„Er war doch einer von uns! Das geht doch nicht!“, sagte eine Freundin, als ich ihr erzählte, dass mein geschiedener Mann gestorben ist.

Doch, es geht. Ich wusste, dass jeder jederzeit sterben kann. Doch nun weiß es nur mein Verstand, mein Gefühl glaubt immer noch daran, dass er wiederkommt und sagt, es war nur Spaß und alles ist gut und ob ich noch etwas zu reparieren hätte.

Das wird nicht passieren. Ich weiß, aber mein Herz lässt die Realität nur in kleinen Bruchstücken zu. Die Zeit dehnt sich, Gefühle sind so intensiv wie selten zuvor. Ich halte mich am liebsten im Garten oder in der Natur auf und lasse die Gedanken fließen. Gefühle wechseln und manche will ich überhaupt nicht fühlen. Erinnerungen werden geweckt. Manche will ich am liebsten abweisen, taste mich aber vorsichtig an sie heran. Der Wahrheit ins Gesicht sehen, sie anerkennen und sich mit ihr aussöhnen, das ist jetzt meine Aufgabe.

Bis wir Samstag gemeinsam im Ruheforst um ihn trauern.

Wir lebten fast dreißig Jahre zusammen und ließen uns dann scheiden. Im Moment ist es völlig nebensächlich. In den letzten Jahren fanden wir uns als Familie wieder zusammen, die Kinder, er und ich. Manchmal trafen wir uns auch allein und die alte Vertrautheit war wieder da. Ich vertraute nicht so ganz, aber ich traute mich, ihm zu begegnen. Heute trauere ich um ihn und auch ein bißchen um die Ehe, die es ja schon lange nicht mehr gab, die für mich aber erst jetzt mit einer drückenden Endgültigkeit vorbei ist.

Unsere Kinder trauern und haben doch die Kraft, alles zu regeln, was es zu regeln gibt. Ich habe da nichts mehr zu suchen, ich bin die geschiedene Frau, die zuarbeiten kann, aber ihn nun endlich loslässt, weil sie muss. Die Kinder sind die „direkten Hinterbliebenen“, ich nicht mehr. Der Verstand weiß das genau, das Gefühl aber nicht. Dort sind wir eine Familie geblieben. Es ist wie bei einem Mobile: wenn ein Teil plötzlich fehlt, wirbeln die anderen herum und müssen sich neu aufstellen und einstellen und als System zur Ruhe kommen. Das ist anstrengend. Ich schlafe viel. Nachts kommen Träume und Bilder und manche halten mich dann wach.

Eine einzige Rose blüht im Garten und ich denke mir aus, es sei sein letzter Gruß. Solche Gedanken helfen, auch wenn sie nur Gedanken sind. Das geflügelte Schwein haben wir einmal gemeinsam ausgesucht. Es blieb all die Jahre unser Glückssymbol. Jetzt steht es bei mir und wird mich weiterhin begleiten. Es ist nichts mehr, wie es war, aber das unmögliche Schwein erinnert mich daran: Es wird!

Er hätte gesagt: Feierabend! Aber nur für mich.

 

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30 Gedanken zu “Eine schwere Zeit

  1. Mein allerherzlichstes Beileid. Schön, dass ihr als Familie wieder zusammen gefunden habt. Klar kann man die gemeinsam verbrachten Jahre nicht auslöschen. Auch ich war in erster Ehe zwanzig Jahre verheiratet, nach den ersten bösen Jahren haben wir im Interesse unserer Kinder und Enkel Frieden geschlossen und sitzen nun gemeinsam mit unseren neuen Partnern beim gemütlichen Kaffeeklatsch bei den Kindern zusammen. Das ist leider nicht überall so. Halt die Ohren steif und denk an die schöne Zeit zurück.

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  2. Mein Beileid und auch wenn es dein Exmann war, so wart ihr einander doch auch sehr vertraut und auch wenn Schluss ist, liebt man den anderen vielleicht noch ganz tief innen und sei es nur wie einen Freund.
    Ich kann dich so gut verstehen, weil ich gerade auch einen Menschen verloren habe, bei dem ich diesen Gedanken habe, dass ich vielleicht alles nur geträumt habe und dass alles gar nicht wahr ist.
    Doch mit den Jahren auf auch unserem Weg durchs Leben, verlieren wir Menschen. Ich glaube ja, dass wir uns wieder sehen. Das ist das, was mich tröstet.
    Ich wünsch dir, dass du jeden Trost, den du entdeckst auch annimmst (und wenn es die einzige Rose ist, die noch blüht), dich arrangierst mit der Trauer und weiter (er-) lebst.
    Liebe Grüße, Zoé

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    1. Danke Zoé! Ja, wir verlieren Menschen, das gehört zum Leben dazu. Manchmal verlieren wir sie dann ganz endgültig und nichts kann mehr rückgängig gemacht werden oder neu beginnen. Diese Erfahrung habe ich mit meinen Eltern gemacht, aber dieses Mal ist mein Empfinden viel intensiver. Ich wünsche Dir, dass Dein Verlust nicht allzu schwer für Dich zu tragen ist und auch Du Trost in kleinen Dingen finden kannst! Liebe Grüße! Regine🌟

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    1. Herzlichen Dank, liebe Katja. Euer Mitgefühl und die guten Wünsche helfen mir schon ein bißchen, auch wenn wir uns eigentlich gar nicht kennen. Das Verarbeiten dauert, aber ich als Rentnerin kann sie mir ja auch nehmen. Liebe Grüße! Regine

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