Heute ist der letzte Tag, an dem ich im Haus meines verstorbenen Mannes aufräume. Zum Glück machen meine Söhne mit. Es ist emotional sehr kräftezehrend und uns geht es nicht gut. Darum bin ich froh, wenn heute Abend die Zimmer soweit fertig sind, dass die Maklerin ansprechende Fotos machen kann.

Wir haben uns genommen, was wir behalten möchten. Erinnerungsstücke sind wichtig, aber es darf auch nicht zu viel werden. Einiges ist verschenkt worden und in guten Händen. Jetzt nehmen wir nichts mehr mit und den Rest erledigt dann eine Firma. Wir bringen es selbst nicht fertig, seine vielen Dinge zu verkaufen oder auf die Mülldeponie zu bringen.

Vielen Menschen geht es im Dezember überhaupt nicht gut. Gerade in der Vorweihnachtszeit können wir dem wahren Leben kaum entfliehen. Der allgemeine Auftrag, glücklich zu sein und vor lauter Vorfreude an nichts anderes zu denken, als an Weihnachten, kann nicht erfüllt werden. Der Kummer, das Schwere, die Einsamkeit, die Armut und vielleicht auch die schlechten Erinnerungen an frühere Weihnachten, stehen so sehr im Gegensatz zur allgemeinen echten oder aufgesetzten Festtagslaune, dass sie nicht mehr zu verdrängen sind. Selten habe ich das so deutlich empfunden, wie in diesem Jahr.

Ich lasse meinem Befinden freien Lauf und befreie mich von Traditionen, Erinnerungen und Erwartungen, so gut es eben geht. Ich lasse mich treiben. Ja, ich spüre den Advent, aber keine Vorfreude. Ich nehme den Lichterglanz draußen wahr und habe auch ein wenig Weihnachtsbeleuchtung an meinen Fenstern. So ist die Dunkelheit nicht ganz so finster. Ich sehe mir in diesem Jahr keine Weihnachtsfilme an, aber dafür andere, die mich emotional ansprechen. Ich werde Heiligabend nicht allein sein und auch nicht als trübe Tasse herumsitzen, aber ich werde mich zur Weihnachtsfreude nicht zwingen. Es kommt, wie es kommt.

Ich fühle mich lebendig, weil eben alles dazugehört. Auch das Schwere. Auch zu Weihnachten.

Alles in allem kriegen wir drei das ganz gut hin. Es ist zu schaffen, ohne die Lebensfreude ganz zu vergessen. Und dazu gehört natürlich auch der Advent.

 

DSC_0006-001

 

7 Gedanken zu “15. Dezember

    1. Ein Sohn bleibt lieber mit seiner Freundin allein. Er braucht die Stille. Mit dem anderen und der Familie seiner Freundin bin ich zusammen. Wir werden uns Zeit für Erinnerungen nehmen. Wir wollen aber auch anderen Themen Raum geben. Kraft werden wir sicherlich tanken. Liebe Grüße! Regine

      Gefällt 2 Personen

  1. Der tiefere Sinn der Weihnacht ist für mich nicht an den 24.12. gebunden und wenn keine Weihnachtsstimmung aufkommen will, ist es halt so. Da darf man ehrlich zu sich selbst und zu den anderen sein. Wichtig ist doch, dass ihr als Familie zusammen seid, sofern das gewünscht wird.
    Auch, wenn dein einer Sohn die Stille sucht, ist es verständlich und gut. Ich finde nichts schlimmer, als eine verkrampfte Stimmung, die nicht dem Inneren entspricht.

    Habt trotzdem erfüllte und friedvolle Tage!

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Anna-Lena, genau so denke ich auch. Ich bin stolz auf uns, dass wir alles so gut hinbekommen und uns den Freiraum lassen, den wir brauchen. Daran haben wir im Laufe der letzten Jahre gearbeitet und jetzt sehen wir, dass es sich gelohnt hat. Liebe Adventsgrüße! Regine

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Regine,
    Was Du schreibst, erinnert mich ein wenig daran, wie wir vor zehn Jahren das Haus meiner Großeltern ausräumten und ich kann ein wenig davon nachempfinden, wie schmerzvoll alles für Dich sein muss!
    Was Weihnachten betrifft, habe ich die letzten Jahre die Festtage ignoriert, sofern die Kinder nicht bei mir waren. Verordnete Freude und Kaufwahnsinn sind mir ein Graus und zu einem bestimmten Datum hin in eine entsprechende Stimmung zu kommen, schaffe ich auch in diesem Jahr nicht.
    Dieses Jahr gehen wir am 24. zu meinen Eltern, wo es angesichts der Erkrankung meiner Mutter keinen großen Sums und nur für die Kinder Geschenke geben wird. Wichtig ist ja doch nur das Beisammensein.
    Dir wünsche ich, dass Du die schwierigen Tage im Kreis Deiner Familie Zeit zur Einkehr und Besinnung haben wirst, zum gemeinsamen Gedenken aber auf für ein paar Augenblicke des Lebensglücks.
    Herzliche Grüße von Agnes

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Agnes, wichtig ist nur das Beisammensein, das ist wirklich wahr. Ich habe es nie so deutlich empfunden, wie in diesem Jahr. Ich wünsche Dir und Deiner Familie. dass Ihr die Zeit miteinander genießen könnt und Dir schicke ich einen goldenen Stern! 🌟 Regine

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s