Hallo Leute, als alleinerziehender Vater hat frosch es gar nicht so leicht. Die meiste Brut hat sich ja schnell verselbstständigt, aber Zwetschge nicht. Der denkt gar nicht daran, erwachsen zu werden. Er brüllt zwar nicht mehr nach mir, wenn ich aus seinem Sichtfeld verschwinde, aber er will immer wissen, wo ich bin. Daran hat auch unsere Reise nach Österreich nicht viel geändert. Mein Sohn bleibt ein kleiner Schisser. Frau Holle guckt streng und sagt, sowas sagt man nicht. Erst recht kein liebender Froschvater. Nun gut, Zwetschge ist kein kleiner Schisser, übervorsichtig schon.

Ich habe mich sehr an ihn gewöhnt.

Frau Holle hat mein Terrarium hergerichtet und eine nette kleine Zweiraumwohnung daraus gebastelt. Söhne, auch übervorsichtige, müssen sich daran gewöhnen, alleine zu schlafen. Wir trainieren das noch. Unruhige Nächte, aber da müssen wir durch. Zwetschge zieht alle Register und nörgelt, er würde ohne Mutter aufwachsen und da hätte der Vater gefälligst Rücksicht zu nehmen und ihn nachts nicht auch noch alleine zu lassen. Ich sage, seine Brüder und Schwestern seien schon lange selbständig und leben ihr eigenes Leben, so wie es sich für Jungfrösche gehört. Er sagt, das interessiere ihn nicht, was seine Geschwister machen, er will jedenfalls in meinem Zimmer schlafen. Ich sage nein und er droht, zu seiner Mutter zu ziehen, wenn er sie findet. Meine Güte. Dann schläft er eben heute Nacht bei mir. Morgen versuche ich es dann noch einmal mit seiner Verselbstständigung.

Meine Kumpels sind schon wieder erstarrt und ich nicht, weil ich drinnen bleiben darf. Ich will auch Zwetschge nichts vom Erstarren erzählen, denn er weiß das nicht und denkt, alle Frösche leben im Winter in Terrarien. Ich lasse ihm den Glauben. Frau Holle meint, auch Kinder müssen wissen, wie das Leben wirklich ist. Aber sie hat mir nicht in die Erziehung reinzureden.

Wir sitzen neben Frau Holle auf dem neuen Sofa und plaudern ein wenig mit der guten Frau. Sie ist etwas stiller als sonst. Ich will sie aufmuntern und frage, ob sie sich auf Weihnachten freut. Sie sagt: „Weiß ich nicht, Misi.“ Wie kann man nicht wissen, ob man sich freut? Ich freue mich sehr und in diesem Jahr ist Zwetschge dabei, der soll ordentlich staunen. Frau Holle nickt und sagt: „Das stimmt, Misi. Einer ist dazu gekommen. Aber einer wird auch fehlen.“ Ich nicke betreten und gebe Frau Holle ein Küsschen auf die Nase und sage: „Wir machen das schon.“ Frau Holle guckt ganz komisch und sagt: „Ja, mal sehen.“ Wir verabreden, dass wir im Dezember wieder einen Adventskalender in den Regenbogen zaubern wollen. Ich will Frau Holle ganz doll helfen und Zwetschge auch. Frau Holle lächelt und jetzt gibt sie mir ein Küsschen auf die Nase. „Das Leben geht ja weiter“, murmelt sie und steht auf.

Sie will jetzt ins Kino gehen. Ich nicht, denn ich muss bei meinem Kind bleiben.

 

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3 Gedanken zu “Alleinerziehender

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