Weil ich am Donnerstag sowieso in die reguläre Altersrente (oder wie man das nennt), gegangen wäre, habe ich mich damit abgefunden: Ich bin eine Seniorin.

Keine: Oma, Alte, weise alte Frau, Rollatorbenutzerin, alte Wachtel, lustige Alte,  vertrocknete Alte, gekrümmte Alte, jung gebliebene Alte, alte Frau, bei der man die Schönheit der Jugend noch erahnen kann, rüstige Rentnerin, Matrone, alte Vettel, abgetakelte Fregatte, alte Schabracke, Schreckschraube, alte Schrulle, alte Hexe, alte Schachtel, kein: Mütterlein, Weiblein, Großmütterchen, Graukopf, kein alter Besen…….nein, einfach eine Seniorin. Punkt.

Vielleicht noch Frau Holle, das lasse ich gelten.

Als Seniorin unter Senioren, die sich in unterschiedlichen Gruppen versammeln (z.B. im Singkreis, in der Schreibwerkstatt, zum gemeinsamen Qi Gong-Üben und zum Philosophieren) fühle ich mich angenommen, so wie ich bin. Ich kann mich entspannen. Hier geht es herzlich und lustig zu. Heute traf ich zum Beispiel als letzte zum Singen ein und wurde so herzlich begrüßt, als sei ich schon jahrelang dabei. Dabei war es erst das dritte Mal! Kaum hatte ich den Raum betreten, bekam ich Schokolade von einigen Sängern und Sängerinnen geschenkt. Mir wurde ein zusätzlicher Stuhl aufgestellt. Sitzkissen wurden gebracht und so viel Aufmerksamkeit machte mich dann auch etwas verlegen. Meine linke Sitznachbarin freute sich, mich zu sehen, denn sie ist auch in „meiner“ Schreibwerkstatt. Da hatten wir gleich etwas zu bequatschen. Meine rechte Sitznachbarin und ich konzentrierten uns nicht immer auf das Singen, weil wir so lachen mussten. Natürlich: Gesungen habe ich auch und das ganz wunderbar. Ehrlich!

Ich habe den leisen Verdacht, es ändert sich gar nicht so viel, wenn man älter wird. Also innerlich. Äußerlich….na ja.

Samstag gastierte die Kabarettistin Monika  Blankenberg  in Dannenberg. (Blankenberg in Dannenberg 😂😂😂) Na gut, ich weiß, ich bin jetzt gerade sehr albern. Darf ich! Ich bin Seniorin! Also, die Monika Blankenberg und wir Senioren aus dem Wendland bildeten ein ausnehmend gutes Team. Von den paar jungen Leuten ließen wir uns einfach nicht stören. Wir lachten über uns selbst und das ist die beste Medizin gegen alles. Mir liefen ab und zu die Freudentränen aus den Augen. Wir haben alle möglichen Wehwehchen, die politische Lage ist auch nicht gerade schön und das Wetter erst recht nicht. Aber wir leben noch! Das feierten einige von uns bis spät in die Nacht mit Getränken und Pizza-Schnecken. Ein wunderbarer Abend.

Und weil es so schön war, geht es Samstag gleich weiter:

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Auch hier werden wir Senioren in der Überzahl sein, vermute ich. Ich gehöre unbedingt dazu. Es ist gar nicht so anders als früher, nur älter!

19 Gedanken zu “Gar nicht so anders

    1. Also ich bin zwar älter, aber keine Dame, nur weil ich älter bin. Ich frage mich eigentlich auch, warum das Alter überhaupt angesprochen werden muss. Warum können wir nicht alle einfach Frauen und Männer sein? Insofern ist Seniorin auch irgendwie doof, fällt mir gerade dazu ein. Ach, egal! Schönen Abend! Regine

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      1. Ich finde es Respektvoll wenn ich bei einer mir fremden älteren Frau von einer älteren Dame spreche. Man kann es drehen und wenden, jeder mag etwas anderes. Manche möchten noch nicht einmal Oma von den Enkeln genannt werden.
        Ich wünsche dir auch einen schönen Abend. LG, Nati

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  1. Muss jedes Alter seine Titel haben ?
    Wenn, dann reife(ere) Frau, vielleicht 🙂

    Ein 10 Jahre älterer Freund von mir bekam neulich ein T-Shirt von mir geschenkt.
    Passt gut, dachte ich, und gefreut hat er sich auch:

    Lieben Gruß Dir !

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    1. Hallo Reiner, reife Frau gefällt mir so überhaupt gar nicht! Reif-reifer-Fallobst. Ich habe nie darüber nachgedacht, ob jedes Alter einen Titel haben muss. Früher habe ich ohne Scheu gedanklich die Alten in eine besondere Schublade abgelegt. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich diese Schubladen auch für die Alten ablehnen sollte, weil ich nun selber drin bin. Insofern muss ich noch überlegen, wie das mit dem Titel Seniorin ist. Alles nicht so einfach, oder? Liebe Grüße! Regine

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      1. Hallo Regine, man kann sicher alles im zweifelhaften Lichte sehen … und ja, Reife ist in der Natur ein Zustand kurz vor der Fäulnis 😉 Mit solchen Argumenten habe ich früher meine Un-Reife (in dem Zusammenhang passt es dann wieder?) kokettiert. Reife ist halt auch ein seelischer Prozess, der meist sehr wohl auch altersabhängig ist, wie ich glaube.

        Reife Dame/reifer Herr klingt vor dem Hintergrund zumindest für mich netter als Seniorin/Senior. Diese Worte mag ich nicht wirklich, klingt doch erst recht nach Gruft. Gibt halt junge, nicht mehr ganz so junge und unjunge Menschen 🙂

        Und Nee, is`nicht einfach 🙂

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      2. Nein, ich mag das Wort auch nicht mehr. Ich habe mich in Wirklichkeit noch nie als Seniorin betitelt, wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin. Der Chorleiter begrüßte uns am Montag so: „Willkommen beim Seniorensingen“ und mir kam der Gedanke, dass ich tatsächlich in diese Altersgruppe gehöre, was ich jetzt endlich akzeptieren sollte. Also: heute würde ich „Gar nicht so anders“ anders beginnen. Reife Dame 😰….ich weiß gar nicht, wie man sich als Dame benimmt, als reife erst recht nicht. Die gute Nachricht: muss ich auch nicht wissen. 😅 Liebe Grüße von hier nach da! Regine (unjung)

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    1. Hallo Sandra, es hat eine Weile gedauert, bis ich mich nach der Scheidung und dem Einstieg in die Erwerbsminderungsrente neu orientiert und eingerichtet habe. Jetzt nimmt das Rentnerleben richtig Fahrt auf! Liebe Grüße! Regine

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  2. Hallo Regine,
    sei einfach nur du selbst. Mehr braucht es nicht und ist altersunabhängig.
    Genieße die Zeit jeden Tag, jede Stunde und jede Minute. Es ist ein Geschenk. Dein Geschenk 😉
    Herzlichst Ulrike

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    1. Ja, die Lebenszeit ist ein Geschenk. Das pausenlose Genießen wird mir allerdings nicht gelingen. Immer mal wieder achtsam und dankbar sein, mich über Außergewöhnliches erfreuen und ab und zu bewusst genießen, das macht mein Leben aus. „Ich selbst sein“ gelingt mir jetzt viel besser als früher. Und das ist ein zusätzlichen Geschenk!

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  3. Hallo Regine,
    Willkommen, einfach Willkommen, im Kreis der Ruheständler, oder Rentner. Pragmatische Betitelung für die noch Erwerbstätigen.
    Aber, was sind wir denn wirklich und was waren wir immer? Wir (ich) sind weiblichen Geschlechts und im Laufe der Jahre zur “ Frau“ geworden. Ich fühle mich als Frau und möchte auch so wahrgenommen werden.
    Ich bin eine Frau im Rentenalter, die im Rollstuhl sitzt, singt, lacht, weint und einiges mehr tut (bloggen) z.B.
    Zu der Gruppe „Senioren“ zähle ich mich nicht, zur „Älteren Dame“ auch nicht. Beides sind Bewertungen, oder Richtungsweisende Aussagen für nicht mehr im Beruf, im Erwerbsleben, stehende Frauen. Beide „arbeiten“ nicht mehr im Sinne unserer Gesellschaft, sind quasi eine Randgruppe. Ausgegrenzt.
    Und doch sind wir von hohem Wert und Nutzen. Nicht wie junge, oder mitteljunge Menschen gern glauben möchten. Wir sind und bleiben Frauen.
    L.G. Hilde

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    1. Hilde, Du sprichst mir aus dem Herzen! Jetzt wird mir erst so richtig klar, warum mich diese Titel für uns Frauen so stören. Mir war gar nicht so bewusst, wie ausgrenzend auch die netteren Umschreibungen für uns sind. Jetzt müsste ich den Beitrag eigentlich umschreiben. Nö, dazu habe ich jetzt keine Lust.
      Ich danke Dir sehr für Deinen Kommentar.
      Ich muss leider zugeben, dass ich in jungen Jahren die alten Frauen überhaupt nicht wahrgenommen habe, als das, was sie sind. Ich wollte nur nie so werden wie die. Liebe Grüße! Regine

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      1. Liebe Regine, vielleicht gibt es noch eine Steigerung, die wir nur durch unser Alter, dem resultierenden Wissen, der Erfahrungen besitze, anstreben. – Weisheit -, verbunden mit Klugheit. Das macht uns zu den Frauen die wir sein wollen, könnten. Das wären Ziele, die die – Jungen -, nacheifern.
        Ich bin – ICH -, in einer Gruppe von….., Aber – ICH – bleibe ein Individuum.
        Liebe Regine, ich habe Dir aus meinem tiefsten Herzen zu danken. Dein Beitrag hat mir die Chance gegeben, über die gegebene Situation, zu reflektieren.
        Danke, nur nichts ändern. Hilde

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      2. Na ja, mit der Weisheit wäre ich bei mir vorsichtig, aber auf jeden Fall gibt es die Lebenserfahrung, die meine Entwicklung möglich macht. Ich lerne immer noch dazu und jetzt macht mir das so viel Freude, wie nie zuvor, weil ich (fast) nichts mehr muss, aber alles kann, geistig gesehen. Ich danke Dir auch und weiter so! Regine

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