Vor ein paar Tagen schrieb ich, angeregt von meiner Lektüre über Zeitreisen, in unserem Gemeinschaftsblog diesen Text:

Ja, wenn nicht……..

Wenn es dort keine Arbeit für mich gegeben hätte….

Wenn ich damals nicht geblieben wäre…..

Wenn ich nicht in die Teestube gegangen wäre….

Wenn ich etwas anderes gemacht hätte……

Wenn ich nicht anschließend noch in die Disko gegangen wäre……

Wenn ich zu müde gewesen wäre……..

Wenn ich nicht genau da gestanden hätte…..

Wenn ich nicht so guter Laune gewesen wäre……

Wenn ich ihn nicht so interessant gefunden hätte……

Und wenn ich mich nicht so verliebt hätte…..

Ja, wenn alles anders gewesen wäre, gäbe es meine Kinder heute nicht.

Zum Glück war es so, wie es war.

Und wenn meine Eltern nicht…….

…..und Großeltern auch nicht……

…..und alle vor mir nicht…..

Dann wäre ich gar nicht da und hätte nicht in die Teestube gehen können.

Schrecklicher Gedanke.

Zum Glück war alles so, wie es war. (25. Mai 2018)

Ich muss die ganze Zeit daran denken, dass dieser Text nur die halbe Wahrheit beschreibt. Es gibt ja noch die zweite Seite. Wenn der Vater meiner Kinder nicht….und so weiter. Mir wird ganz schwindelig bei dem Gedanken, dass wir unsere Existenz einer endlosen Reihe von Zufällen zu verdanken haben. Scheinbar unbedeutende Ereignisse, winzige Entscheidungen, kleine Richtungsänderungen führen manchmal zu Ergebnissen großer Tragweite. In diesem Falle sind es meine Kinder, die leben, weil von unendlich vielen Menschen so und nicht anders entschieden wurde.

Ich mache mir keine Gedanken darüber, ob eine höhere Macht ihre Hand im Spiel hat oder ob unsere Schicksale vorgegeben sind. Auch wenn alles, also das gesamte Leben auf unserem Planeten, nur zufällig wäre, ist jedes einzelne Leben, das entsteht, ein großes Wunder. Ich brauche keinen Sinn im Großen, mir reicht mein kleiner Sinn meines Lebens, den ich mir selbst gebe.

Jede meiner Entscheidungen hat mich bis hierhin geprägt. Es ist sinnlos zu fragen, ob ich etwas anders oder besser hätte machen können. Trotzdem wäre es interessant, meinen Lebenslauf gedanklich zu verändern. Was wäre wenn ich statt in die Teestube in eine andere Kneipe gegangen wäre? Hätte ich meinen späteren Mann trotzdem an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit kennengelernt, weil er eben mein Lebensmensch ist, wie ich es empfinde, oder hätte ich mich in einen anderen verliebt und damit ein anderes Leben mit anderen Kindern gelebt? Oder wäre ich ledig geblieben? Oder hätte ich gar keine Kinder gehabt? Oder wäre ich schon längst gestorben, weil ich von einem Auto überfahren worden wäre, weil ich zur falschen Zeit am falschen Ort war?

Es ist so, wie es ist und es wird, wie es wird, weil ich meine Vergangenheit nicht verändern kann. Meine Zukunft schon, aber die kann ich weitgehend nicht planen, oder? Ich kann oft nicht voraussehen, welche Konsequenzen meine Handlungen und Entscheidungen haben werden. Sie sind ja nicht nur von mir abhängig, sondern von unendlich vielen Faktoren, die ich nicht kennen und beeinflussen kann.

Was kann ich also tun? Auch der Moment lässt sich nicht fassen. Kaum bemerke ich ihn, ist er schon vorbei. Ich kann Schritt für Schritt weitergehen und meinem Bauchgefühl folgen. Kinder kriegen kann ich nicht mehr. Aber die Lebenswege meiner Kinder wohlwollend aus der Ferne oder Nähe beobachten, je nachdem, und ich kann für sie da sein, wenn sie es denn wollen. Ich kann Überraschungen willkommen heißen und offen sein für vieles, was mir begegnet. Ich brauche mich nicht mehr so ernst nehmen und kann spielerisch an die Dinge herangehen. Ich brauche mir keinen Druck zu machen, irgend etwas passiert immer. Und wenn gar nichts passiert, mache ich eben selbst etwas.

Und irgendwann endet mein Weg.

 

Werbeanzeigen

9 Gedanken zu “Gedanken fließen…..

  1. Willkommen im Konjunktiv, liebe Regine 🙂

    Im Reich der nie gelebten Leben, der Spekulation und der Phantasie. Nicht, dass mir das fremd wäre. Ich glaube daran, das ungeborene Seelen die Eltern bekommen, die ihren jeweiligen Entwicklungsstand entsprechen, ihrem Bedürfnis, neue Lektionen zu lernen. Das klingt gruselig, angesichts der vielen Missstände und mancher Not, ich weiß. Aber doch könnte etwas daran sein – es gibt keinen Zufall mehr, für mich.

    Die Menschen, mit denen ich zu tun hatte und habe, passten und passen immer genau zu meinem jeweiligen Entwicklungsstand – einschließlich der Mutter meines Sohnes. Er wäre nicht er ohne diese seine Eltern – so wie wir nicht wir wären. Es fügt sich, und wenn man daran glauben möchte, dass wirklich alles nur dazu dient, uns ein wenig weiter zu bringen, dann fügt es sich stets zum guten, auch, wenn es sich nicht immer so anfühlt.

    Lieben Gruß Dir !

    Gefällt 4 Personen

    1. Ja, lieber Reiner, so ähnlich denke ich im Prinzip auch. Es ist schön, sich vorzustellen, dass sich die Seelen der Kinder ihre Eltern aussuchen und das ganze Leben einen „höheren“ Sinn ergibt, vielleicht sogar vorgegeben ist oder einem Plan folgt. Ich war bisher davon überzeugt, das es keine Zufälle gibt, weil sich in meinem Leben alles so fügte, das es im Nachhinnein passte und sich erklären ließ. Aber der Gedanke, dass doch alles zufällig passiert und weil ich meiner eigenen Intuition folgte, sich so prima zusammenfügte, hat auch etwas! Egal, welcher Theorie ich mehr glaube, ein Glaube ist es allemal und wir wissen so vieles nicht. Das ist prima! Dir einen schönen Sonntag! Regine

      Gefällt 3 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s