Traditionen müssen sich verändern, sich den Lebensumständen anpassen. Sonst zieht die große Traurigkeit zu Weihnachten ein. Nichts bleibt, wie es war, alles verändert sich immer.

Mein Mann, die Kinder und ich dachten uns unsere Traditionen selbst aus. Meine Ursprungsfamilie feierte für sich und er hatte keine mehr. So waren wir frei für das eigene Neue, das wir mit unseren alten Vorstellungen von Weihnachten verbanden. Viele Rituale veränderten sich im Laufe der Zeit, aber einige bleiben auch. Das war besonders für die Kinder wichtig und richtig.

In der Adventszeit wurde gebastelt, gebacken und vorgelesen. Wir guckten Weihnachtsfilme im Kino und im Fernsehen. Wir besuchten Weihnachtsmärchen und später Comedians in Uelzen, Lüneburg oder Hitzacker. Unvergesslich ist uns allen eine Vorstellung mit Hape Kerkeling geblieben, der damals noch nicht ganz so berühmt war, als er sich in die Provinz verirrte. Nie wieder habe ich meine Söhne so lachen sehen wie damals!

Wir sammelten Eicheln und Kastanien, die wir Heiligabend ins Wildgatter brachten und sie an die Wildschweine verfütterten. Manchmal fuhren wir auch an die Elbe oder gingen in Danneberg spazieren. Je nach Lust und Laune, aber einen Ausflug machten wir immer!

Einmal kamen wir von so einem Ausflug nach Hause und das Weihnachtszimmer war abgeschlossen. Der Schlüssel war verschwunden. Wir saßen mit unseren Weihnachtsmützen missmutig herum und wussten nicht, was wir tun sollten. Mein Mann gab uns Aufgaben, die zum Schlüsselauffinden nützlich sein sollten. Na ja, irgendwann war er wieder da und es konnte weitergehen. Ein anderes Mal schlug mein Mann vor, keine Namen auf die Weihnachtspäckchen zu schreiben. Wir sollten nach dem Auspacken raten, wem was gehörte. Wir ließen uns darauf ein und das war ein Fehler. Mein Mann hatte ganz viele Dinge aus Küche und Schuppen eingepackt und der Geschenkeberg war riesengroß, so was habt Ihr noch nicht gesehen. Es war nicht so leicht, die echten Geschenke zu erkennen und zu verteilen. Irgendwann verloren die Jungs die Lust auf dieses Rätselraten.

Ja, so war er manchmal, mein Mann. Ich konnte nicht immer über seine Streiche lachen, aber er sorgte für Abwechslung und Überraschungen.

Den Weihnachtsbaum schmückte ich am Heiligabend-Morgen, bis die Kinder größer wurden und mitmachen wollten. Meistens gab es vor der Bescherung Raclette. Geschenke gab es natürlich immer reichlich und am schönsten waren die Zeiten, als es noch etwas zu spielen gab. Na ja, irgendwann hören Kinder natürlich damit auf, weil sie andere Interessen entwickelten.

Gemütlich waren die Jahre bis zur Zeit der großen Ehekrise immer, aber das ist ein anderes Thema.

Dann kam die Scheidung und wir feierten ohne den Vater und mussten uns neue Rituale ausdenken. Es war keine einfache Zeit und Weihnachten musste sich erst wieder aufbauen. Manchmal besuchten wir meinen Sohn in Berlin, manchmal waren wir bei mir in der neuen Wohnung. Wir wurden von Jahr zu Jahr besser und fröhlicher. Und dann gesellte sich auch mein geschiedener Mann wieder zu uns. Es gelang uns ziemlich schnell, das neue Familiengefühl in die gute Stube zu lassen. Anders als früher, aber auch ganz schön und mein Mann hatte sogar wieder seine drolligen Weihnachtsmomente.

Und nun ist er nicht mehr da. In diesem Jahr haben wir keine Lust auf unsere Traditionen, denn sie passen gerade nicht zu unseren Gefühlen. Darum machen wir alles anders, als gewohnt, jeder und jede so, wie es ihm oder ihr am besten tut.

Wir merken, dass diese Entscheidung richtig für uns ist, auch wenn wir nicht alle beisammen sein werden. Wir entwickeln in den nächsten Jahren mit Sicherheit neue Weihnachtstraditionen für uns und werden dabei einige alte Rituale nicht vergessen. Ich bin gespannt.

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3 Gedanken zu “7. Dezember

  1. Danke für Deine nette Geschichte – so ein Einblick in weihnachtliche Traditionen öffnet das Gedächtnis- Türchen zur eigenen Kindheit
    die nicht immer glücklich ihren Abschluss fand …. an das Schöne wird sich gerne erinnert

    liebe Grüße aus dem vernieselten Hildesheim … von zuzaly 🙂

    Gefällt 3 Personen

  2. ich wünsche dir vor allem sehr viel Freude und Glück zur Weihnachtszeit, dass ihr eine schöne Zeit habt. Ich selbst habe beschlossen eine neue Tradition aufzunehmen, um ein wenig Veränderung einkehren zu lassen, wir (die Kinder und ich) werden nämlich eine Tanne im Wald ein wenig schmücken. 🙂 Liebe Grüße von mir

    Gefällt 1 Person

    1. Das ist eine so schöne Idee! Viel Spaß dabei. Ich erinnere mich gerade an ein Bilderbuch, das ich den Kindern früher zur Weihnachtszeit vorlas. Dort lag ein Junge Heiligabend völlig erschöpft und glücklich im Bett und dachte:“ Wie gut, dass draußen immer noch Weihnachten ist.“ Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

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