolle Idee, vielleicht wird es auch alleine ein friedvoller Abend
    Sich nach seinem Gefühl richten und die Dinge nehmen wie sie kommen, das funktioniert in der Regel am besten

    Alles Liebe ❤

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    1. Genau, liebe Ananda, Silvester ist wie Weihnachten. Man muss seinem Inneren folgen und darf die Traditionen gerne verändern, wenn es an der Zeit ist. Man darf sich zu nichts zwingen. Sollte ich dieses Jahr alleine sein, ist es auch in Ordnung. Zum Anstoßen sind dann (hoffentlich) einige Nachbarn da. Das wäre schon schön! Liebe Grüße und Dir eine schöne Zeit! Regine

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  2. Silvester ist für mich ohnehin immer eher der besinnliche Teil und Weihnachten die Geburtstagsfeier. 🙂
    Für mich ist der Jahreswechsel in dem Sinn nichts Besonderes, weil es oft Mitternacht wird und ich es schon seit langem seltsam finde, wenn Leute an diesem einen Tag lang wachbleiben und auf die Uhr schauen.
    Dieses wird mein zwites Silvester ganz für mich allein sein. Meine Frau muß arbeiten und meine alte Dame schaut sich das ganze „von ganz oben“ an.

    Hab‘ besinnliche Feiertage! Für Silvester wird Dir aus dem Bauch heraus das Richtige einfallen, da bin ich mir sicher. Liebe Grüße, Heinz

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    1. Danke Heinz, ich bin auch ziemlich gelassen und denke, es wird gut, so oder so. Für mich war Silvester immer etwas Besonderes und das schöne Gefühl will ich mir dieses Jahr bewahren. Und auf jeden Fall auf die Uhr⏳ schauen 😂. Dir wünsche ich einen friedlichen Jahreswechsel und bei Lust und Laune kannst Du ja später mit Deiner Frau ein wenig feiern🥂. Liebe Grüße und eine schöne Zeit! Regine🌟

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