Hallo Leute, seid ihr auch so geschafft? Ich kann bald nicht mehr. Jede Nacht Weihnachtsfeier mit Männertanz und Gesang der holden Engel, die gar nicht mehr hold sind, das schlaucht doch sehr. Die Engel sind kaum wiederzuerkennen. Die Flügel zerzaust, die Kleidchen fleckig, Heiligenscheine fallen reihenweise ab und liegen überall herum. Ich wollte mir einen aufsetzen und für den Sommer aufheben, aber leider passt mir keiner. Zwetschge sammelt sie ein. Er wirft sie in die Luft und will, dass ich sie fange. Ich frage Frau Holle, die gerade auf dem Dachboden ist, warum er das tut und sie sagt: „Misi, das ist ganz normal, er will doch nur spielen.“ Sie bückt sich und wirft Zwetschge einen Heiligenschein zu und der kleine Racker fängt ihn kreischend auf. „Frisbee“, murmelt Frau Holle. „Frisbee heißt das. Mir fiel eben das Wort nicht ein.“

Weihnachtsfeiern sind ja gut und schön und schon lange träumten die Gestalten davon, jeden Abend unbeaufsichtigt feiern zu können, aber irgendwie fehlt uns die Aufsicht doch. Party immerzu vertreibt die echte Freude auf Weihnachten. Wusstet Ihr das das? Ich nicht.

Die Weihnachtsmänner schnarchen den ganzen Tag. Ihnen fehlen ihre Aufgaben. Der Drinnenwichtel will endlich nach draußen und die Engelkinder sind verstört, unausgeschlafen und quengelig. Kekse gibt es keine und der tägliche Rum schmeckt auch nicht mehr so wie früher. Zwetschge denkt, dass er Frau Holles Original-Adventszeit erlebt, er weiß es ja nicht anders. Er findet das lustig und jagt die Engelkinder immer dann, wenn sie nicht mit ihm rechnen. Ich muss ihm das demnächst verbieten, aber jetzt ich bin zu müde dazu.

Frau Holle ist also gerade oben. Sie räumt den Dachboden auf und bringt ganz viele Kisten weg, wohin weiß ich nicht. Sie sagt, sie braucht jetzt Ordnung überall und Platzschaffen befreit. Ich verstehe nicht, was sie meint, aber wichtig ist, dass die Weihnachtskisten so bleiben, wie sie sind. Frau Holle sagt ja und nächstes Jahr wird wieder unten gefeiert. Ihr gefällt es gar nicht, wie die Engel aussehen und dass die Weihnachtsmänner ihre Arbeit nicht tun. Einer brummelt in seinen Bart: „Was sollen wir hier oben für vorweihnachtliche Stimmung sorgen, wenn Frau Holle nicht dabei ist? Das macht doch keinen Sinn.“ Er schüttelt den Kopf und schlurft zu den anderen.

Frau Holle nickt und seufzt. Sie befürchtet, dass sie ihre Oberhoheit verloren hat. Ich sage: „Für dieses Jahr schon, liebe Frau.“ Ich gebe ihr ein Küsschen auf die Nase und verkrümele mich in mein Terrarium, spreche ein Machtwort mit Zwetschge und lege mich dann schlafen. Ich will fit sein für heute Nacht, denn dann feiern wir HAV (Heiligabend vorgezogen). Wir tun so, als sei schon der 24. Dezember, denn bis zum echten Fest reicht unsere Kraft nicht mehr.

Euch geht es hoffentlich gut in Euren warmen Stuben. Eure Gestalten sorgen vielleicht für sinnliche Stimmung und der Kerzenschein verbreitet ein güldenes Licht, in dem man den Staub nicht so sieht. Wahrscheinlich backt und macht und tut ihr weihnachtliches und dazu beglückwünsche ich Euch. Habt es friedlich miteinander und seid nicht so streng zu Euren Kindern! Euer Misi!

 

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3 Gedanken zu “12. Dezember

  1. Ordnung schaffen ist auch mein Mittel der Wahl , wenn in mir drin Unordnung herrscht
    Sauber machen find ich ätzend, aufräumen liebe ich

    Der Vor-Weihnachts-Alltag ist halt ein ganz anderer , wenn man noch in Arbeit ist …
    Es geht auf Jahresende zu = Wir müssen jetzt noch alles machen , was wir das ganze Jahr über nicht gemacht haben plus Jahresabschluss plus alles mögliche vorbereiten/ einrichten für wenn ich im Januar nach zwei Wochen Urlaub wieder komme und das neue Durchananda schon auf mich wartet

    Tüte Mitleid ?
    Nö … einen Schokoladen Nikolaus würd ich nehmen …
    Und werd ich auch kriegen … das ist das Gute –
    Es schneit zwar noch nicht, aber es regnet Süßigkeiten all über all 😊

    So verschieden sind manchmal die Leben und so hat jeder das Seine …

    Alles Liebe 🎅

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    1. Oh ja, ich weiß das noch genau: im Dezember war in der Schule Hochbetrieb und es gab für mich als Lehrerin kaum eine Verschnaufpause. Auch den SchülerInnen wurde es oft zu viel des Guten und sie quengelten sich durch bis zu den Ferien. Manchmal war ich Heiligabend völlig erledigt und kam erst nach Silvester einigermaßen zur Ruhe. Weil ich das noch weiß und jetzt das Rentnerinnendasein und die damit verbundene Ruhe so sehr genieße, schicke ich Dir keine Tüte Mitleid, aber einen großen Sack gefüllt mit guten Wünschen, einer Portion innerer Ruhe und ganz viel Weihnachtsfreude! Regine

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