Vergeblich

Vergeblich

 😳  Oweh, gleich muss ich zum MRT.

😀  Gaaanz ruhig, ist nicht schlimm.

 😳  Oweh, gleich muss ich zum MRT und wenn ich nun keinen Parkplatz finde?

😂   ?????

  😳  Oweh…

😀  Jetzt ist aber mal Schluss. Freue dich doch lieber auf das Kino heute Abend. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri soll doch ganz großartig sein.

 😳  Oweh, gleich….

😀  Und denk doch mal an gestern. Diese tolle Diskussion um das Haben oder Sein oder umgekehrt.

 😳  Ja, tolle Weltuntergangsstimmung gestern! Die Atomkriegsuhr steht 2 Minuten vor Zwölf und überhaupt kam so gar nichts positives. Oweh.

😀   Ja, stimmt. Aber denk doch an Samstag.

😳 ?

😀  Na, das Seminar zum Thema Selbstliebe!

 😳 Ja, hoffentlich kommt dann der Durchbruch.

🤔Mensch, du bist aber auch mies drauf! Dann denk doch an deinen neuen Rasenmäher.

 😳  Och nö.

😀  Dann denk doch, was du diese Woche schon alles geschafft hast: Schuppen aufgeräumt, Boden aufgeräumt, Keller aufgeräumt und geputzt. Auto durch die Waschanlage. Terrasse gestaltet. Bücher gelesen….

 😳  Na prima, und heute tun mir meine Fingergelenke so weh und überhaupt sieht das ja keiner und Bücher lese ich doch immer.

😀  Dann denk doch an die Reise, die du bald machst und an Pfingsten mit viel Besuch und an das Wochenendseminar im Juni und an den Sommer!

 😳  Oweh, aber erst muss ich zum MRT!

😡  Na, dann jammer doch rum……. Jetzt habe ich auch schlechte Laune! Mist.

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Um den See

Gestern wollte ich unbedingt etwas unternehmen. Den Frühling in der Natur genießen. Ich war lange nicht mehr am See. Also nichts wie hin. Meine Arthrose wollte ich einfach mal ignorieren. Schmerzen bei jedem Schritt und trotzdem: Auf geht´s. Meine Güte, ich war überhaupt nicht mehr im Training.  Diese Strecke spazierte ich früher so ganz nebenbei. Gestern fiel sie mir schwer. Ich war ganz schön tapfer und der See mal wieder wunderschön.

Mist, den Fotoapparat hatte ich vergessen. Also, keine Fotos heute. Oder? Warum musste ich andauernd an mein Handy denken? Für den Notfall hatte ich es in der Tasche. Immer wieder dachte ich: Handy! Handy! Ach ja, damit kann man ja auch Fotos machen. Machte ich.

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Blindfotos sozusagen. Aber einige sind doch ganz schön geworden!

Alle Anstrengung vergaß ich am Ende meiner Tour, als ich auf einer Bank saß, die Wasservögel beobachtete, die Geräusche, die Sonne und ein kühles Lüftchen genoss und zufrieden mit meiner Leistung war.

Wie lange noch schaffe ich die vier Kilometer um den See? Ich beginne mich so allmählich nach künstlichen Kniegelenken zu sehnen. Einmal machen lassen und dann wieder durchstarten. Ach ja, wenn das man so einfach wäre!

Glücklich?

 

Endlich treffen sich die Philosophen wieder in der Volkshochschule. Nach einem Jahr Pause arbeiten wir ein ganzes Semester mit dem Buch: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft von Erich Fromm. Der Klassenraum ist gut gefüllt. So viele waren wir noch nie. Eine gute Mischung von „alten Hasen“ und Neuhinzukommern, von Männern und Frauen, die meisten im Rentenalter.

Ich sitze mittendrin und fühle mich wohl. Es macht so viel Spaß Ansichten, Einsichten und Lebenserfahrung auszutauschen. Unser Konsumverhalten ist das erste Thema und wir geben ehrlich zu, dass wir alle konsumieren und unsere Schwächen haben. Bei mir sind es die Bücher. Ich kaufe mir mehr, als ich mir eigentlich erlauben kann. Ich leihe sie nicht aus, ich lese sie nicht elektrisch, sondern ich möchte sie haben und aufheben. Nun gut, es gibt schlimmere Laster.  Ich habe mir das Buch von Erich Fromm gekauft, aber leider nicht mit. Als einzige nicht. Du meine Güte. Mein Sitznachbar lässt mich in seinem Buch mitlesen. Zum Glück kommen wir sowieso nicht weit. Wir studieren gerade mal das erste Kapitel der Einführung, das sind zwei und eine halbe Seite. Über das „Ende einer Illusion“ diskutieren wir, bis unsere Zeit um ist. Alle sind sich einig, dass Menschen im „Sein“ glücklicher sind als im „Haben“. Außerdem stellt die Mehrheit fest, dass Trump nicht glücklich ist. Ich weiß nicht, wie man das wissen kann. Nur er selbst weiß, ob er glücklich ist. Aber eigentlich interessiert mich das überhaupt nicht….

Die Frage, ob wir glücklich wären, wenn wir uns jeden Wunsch sofort erfüllen könnten, wurde verneint. Mein Vorschlag, mich für einen Versuch zur Verfügung zu stellen, meine Kontonummer anzugeben und in einem halben Jahr zu berichten, ob diese Situation wirklich unglücklich macht, wird mit einem Lachen abgetan. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle mal ein Crowdfunding starten. Forschen wir gemeinsam, Ihr finanziert und ich berichte Euch……

Fröhlich verabschieden wir uns und ich freue mich auf Dienstag, dann nehme ich mein eigenes Buch mit. Außerdem werden wir einen Termin für ein Wochenende verabreden. Haben oder Sein in der Lernscheune mit viel Zeit. Herrlich.

Es trägt zum Glücklichsein bei, sich auf etwas zu freuen. Ich plane immer ein paar Highlights auf das Jahr verteilt ein.  Aktuell sind es heute ein Spielenachmittag (Monopoly(!) in einer neu zusammengestellten kleinen Gruppe), eine Reise nach Föhr, ein Familientreffen, eine Reise nach Dänemark und vieleicht die erste Knie-OP. Das ist wohl alles mehr im „Sein“ angesiedelt, obwohl ohne ein gewisses „Haben“ ja auch nicht möglich. Oder?

Ist Freude gleich Glück? Ich weiß es nicht. Ich fühle beides eher verhalten, nicht so wie früher, wo die Freude stürmisch um die Ecke bog und für heftiges Bauchkribbeln und Herzflattern sorgte. Heutzutage genieße ich es ruhiger und gelassener. Ich übe mich darin, alles so zu nehmen, wie es kommt und damit zufrieden zu sein, so wie es ist. Das gelingt immer besser. Ist das schon Glück?

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