Der Tag danach

Da saßen wir wieder zusammen und philosophierten uns die Köpfe heiß. Fünfzehn Menschen, bis auf einige Ausnahmen im Rentenalter, die in der Volkshochschule Philosophie belegten und einmal im Semester ein Wochenende zusammen verbringen. Wir sind uns vertraut, wir hören zu und bringen uns ein. Wir haken uns manchmal an Themen fest und es kommen neue dazu, mit denen keiner gerechnet hat. Wir fragen nach, wir verstehen nicht immer und das ist auch gut so. Wir lachen und schmunzeln und essen lecker Kuchen. Alle genießen das Zusammensein, das Lernen und das gemeinsame Nachdenken. So ein Wochenende ist etwas ganz besonderes.

Ich nehme immer eigene Themen mit nach Hause, die weiter in mir arbeiten. Dieses Mal ist es die Liebe, die beachtet werden will. Was ist das, wie macht sie sich bemerkbar und wo steckt sie überhaupt?

Außerdem beschäftigt mich heute die Frage, ob ich meine Lebenszeit optimal nutze. Muss ich nicht mehr tun? Wenn die anderen aus dem Kurs von sich erzählen, bin ich ganz ehrfürchtig und bleibe ziemlich still. Sie lernen Fremdsprachen, ein Musikinstrument oder sie malen. Sie besuchen Ausstellungen, Theater und Opern. Sie hören Musik, gestalten tolle Gärten, schreiben Bücher, nähen, singen, sind im Landkreis unterwegs, bringen sich ehrenamtlich ein, reisen, treiben Sport, sind sonstwie aktiv und haben fast alle ein ausgefülltes Familienleben mit Partnern, Kindern, Enkelkindern und Hunden.

Und ich? Ich gehe in den See schwimmen. Ich mache mal hier was und mal da. Manchmal male ich ein Bild, wenn es mich überkommt. Ja gut, ich fotografiere fast täglich. Dazu kann ich aber wenig erzählen. Ja klar, ich schreibe auch regelmäßig und lerne, mich mit meinem PC zu arrangieren. Ich betreibe diesen Blog und gründete zusammen mit Thomas einen Mitmachblog . Ich lebe mit einem Frosch zusammen, der ganz drollig ist. Von dem könnte ich berichten, aber ich fürchte, keiner würde mir glauben.

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Ab und zu reise ich auch. Einfach so, ohne mich dabei zu bilden. Am liebsten bin ich in der Natur, allerdings ohne das Drumherum benennen zu können. Ich lese und kenne die Klassiker nicht. Ich schaue Filme, aber ich kenne die Klassiker nicht. Ich höre Musik und weiß fast gar nichts davon.

Heute Morgen nahm ich mir vor, endlich richtig aktiv zu werden und mir etwas zu suchen, das meinem Leben einen Sinn gibt und mich weiter bringt. Großartiger Vorsatz.

Ich setzte mich ins Auto und fuhr mich an den See. Ich verbrachte fast eine Stunde im kühlen Nass und sah den Schwalben zu. Ich wollte gar nicht mehr erreichen, nur das!

So, jetzt kann ich aber trotzdem ganz gebildet ein Gedicht von Rainer Maria Rilke vortragen, welches wir gestern mit auf den Weg bekommen haben.

Über die Geduld

Man muss den Dingen

die eigene, stille

ungestörte Entwicklung lassen,

die tief von innen kommt

und durch nichts gedrängt

oder beschleunigt werden kann,

alles ist austragen – und

dann gebären….

Reife wie der Baum,

der seine Säfte nicht drängt

und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,

ohne Angst,

dass dahinter kein Sommer

kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt zu den Geduldigen,

die da sind, als ob die Ewigkeit

vor ihnen läge,

so sorglos, still und weit….

Man muss Geduld haben.

Mit dem Ungelösten im Herzen,

und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,

wie verschlossene Stuben,

und wie Bücher, die in einer fremden Sprache

geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.

Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,

ohne es zu merken,

eines fremden Tages

in die Antworten hinein.

                                                                    

Es passt so gut und bestätigt mich in meiner Faulheit. Ich reife also noch und alles wird gut. Ich werde das Gedicht auswendig lernen und aufsagen, wenn irgendjemand meint, ich lebe nicht ausgiebig genug. Oder wenn mir selbst Zweifel kommen.

Dabei fällt mir ein, dass ich schon Jahrzehnte kein Gedicht mehr gelernt habe. Ob ich das noch kann?

Außerdem kann ich jetzt auch Kunst! Also, mein Fotoapparat zumindest. Er hat ohne mein Zutun (klar, auf den Auslöser habe ich schon selbst gedrückt!) folgende Fotos gemacht:

 

 

Aber manchmal habe ich noch das Sagen und ich zeige Euch zum Abschluss meinen heißen wendländischen Sommer!

 

 

 

 

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Völlig durchgeknallt, oder was?

Völlig durchgeknallt, oder was?

„Frau Holle, ich freue mich so, dass die Störche in diesem Sommer woanders sind und nicht hier!“

„Humor ist für besorgte Bürger die Basis des Zusammenlebens“, murmelt sie.

„Wie findest du denn das Wetter heute?“

„Konsum ist irgendwie völlig unabdingbar.“

„Frau Holle, was wollen Frauen?“

„Emanzipation  ist ganz objektiv mein Trost und mein Halt.“

„Frau Holle, du bist eine doofe Tante!“

„Unser Schulsystem ist stückweise eine Frage des Anstands“

Frau Holle ist wohl völlig durchgeknallt. Ich verstehe kein Wort und will meine alte Frau Holle wiederhaben. Ich gebe ihr ein Küsschen auf die Nase und sie sieht mich an. „Ach, Misi, du bist es! Wie geht es Dir? Misi, erst hatte ich solche Schmerzen im Kopf, dass ich nicht mal mehr heulen konnte und dann kriege ich einen Moral-o-maten ( hier und guck mal hier! ) geschenkt. Das ist höhere Fügung! Oder was denkst du?“ Ich weiß so was doch nicht. Ich muss mich von meinen Eiern und meiner Frau erholen und wollte ein vernünftiges Gespräch mit einer eierlosen, vernünftigen Frau haben.

Frau Holle legt ihren Moral-o-Maten zur Seite und erzählt, dass sie Guru werden will. Im Alter noch etwas neues  anfangen ist doch ganz wunderbar und hier steckt ihr Talent. Sie muss viel lernen und üben. Morgen geht sie zu einem philosophischen Seminar und da will sie positiv auffallen. „Vielleicht findet sich ja doch noch ein Mann für mich“, sagt sie und knallt ihre Hand vor den Mund und guckt mich erschrocken mit großen Augen an.

Sie will mit mir üben und ich soll was sagen.

„Frau Holle, wieviele Jungen und wie viele Mädchen stecken in meinen Eiern?“

Frau Holle klappt in ihrem Büchlein und sagt: „Gerechtigkeit ist in diesem Sinne eine Schwäche!“

„Frau Holle, gibt es bald Weltfrieden?“

Klapp…..klapp….klapp. „Selbstlosigkeit ist theoretisch besser als Sex.“

Ja, aber nur sehr theoretisch! Ich finde das umgekehrt und habe auch keine Lust mehr, mich mit ihr zu unterhalten. Die Philosophen werden sich morgen freuen, wenn Frau Holle solche Sachen sagt. Sie werden grübeln, was das soll. Sie werden begeistert sein, wie schlau Frau Holle geworden ist. Ihre Köpfe werden rauchen. Ich schüttel meinen und verlasse Frau Holle. Also so was,….ist besser als Sex. Was für einen Quatsch die Frau doch redet. Hoffentlich wechselt sie bald wieder ihren Beruf!

 

Sinnsuche

Sinnsuche

Mein Leben bekommt einen neuen Sinn und alles ändert sich.

Ich mache mir jetzt meine Sprüche selbst und wachse daran! Die Weisheit fliegt mich an und ich überlege, ob ich nicht Guru werden sollte.

Mein neuer Moral-o-mat macht es möglich. Das ist ein weises Klappbuch in drei Teilen zum unendlichen Kombinieren.

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Hier sind einige meiner spontan „geklappten“ Weisheiten, denkt darüber nach und alles wird gut und besser! Wenn Ihr es richtig macht!

Freiheit ist    in gewisser Hinsicht   fragwürdig.

Ehe ist   allenfalls   eine große Enttäuschung.

Armut ist   an und für sich   der erste Schritt zur Besserung.

Fortpflanzung ist   menschlich gesehen   alles, was uns bleibt.

Die Gentrifizierung ist    ganz objektiv   besser als Sex.

Eifersucht ist   unwiderleglich   eine Frage des richtigen Tons.

Ich will ja nicht alle Weisheiten für mich behalten! Ich gebe sie gerne weiter! Wenn Ihr auf Sinnsuche seid und Eurer erstes, individuelles und kostenloses Lebensmotto  haben wollt, stellt Eure Anfrage unter: Kommentare!

Ich verspreche äußerste Verschwiegenheit!

 

Ungewohnt

Gestern ging ich ins Hallenbad zum Schwimmen. Mit leichten Zahnschmerzen und sowieso etwas dünnhäutig. Das Wasser tat mir gut und die Bewegung auch. Ich entspannte mich bis eine Großfamilie das Schwimmbad kaperte.

Die Frauen und Mädchen waren angezogen und setzten sich mit ihren Babys auf die Bänke.  Eine von ihnen, ziemlich schwanger und wunderschön, machte eine halbe Stunde lang (vielleicht auch länger, ich ging dann nach Hause), Selfies mit ihrem Stick, so was habt Ihr noch nicht gesehen. Wie ein Model stellte sie sich mal hier hin, mal dahin, warf ihre langen Haare in alle Richtungen und zog freundliche Grimassen. Obwohl das Fotografieren im Schwimmbad nicht so gerne gesehen wird, machten es die anderen Frauen und Mädchen nach. Pausenlos! Sie waren also beschäftigt.

Die Männer gockelten in Badehosen herum, unterhielten sich lautstark und sprangen ab und zu gekonnt ins Wasser. Meist saßen sie aber am Beckenrand und sahen uns beim Schwimmen zu.

Die Jungen tobten im Nichtschwimmer herum und amüsierten sich.

So, und ich hatte nichts anderes zu tun, als darüber nachzudenken, warum die Mädchen und Frauen nicht ins Wasser gingen. Warum das nur die Männer und Jungen durften und außerdem störte mich die ganze Situation, warum auch immer. Im Freibad wäre mir das gar nicht aufgefallen, aber im Hallenbad schon.

War das meine allgemeine zahnmäßig gestörte Befindlichkeit oder werde ich mit den Jahren immer intoleranter? Vielleicht brauche ich mein Unwohlsein gar nicht zu hinterfragen. Es war einfach da. Es muss nicht immer begründet oder abgschafft werden.

 

 

Misi hat jetzt….

Misi hat jetzt….

Hallo Leute, bin wieder da!

Müde.

Glücklich.

Als Mann!

Meine Frau hütet 1 861 Eier und sie hat mich nach Hause geschickt. Ich störe nur und außerdem soll ich es lassen, mich nach anderen Froschmädchen umzusehen. Aber Leute, ich kann einfach nicht anders. Jetzt, wo ich weiß, wie es geht, will ich das immer wieder machen. Das will Iris, meine Frau, aber nicht. Sie sagt, ich soll das nur mit ihr ….und außerdem hätten wir genug zu tun, wenn alle 1 861 Eier wachsen und Kaulquappen werden. Sie will das nicht alleine machen und ich soll mich daran gewöhnen, Vater zu sein. Auf meine entsetzte Frage, ob ich jetzt nie wieder…..vertröstet sie mich auf das nächste Jahr.

Das hat mir keiner gesagt! Das muss ich mit der Männergrupe bereden. Wenn Frosch sich festlegt und verliebt und endlich weiß, wie es geht, dann darf er nur einmal im Jahr? Wo es doch so schön ist?

Ich frage Frau Holle und sie sagt, bei den Menschen ist das zum Glück anders. Aber ich soll nicht traurig sein, denn wenn erst die Kaulquappen da sind, wird mir schon die Lust nach mehr vergehen. Und außerdem hätte ich mich ja vorher erkundigen können. Sie schüttelt den Kopf und will verabschiedet werden. Sie muss zum Zahnarzt und ich bin froh, dass mir wenigstens das erspart bleibt. Ich hänge mich über den Zaun und warte, bis sie wiederkommt. Ich denke an meine Iris und bemerke vor lauter Liebe gar nicht, dass leichtsinniges Futter auf mir gelandet ist!

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Überhaupt nicht schön!

In der letzten Woche bekam ich Zahn- und Kopfschmerzen, die mich von Tag zu Tag häufiger heimsuchten. Nun habe ich ja immer Schmerzen, in den Knien und in den Händen, aber Kopf- und Zahnschmerzen wollte ich nicht auch noch haben. Das störte die Schmerzen aber wenig und so musste ich etwas unternehmen. Donnerstag meldete ich mich beim Zahnarzt an. „Aber bitte bringen Sie Wartezeit mit, bei uns ist die Hölle los!“ Klar, wenn ich etwas habe, ist es Zeit.

Der junge Zahnmediziner (könnte ja fast schon mein Enkel sein, werden die immer jünger?) ließ mich röntgen und klopfte auf meinen Zahnkronen herum. „Alles gut“, befand er und ich war erleichtert. Ich brauche eine neue Beißschiene, die alte ist eingebrochen und daran könnte es auch liegen mit den Schmerzen. Also wieder zwei Termine gemacht und ich freue mich, im Juli etwas vor zu haben. Der Junge im Zahnarztkittel ist ja ausgesprochen nett.

Freitag hielten sich die Schmerzen etwas zurück. Gestern nicht. Es wurde immer schlimmer. Mal tat die linke obere Zahnreihe weh, mal die untere, mal beide und ich begann, die Wände hochzugehen. Nichts da mit der Einladung zum Essen. Prima, wer will schon an einem lauen Sommerabend draußen sitzen und feiern? Ich nicht. Ich zog meine Schmerzen vor und die wollte ich mit keinem teilen.

Oi,oi, oi. Es wurde immer schlimmer. Ich dachte mir einen guten Trick aus: wenn ich kaltes Wasser im Mund hatte, fühlte ich fast keine Schmerzen. So saß ich also zuerst draußen mit Wasser im Mund und las und dann saß ich drinnen und guckte Fernsehen. Immer schön mit Wasser im Mund, das ich regelmäßig wechselte. Verbrauchtes Wasser in die große Schüssel, neues Wasser aus dem Glas. Immer in der Hoffnung, die Schmerzen hätten endlich genug von mir und ließen sich ausspülen. Taten sie nicht. Sie feierten und bohrten und ich war völlig fertig.

Kurz nach Mitternacht rief ich den ärztlichen Notdienst. Vorher packte ich schon mal eine Notfalltasche für das Krankenhaus. Man kann ja nie wissen und ich erst recht nicht. Habt Ihr schon mal mit Wasser im Mund am Telefon gesprochen? Genau, ging bei mir auch nicht. Ohne Wasser konnte ich es kaum aushalten. Also echt, war nicht schön. Die Ärztin riet mir, ein anders Schmerzmittel aus der Apotheke zu holen, weil meins wohl nicht wirken würde. Ich denke, sie dachte, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank und sie fühlte sich für leichte bis mittelschwere Schmerzen nicht persönlich zuständig. Die starken bis entsetzlichen Schmerzen habe ich wohl nicht so recht rübergebracht.

Na gut. Oder auch nicht. Da ich alleine lebe, musste ich mir das Mittel dann auch alleine holen. Zum Glück hatte eine Apotheke im Ort Notdienst. Hätte auch anders kommen können. Ich also aufs Rad und los. Immer mal wieder wechselte ich unterwegs das Mundwasser aus der Flasche. Die Apothekerin verkaufte mir ein Mittel gegen leichte und mittelschwere Schmerzen und versprach Heilung. „Aber nicht mehr als zwei“, gab sie mir auf den Weg. Die nahm ich gleich vor der Apothekentür und hatte bei meiner Rückfahrt keinen Blick für den Mond und die Sterne.

Zuhause fand ich heraus, dass die Schmerzen nicht besser wurden, es mir aber besser ging, wenn ich die schmerzende Gesichtshälfte ins Wasser tauchte und immer mal wieder das Wasser im Mund tauschte. Ich hockte vor dem Waschbecken, halb eingetaucht im kalten Wasser und sehnte mich nach dem trockenen Bett.

Draußen wurde es hell. Die Amseln sangen und ich saß da immer noch. Nun war alles egal und ich nahm noch mal zwei Tabletten. Ich ging ins Bett und richtete mich mit den Mundspülungen so gut ein, wie es irgend ging.

Irgendwann bin ich vor Erschöpfung eingeschlafen und ein wenig später ohne Schmerzen wieder aufgewacht. Fast ohne. Zum Glück konnte ich mich also selbst in den übernächsten Ort zum Notdienst fahren. Ich kannte die Ärztin sehr gut und sie mich. Sie fand, dass ich abgenommen hätte. Sie untersuchte mich und konnte zum Glück nichts finden. Sie meinte, manchmal kämen bei einer Gürtelrose im Gesicht zuerst die Schmerzen und dann die Symptome. Wenn ich Glück habe, liegt es aber auch wirklich an der kaputten Beißschiene. Ich beschloss, Glück zu haben und keine Gürtelrose. Sie verschrieb mir ein starkes Schmerzmittel für den Notfall, welches ich mir natürlich sofort holte.

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie schön ich es heute hatte! Fast ohne Schmerzen und der Gewissheit, so eine Nacht nicht noch einmal zu brauchen. Wenn es wieder losgeht, nehme ich gleich die volle Dröhnung!