Mir scheint, meine Weihnachten leben hauptsächlich von Traditionen und Erinnerungen.

Was wäre dieses Fest ohne meine Kindheitserinnerungen. In meinen ersten zwölf Lebensjahren war der Advent Zauber und Wunder zugleich. Ich liebte die Adventskalender mit Silber. Jeden Tag war ein kleines Weihnachtsmotiv zu sehen  und wir erzählten uns in der Schule, was  „wir im Kalender hatten“. Am Adventskranz waren vier Päckchen befestigt. Jeden Sonntag vor dem Frühstück durften wir eins davon abschneiden und es enthielt immer weihnachtliche Schokolade.

Am 5. Dezember wurden Schuhe geputzt und gewienert bis sie glänzten wie nie zuvor. Sie wurden ans Fenster gestellt und am nächsten Morgen waren sie gefüllt mit herrlichen Süßigkeiten und kleinen Geschenken. Eins davon besitze ich heute noch.

img_6609Der Heiligabend war mit nichts anderem zu vergleichen und natürlich der Höhepunkt der Weihnachtszeit. Morgens unternahm mein Vater etwas mit uns Kindern, damit die Mutter in Ruhe alles vorbereiten konnte. Mittags kam dann meine Lieblingsoma und das lange Warten begann. Das Bauchkribbeln am Nachmittag, das Kaffeetrinken und Zusammensitzen im Kerzenschein und dazu die Weihnachtslieder-LP-Kinderliedermusik, unvergesslich. Da floss so manche Träne, weil die Spannung unerträglich wurde. Na gut, damit es nicht zu verklärt klingt: meine Eltern konnten die Spannung auch schlecht aushalten und regelmäßig gab es unseren „Heilig-Abend-Ehestreit“, der manchmal recht heftig ausfiel. Spätestens um 18.00 Uhr, als wir alle ins Wohnzimmer durften, war dieser aber zumindest bei uns Kindern vergessen.

Der Tannenbaum mit echten Kerzen und dem alten Weihnachtsschmuck wurde jedes Jahr wieder bewundert und bestaunt. Ich glaube, es gab bei uns wirklich die glänzenden Kinderaugen, von denen so viel die Rede ist, zumal ziemlich viel Süßes am Baum hing, Kringel, Weihnachtsmänner und Tannenzapfen aus Schokolade. Wir wussten, dass wir bis Silvester immer mal wieder die Erlaubnis bekamen, etwas davon abzupflücken. Der bunte Teller mit Marzipan und allen anderen Süßigkeiten, dazu ein paar Apfelsinen und Nüsse, ganz wunderbar herrlich anzuschauen. Damals gab es für uns Kinder nicht  täglich Süßigkeiten und eigentlich viel zu selten für unseren Geschmack. Aber die Weihnachtszeit war Schokoladenzeit.

Gut, am wichtigsten waren natürlich die Geschenke. Die mussten wir uns erarbeiten. Gedichte aufsagen, Lieder singen, Flöte flöten. Aber dann durften wir endlich auspacken und wir jubelten, daran kann ich mich heute noch gut erinnern. Spielzeug war heiß begehrt! Ich erinnere mich an eine Puppenstube, die mein Vater selbst gebaut hat. Mit Lichtschaltern in jedem Zimmer und klitzekleinen Lampen, die eingeschaltet werden konnten. In einem anderen Jahr gab es einen Puppenkochherd. Ich versorgte den ganzen Abend meine Familie mit Nudelsuppe. Einmal bekam ich eine Negerpuppe und wir nannten sie auch so, weil Neger noch kein Schimpfwort für uns war. Sie hieß Lilly und sie hatte goldene Ohrringe. Einmal gab es eine Puppe mit echten Haaren, meine Brigitte und später, als ich schon zehn war, eine lebensgroße Babypuppe, meine Bärbel. Mit der konnte ich üben, denn im darauffolgenden Jahr bekam ich noch eine kleine echte Schwester geschenkt!

Meistens gingen wir nach der Bescherung, dem Abendessen (Kartoffelsalat und Würstchen!) und dem ausgiebigen Spielen zu meiner Tante und ihrer Familie. Der halbstündige Spaziergang, manchmal sogar im Schnee, brachte noch einmal eine extra Portion Weihnachtsstimmung, denn festlich beleuchtet war jedes Haus und die Kirchenglocken läuteten.

Die späteren Weihnachten wären nichts für mich, ohne diese Erinnerungen. Es ist mühsam, mich in die damalige Stimmung wieder hineinzuversetzen. Nein, es ist nicht wirklich möglich, sie nachzufühlen. Aber ich kann mich an meine Kindergefühle von damals gut erinnern. Etwas sehnsüchtig  möchte ich jedes Jahr wieder ein kleines Stückchen meiner Kinderweihnacht zurückholen.

Ich bin meinen Eltern sehr dankbar dafür. Es war ihnen möglich, uns Kindern den Weihnachtszauber zu schenken. Das war sicher nicht leicht für sie, denn der Krieg und Nachkriegszeit hatten deutliche Spuren hinterlassen und bestimmt mussten sie in der ersten Zeit das ganze Jahr über sparen, um unsere Weihnachtswünsche zu erfüllen. Darum waren die Geschenke auch so wertvoll.

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9 Gedanken zu “5. Dezember

  1. Erinnerungen an Weihnachten früher, habe ich keine guten. Es war immer chaotisch und meine Eltern hatten auch Ehekrach, weil mein Vater zu viel trank. Dann bekam ich eine Puppe mit dunklem Kunsthaar geschenkt, die mochte ich überhaupt nicht. Meine Schwester bekam die Puppe mit den blonden Haaren. Die sah viel hübscher aus. Nun ja, ich habe dunkle Haare und meine Schwester blonde, so wurde das eingeteilt.
    Es war nie schön und mit meinen Kindern dann ganz anders, aber auch sehr stressig.
    Die Kinder sind nun verheiratet und feiern IHR Weihnachten wirklich sehr harmonisch.
    Mein Mann und ich sind nun zu zweit und wir lassen es ruhig angehen, mit leckerem Essen, manchmal auch ein kleines Geschenk.

    LG Mathilda ❤

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    1. Ich rechne es meinen Eltern hoch an, dass sie es fertig brachten, dass ich so gerne an diese Weihnachten zurück denke. Wahrscheinlich sind meine Erinnerungen verklärt, aber das macht ja nichts. Traditionen verändern sich und müssen immer neu an die jeweiligen Lebenssituationen angepasst werden. Das habt Ihr in Eurer Familie wohl gut hingekriegt! In diesem Sinne eine schöne Adventszeit! Regine

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  2. Ja, damals war Weihnachten noch etwas ganz Besonderes. Auch ich denke gern daran zurück. Echte Kerzen und bunte Glaskugeln am Baum, das hatte etwas ganz besonderes. Wir Kinder bekamen den Baum zur Bescherung zum ersten Mal zu sehen und waren ganz verzaubert. Diesen Zauber habe ich bei meinen Kindern sehr vermisst, denn Weihnachtsbäume gab es schon in der ganzen Adventszeit in Krippe und Kindergarten und war deshalb nichts Besonderes. Für die Enkel machten wir dann das Schlagen des Baumes zum Höhepunkt, es gab da auf einen Dorf so ein schönes Fest. Jetzt versuche ich, wenigstens im Haus die alte schöne Stimmung wieder zu beleben.

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    1. Unser Weihnachtsbaum wurde auch erst am 24. geschmückt und so halte ich es heute noch. Für meine Kinder war es nicht ganz so zauberhaft, wie für mich damals, jetzt weiß ich, warum: Weihnachtsbäume standen überall während der ganzen Adventszeit herum. Später schlugen wir „unseren Baum“ selbst und dann wurde es wieder etwas ganz Schönes. Dir und Deiner Familie eine schöne Zeit! Regine

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  3. Liebe Regine, ach, bei dir hört sich das alles so schön an. Da möchte man gleich mitfeiern. Ich mußte eben laut lachen, als ich zu dem Satz kam: „damit es nicht zu verklärt klingt“ und „Ehekrach“! Ja, Streit gehört wohl auch dazu. Spannung gibts an diesen Feiertagen oft genug. Immerhin hattest du wirklich einige sehr schöne Weihnachten. Kann ich gut verstehn, daß du diese Stimmung noch mal zurückhaben möchtest. Mit manchen Dingen geht mir das auch so. Bei uns gabs auch viel selbstgemachtes, selbstgebaute Puppenstuben und Eisenbahnen 🙂 Heute haben wir uns in unserer Gesellschaft vieler Traditionen entledigt, weil wir sie als störend, einengend oder belastend empfanden. Aber es gibt auch Traditionen und Rituale, die schön sind und etwas wertvolles haben. So manches Weihnachtsritual (morgens den Baum schmücken, mittags Kartoffelsalat mit Würstchen usw.) finde ich auch heute noch schön. Schau ma mal, wie es dieses Jahr wird. Ich wünsche dir noch eine schöne Adventszeit! LG, Almuth PS daß du diese Puppe noch hast 🙂

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    1. Liebe Almuth, die Puupen….äh, Puppen habe ich leider nicht mehr, aber ich weiß noch genau, wie sie aussahen. Meine Kindheit war alles andere, nur nicht harmonisch, aber an die Weihnachten denke ich wirklich gerne zurück. Das änderte sich, als ich in die Pubertät kam, aber das war hier nicht das Thema. Einige Rituale habe ich in mein eigenes Familienleben übernommen und ich hoffe, dass meine Söhne sich auch gerne zurück erinnern.
      Klar, in diesem Jahr machen wir es anders und den älteren werde ich Weihnachten gar nicht sehen, aber ich bin ganz froh, mich an die Traditionen einer anderen Familie anschließen zu können.
      Dir auch eine schöne Zeit beim „Endspurt“ und liebe Grüße! Regine

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