15. Dezember

15. Dezember

Ich kann gar nicht richtig schlafen vor Freude. Backen ist sicher ganz toll. Ich bin aufgeregt und denke, dass wir es vielleicht nicht mehr schaffen, wenn wir nicht sofort damit anfangen. Also los jetzt!

Es ist noch dunkel, als ich beim Küchenchef eintreffe.

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Er sagt: „Ohne Frau Holle geht gar nichts!“ Ich sage: „Aber die ist noch im Bett und trinkt Kaffee und liest Zeitung und steht gar nicht auf!“ Der Küchenchef bleibt stur und sagt nur: „So ist das eben!“ Meine Güte.

Der Chor probt und die Weihnachtsmänner beginnen auch mit ihrer Probe. Ihr wisst schon, die führen Heiligabend ihren Männertanz auf, den, wo ich immer nicht mitmachen darf.

Xaver saust mit einem: „Vorschicht, ausch dem Weg, du alter Frosch!“ an mir vorbei, verschwindet im Arbeitszimmer und macht die Tür fest zu. „Du darfscht nicht gucken!“, teilt er mir noch mit. „Ich baschtel eine Überraschung!“

Und ich warte und warte.

Endlich kommt meine liebste Frau Holle und der Küchenchef macht sich bereit. Er ist jetzt ihr erster Assistent und ich ihr zweiter. Er darf alle Sachen holen und ich mir die Pfoten waschen und dann geht es endlich los!

Jetzt rein in den Ofen damit! Ich helfe inzwischen und knete einen neuen Teig. Und natürlich muss ich ganz viel probieren, ob er auch gut schmeckt.

Der Küchenchef richtet währenddessen ein großes Küchen-Keks-Back-Chaos an.

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Dann sind die Kekse knusprig braun und fertig und müssen aus dem Ofen! Heiß….heiß…..heiß!!!

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Sie sollen eigentlich in diese alte Dose. Ich aber so………

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Frau Holle sagt: „Misi, komm da raus! Ich hab keinen Kopf mehr für so einen Quatsch! Mir reicht es schon, dass der Küchenchef so ein Chaos anrichtet und verschwindet und ich muss die Küche wieder in Ordnung bringen. RAUS JETZT, ABER SCHNELL!

Oh, oh, die Alte kann nur noch ein ganz kleines bißchen Spaß vertragen. Endlich sind alle Kekse verstaut. Die zweite Ladung kommt aus dem Ofen und ich darf noch helfen, sie zu probieren und mit Zuckerguss zu verzieren.

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Nun habe ich Bauchweh und krieche in mein Terrarium. Weihnachtszeit kann richtig anstrengen!

14. Dezember

14. Dezember

Hallo Leute, heute ist Frau Holle nur am Bodenwischen, Staubsaugen, Fensterputzen, Wäschwaschen und Einkaufen. Sie verbreitet Unruhe. Ich mag das nicht. Ich soll nicht im Wege stehen. Ich soll keine Fußstapfen machen. Ich soll nicht dazwischen quatschen. Ich soll die Engel nicht jagen und die Weihnachtsmänner beim Üben nicht stören. Ich will mitmachen, aber sie sagen, ich darf beim Männertanz nicht mit tanzen , weil ich kein richtiger Mann bin, sondern ein Frosch. Wenn ich das im Sommer meiner Männergruppe erzähle, dass wir alle keine richtigen Männer sind, dann gibt es aber gehörigen Ärger!

Xaver hat auch keine Zeit. Er bastelt mit dem Engel Bengel kleine Frösche aus Papier für den Weihnachtsbaum und für mich eine Überraschung. Darum darf ich nicht ins Arbeitszimmer. Er sagt: „Mach´die Tür tschu und lasch unsch tschufrieden!“

Ich mache die Tür zu und lasse zufrieden. Zum Basteln habe ich keine Lust und zum Malen auch nicht und zum Fotografieren erst recht nicht und das soll eine schöne Weihnachtszeit sein? Ich rutsche auf dem Bauch im Wohnzimmer umher. Unten ist es schon schön sauber und glatt. Ich überlege, ob ich zum Erstarren nach draußen gehen soll, so langweilig ist mir. Vor der Blumenbank bleibe ich liegen. Dort sitzt ein schwedischer Engel und grinst mich an. Er (der Engel) sieht aus wie ein Mädchen. Warum heißt er dann er? Der Mädchen-Engel findet auch, dass er wirklich eine Sie ist und ihre Schwester ist auch eine Sie. Allerdings eine Weihnachtshexe, da stimmt das „sie“ wieder. Die Schwestern sitzen hier so herum  und stellen das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse her. Außerdem freuen sich beide auf das große Weihnachtsfest.

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Ich nicht. Ich will Frühling und frische Fliegen und meine Männergruppe. Ich will Sonne und Wärme und wieder als Gartenhänger arbeiten. Heute kann Weihnachten gerne dahin gehen, wo der Pfeffer wächst. Ich will Liebe und Zuwendung.

„Na, mein liebster kleiner Frosch, was machst du so?“ Frau Holle ist mal wieder ganz zerzaust und fertig. Fertig mit ihrer Arbeit. Sie setzt sich auf das Sofa und will sich einen Weihnachtsfilm ansehen. Damit sie in Stimmung kommt. Sie sagt: „Zum Glück ist alles nun recht sauber für meinen Wochenendbesuch. Hattest du einen schönen Tag?“ Nein, hatte ich nicht. Ich hatte einen ganz doofen Tag. Frau Holle gibt mir ein Küsschen auf die Nase und sagt, dass ich morgen mit ihr backen darf. Das macht man so im Advent. Man backt Kekse für den Besuch.

Nun habe ich auch wieder eine Freude. Ich gehe gleich mal in den Keller, um tiefgefrorene Mücken zu holen. Die streue ich dann über die Kekse. Damit der Besuch auch eine Freude hat!

 

 

 

 

13. Dezember

13. Dezember

Heute haben Xaver und ich endlich mal Zeit nur für uns selbst. Frau Holle ist auf ihr Fahrrad gestiegen und strampelt gegen Wind und Wetter an. Sie will nicht mit dem Auto fahren, damit sie mal an die frische Luft kommt. Sagt sie. In Wirklichkeit kann sie nicht einparken und lässt darum das Auto lieber stehen.

Draußen ist es so gruselig, dass nicht mal Hunde und Katzen raus gehen. Aber Frau Holle will sich unbedingt in der frischen Luft bewegen😂 😂😂. Sie muss zum Zahnarzt. Keine Ahnung, was das ist. Frösche haben im allgemeinen keine Zähne. Im  Internet finde ich zu diesem Thema Wissenswertes, was auch Xaver zum Staunen bringt. Dort heißt es: „Während manche Frösche nur Fruchtfliegen und andere Kleininsekten fressen, essen andere alles, was in ihren Mund passt. Frösche sind Fleischfresser, einige Arten ernähren sich noch zusätzlich von pflanzlicher Nahrung.
Die meisten Frösche besitzen keine Zähne, dafür haben sie aber am Oberkiefer eine Reihe zahnähnlicher Grate (ein Grat ist die obere scharfe Kante, z.B. eines Berges), mit denen sie ihre Beute festhalten, um sie anschließend in den Mund befördern zu können. Zum gleichen Zweck besitzen sie einige kleine Fangzähne, die verhindern, dass die Beute entkommt, bevor der Frosch sie verschlucken kann. Deswegen verschlucken sie ihre Beute lebend.“

Ich wusste gar nicht, dass das so kompliziert ist. Ich fresse einfach immer alles, was in meinen Mund passt oder reinfliegt. Xaver sucht seine Graten und findet nichts.

Wir probieren, ob die Rosinen, die wir in der Backkiste finden, in unseren Mund passen. Sie passen. Wir probieren weiter mit den Clementinen aus der Obstschale, da wird es schon enger und Xaver droht zu ersticken. Er hat keine Lust mehr auf Experimente. Ich schon, denn ich bin ein harter Kerl und nehme mir eine Banane. Ob die in meinen Mund passt? „Guck mal Xaver, ich bin jetzt ein Breitmaulfrosch!“, kann ich gerade noch mühsam sagen, bevor ich eine Kiefersperre bekomme und nur noch ein „Ehehe eee ee eheehhee!“ von mir geben kann. Xaver befreit mich mit aller Kraft von der verqueren Banane. Er muss dabei so lachen, dass er ab und zu mal umfällt. Jetzt habe ich auch die Schnauze voll und wir gehen lesen.

Mein liebstes Buch ist: „Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch“ von Sven Nordqvist.

Ich  kann mich gar nicht satt sehen an den Bildern. Ich finde Findus so toll und überlege, ob ich mir zu Weihnachten nicht auch so eine schöne Hose wünschen soll. Findus ist wie ich, nur eben Kater. Wir sind seelenverwandt. Und der alte Pettersson ist wie Frau Holle, nur eben Mann. Wenn Frau Holle mal keine Lust zum Aufräumen hat, sagt sie oft: „Nun sieht es hier bald aus, wie beim alten Pettersson!“ Gemütlich eben. Und jetzt, wo hier so viele Gestalten Weihnachtsstimmung im Haus verbreiten, ist es wirklich genau so, wie beim alten Pettersson im Buch.

Frau Holle mag die Bücher von Findus immer noch sehr gerne haben. Jetzt liest sie uns jeden Abend aus diesem Buch vor. Ich finde das so toll. Hier im Haus gibt es ja jede Menge Weihnachtsmänner und draußen auch, aber ob der richtige Weihnachtsmann auch zu Fröschen kommt? Wenn sie sich Hosen anziehen vielleicht? Ich will Frau Holle nachher mal fragen. „Aber schie hat ja keinen Tischlerschuppen“, sagt Xaver. Da ist was wahres dran.

Ich habe noch ein gutes Buch vom Weihnachtsmann:

„12 Geschenke für den Weihnachtsmann“ von Mauri Kunnas.

Xaver und ich lachen uns schlapp, was dem Kalle alles einfällt und wie alles schief geht und der Weihnachtsmann trotzdem an den Geschenken seinen Spaß hat. Ich finde den Kalle so toll. Er ist wie ich, nur eben Wichtel. Ich muss unsere beiden Wichtel von gestern mal fragen, ob sie Kalle kennen. Und dann muss ich mir überlegen, was ich Frau Holle schenken soll. Die ist wie Weihnachtsmann, nur eben Frau.

Oh, jetzt kommt sie schon wieder durch die Tür herein. Zerzaust und nass und mit roten Bäckchen. Sie freut sich, dass wir so schön brav waren und lesen. Na ja, von unseren Experimenten muss sie ja nichts erfahren. „Nächsten Dienstag muss ich wieder hin“, sagt sie. „Heute wurde nur geröntgt und nächste Woche wird besprochen, wie meine Zähne behandelt werden sollen. Hoffentlich kriege ich Weihnachten keine Zahnschmerzen!“

Gut, dass Frösche keine Zähne haben!

12. Dezember

12. Dezember

Gestern hat es wunderbar geschneit und Xaver war ganz außer sich. So etwas gab es bei ihm Zuhause auch, aber hier hätte er das nicht erwartet. Wir gingen lieber nicht raus, denn zum Erstarren hatten wir keine Lust. Eigentlich wollte ich seine Krone aus dem Fenster werfen und mich darüber amüsieren, wie der kleine Xaver sie wieder rein holen muss. Aber Frau Holle sagte, der Advent sei eine Zeit der Nächstenliebe und ich soll nett zu meinen Mitbewohnern sein. Auch und besonders zu Xaver.

Gestern ist noch etwas passiert. Als es so schneite, machte Frau Holle ein paar Aufnahmen. Sie sagte: „Man muss schnell machen, morgen ist er vielleicht weg. “ Ich fragte: „Wer?“ Sie sagte: „Der Schnee, mein liebster Misi. Der Schnee.“ Mir wäre das egal, aber Frau Holle findet ihn so hübsch.

Beim Draußenwichtel steht eine rote Laterne. Die wollte Frau Holle auch noch schnell mal eben fotografieren…….

DSC_0042…..und traute ihren Augen nicht. Sie guckte noch einmal genauer hin:

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Und richtig. Da  hatten sich doch zwei winzig kleine Weihnachtswichtel in die Laterne gerettet. Frau Holle holte sie vorsichtig rein und ich durfte ihnen nicht guten Tag sagen, weil sie so winzig klein waren und sich erschrecken könnten.

Ich zog mich also zurück und hörte aus der Ferne zu. Die kleinen Wichtel berichteten, dass sie Ausschau nach braven Kindern halten sollten. Diese aber nicht gefunden hätten und gerade auf dem Rückweg waren, den sie aber verloren hatten. Und dann kam dieser fürchterliche Schnee, der zwar hübsch, aber auch gefährlich für kleine Leute sei. Zum Glück war die Laterne offen und sie konnten sich unterstellen.

Frau Holle gab ihnen Milch und Kekse und dann fielen die beiden um und schliefen neben der Heizung ein. Meine Güte, hoffentlich wollen die nicht auch noch bleiben!

 

11. Dezember

11. Dezember

Gestern durfte ich einen Ausflug machen. Frau Holle packte mich warm ein und nahm mich mit in die große weite Welt.dsc_0001Xaver nicht. Die alte Petze wollte nicht mit. Nur weil ich seine Krone versteckt hatte, heulte er rum. Frau Holle guckte streng. „Was?“, fragte ich. Sie sagte gar nichts und guckte nur. Manno. Ich weiß gar nicht, wozu Xaver überhaupt eine Krone braucht, aber ich holte sie aus dem Kühlschrank und gab sie ihm wieder. Xaver schniefte und putzte sich die Nase. Frau Holle guckte weiter. „Was?“, fragte ich. Sie guckte mit großen Augen und ich sagte: „Entschuldigung.“ Frau Holle war etwas zufrieden, aber noch nicht so ganz. Ich sollte die Entschuldigung auch noch echt meinen. Schließlich sei ich der erste Frosch und damit auch vernünftig. Wer hat denn diese blöde Regel eigentlich aufgestellt? „Ich“, sagte Frau Holle und damit war die Sache klar. Ich blickte meinen kleinen Xaver an, nahm seine Pfote und schüttelte sie so gut ich konnte. Xaver wackelte wie ein Wackelpudding mit Waldmeistergeschmack und lachte sich schlapp. „Entschuldigung, mein kleiner Xaver, ich werde heute nie wieder deine Krone verstecken“, sagte ich und dachte, dass morgen ja nicht mehr heute ist.

Dann fragte Frau Holle, wer mit will. Ich wollte, Xaver nicht. Also setzte ich mich gut verpackt in das kleine rote Auto und wir fuhren in eine kleine Stadt, die hieß Badewanne Bevenstein oder so. Dort gab es viel zu sehen. Schlösser am Herz und Herzen aus Kuchen, seltsame und weniger seltsame Gestalten draußen oder hinter Glas standen oder saßen herum. Ich erkannte auch die Grippe mit Maria und Josef wieder. Frau Holle sagte, es heißt Krippe. Ich weiß nicht, was das ist aber wahrscheinlich hat sie recht. Ein roter Mann stand mit einem großen Sack unter dem Tannenbaum. Menschen hatten sich vor ihm aufgebaut und sangen ihn an. Ich glaube, es gefiel ihm sehr. Ich zeige Euch mal ein paar Fotos, wenn Ihr wollt.

Xaver staunt, dass ich so mutig war, ins Freie zu gehen. Na ja, ich ging ja nicht, ich hing. Ich hing in einem Brustbeutel, den sich Frau Holle umgehängt hatte. Da konnte ja nichts passieren.

Und auf dem Rückweg gab es ein ganz großes Schneegestöber!

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Darum mussten wir ganz langsam fahren und Frau Holle kam zu spät nach Hause. Aber das machte nichts, denn sie hatte ja nichts weiter vor.

Ach Leute, der Winter gefällt mir in diesem Jahr viel besser. Nur Xaver nervt, wenn er petzt. Aber sonst ist er ja doch ganz drollig.

 

10. Dezember

10. Dezember

Hallo Leute, heute ist Sonntag. Also Advent. Zwei Kerzen sind dran. Frau Holle hat keine Lust, mir das zu erklären. Aber ich verstehe das Prinzip. Jeden Sonntag eine Kerze mehr. Im nächsten Jahr will ich auch so etwas haben. Aber ganz anders: Ich will einen Kranz mit 30/31 Kerzen. Und jeden Tag mache ich eine mehr an. Und wenn 30/31 Kerzen brennen, wird es sehr warm und man weiß, der Monat ist auch wieder zu Ende.

Frau Holle sagt, so geht das nicht.

Na gut. Ist ja ihre Wohnung. Xaver, sie und ich kuscheln zusammen auf dem Sofa. Sie hat sich ein großes Marzipanbrot auf den Tisch gelegt. Sie lächelt. Sie sieht es an. Sie seufzt. Sie macht das Papier ab und knabbert ganz vorsichtig daran. Am Marzipanbrot, nicht am Papier natürlich. Sie knabbert einen ganz kleinen Bissen ab und sagt: „Ich will lange was davon haben.“ Wir sollen Beifall klatschen, das tun wir aber nicht. Wir sind mit unserem Essen beschäftigt. Heute gibt es Fischfutter süß sauer. Frau Holle verliert die Geduld und haps, haps, haps ist das Marzipanbrot weg. Gekaut und geschluckt.

Sie sagt: „Ach du meine Güte, jetzt hat mich doch glatt die Gier erwischt!“ Wir lachen uns schlapp. Wie schnell die Alte essen kann ist immer wieder erstaunlich.

Draußen schneit es und es stürmt. Wir hören Bibi Bohne. Xaver weiß jetzt rechtzeitig, wann er sich die Ohren zuhalten muss. Frau Holle sagt: „Ich habe natürlich auch CDs mit Weihnachten drauf! Technisch auch nicht mehr auf dem neuesten Stand, aber immerhin leiern die nicht.“ Drei davon zeigt sie uns heute und wir staunen.

  1. Der Polarexpress.

      2. Astrid Lindgren, Bald ist Weihnachten. Die schönsten Weihnachtsgeschichten, 4 (!) CDs. (Frau Holle fragt sich allerdings, ob Kinder und Frösche, die heute aufwachsen, auch so viel Spaß an diesen Geschichten haben, wie sie selbst, als sie ein Kind war. Vielleicht können sie gar nichts mehr damit anfangen. Ich soll Euch fragen, wie Ihr das seht!)

Und wenn die Stimmung gar zu süß geworden ist, hört sich Frau Holle gerne folgende CD an:

      3. Gerhard Polt, Abfent, Abfent…..

Na ja, die gute Frau Holle rülpst ein kleines bißchen und ihr ist etwas schlecht geworden. Sie sagt: „Nie wieder kaufe ich mir ein Marzipanbrot!“ Und sie legt sich hin.

Xaver und ich hören noch einmal Bibi Bohne und lassen es uns gutgehen.

Wir wünschen Euch einen schönen zweiten Advent!

9. Dezember

9. Dezember

Hallo Leute, ich möchte gerne wissen, was Advent und Weihnachten ist. Kerzen, Schmuck, Kekse, Engel und Weihnachtsmänner? Xaver weiß das erst recht nicht, ihm ist es auch egal. Hauptsache, er hat seinen Spaß. Er tobt mit den Engelkindern durch das ganze Haus und das kann doch nicht der Advent sein, oder? „Das gehört alles dazu“, sagt Frau Holle und kramt in ihren Büchern herum.

Sie sagt: „Guck mal hier, Misi, hier ist die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht eines Esels beschrieben. Ursel Scheffler hat sich das ausgedacht.Vielleicht kannst Du was damit anfangen.“

Ich schnappe mir den Xaver und die Engelkinder und Frau Holle liest uns vor. „Langweilig!“, rufen die Engel. „Das kennen wir!“ und sie zischen ab. Aber Xaver und ich sehen uns die Bilder an. Wir finden auf jeder Seite eine Maus. Die hat einen roten Schal. Frösche sind leider nicht dabei. Aha, der Heiligabend ist also der Geburtstag von einem Mann. Der wurde vor 2017 Jahren (oder so) geboren und heute kriegen alle Geschenke, weil sie seinen Geburtstag immer noch feiern. Frau Holle sagt: „Nein, Misi, das ist etwas komplizierter. Das hat etwas mit Religion und Glauben zu tun.“ Ich weiß nicht, was das ist. Aber das Buch ist schön.

Frau Holle ist nicht zu bremsen. Sie holt alles raus, was Kinder im Advent gut brauchen können. Sie hat das aufgehoben, obwohl ihre Kinder längst aus dem Haus sind und sie auch nicht mehr in der Schule arbeitet. Sie murmelt etwas von schönen Erinnerungen und legt eine Kassette ein: Bibi Bohnes Weihnachtsfest , eine Geschichte von Michael Korth und Klaus Pitter.

Eine spannende Geschichte, das kann ich Euch sagen. Xaver hält sich sogar manchmal die Ohren zu. Ich nicht. Ich bin ja ein harter Kerl. Vieles, was je zu Weihnachten passierte, muss die arme Bibi hören und einiges sogar selbst erleben. Und die Geschichte vom Christkind erzählt ein gewisser Klaus und Frau Holle lacht Tränen. Sie sagt: „Ich wusste gar nicht mehr, wie lustig diese Kassette ist! Und lehrreich außerdem!“  Es wird nämlich  auch gesungen und ich muss diese Kassette immer wieder hören. Frau Holle sagt, sie klingt schon etwas ausgeleiert, weil ihre Kinder sie früher so oft abgespielt hatten und eigentlich gibt es ja gar keine Kassettenrekorder mehr. Zum Glück hat Frau Holle noch einen. Hoffentlich geht er nicht kaputt.

Frau Holle liest immer wieder gerne ihre Bücher. Aber für mich und Xaver ist das zu viel Text. Ich soll mir lieber die Bilderbücher ansehen, die sie neben mein Terrarium gelegt hat. Nein, erst einmal höre ich zum zwölften Mal Bibi Bohne!

8. Dezember

8. Dezember

Hallo Leute, ich habe Xaver geschenkt, dass er heute schreiben darf. „Nö“, sagt er und hüpft davon. Ich sage: „Frau Holle, ich weiß nicht, was ich schreiben soll!“ „Vielleicht ein Gedicht?“, meint sie und wuselt davon. Sie hat einen neuen Staubsauger. Damit saugt sie ihre Böden. Der Staubsauger ist rot und hat einen Akku. Und darum kommt sie nicht durch die ganze Wohnung, weil der Akku schneller alle ist als die Böden gereinigt. Und darum muss er jetzt schnell in seine Station und wieder aufladen. Putzig, wie er da steht, so still und stumm und völlig fertig. Frau Holle sagt: „Guck mal Misi, der neue rote Staubsauger hat einen Burnout. Er muss jetzt zusehen, dass er sich wieder auflädt. Dazu braucht er Ruhe.“ Und sie lacht so sehr, dass ihr Bauch wackelt und sie auch völlig fertig ist und sich hinsetzen muss, um selbst wieder aufzuladen. Sie fragt, ob ich noch weiß, wie ich einmal einen Burnout hatte.

Ob ich das noch weiß? Wer so etwas schon erlebt hat, wird das niemals vergessen! Frau Holle sagt: „Ja, das stimmt. Und jeder, der das schon erlebt hat, wird alles dafür tun, dass er rechtzeitig zur Ruhe kommt, damit das nie wieder passiert!  Langeweile ist gut, um sich wieder aufzutanken!“ Und sie sieht untätig aus dem Fenster und bewundert den Wind. Mir tut nur der kleine rote Staubsauger leid.

Unsere Engel und ihre Freunde sind quietschfidel. Sie haben heute Chorprobe und ich soll mitsingen. Ich will das auch und falle ein. Und auf. Meine Stimme ist so unlieblich und wenig weihnachtlich, findet der Chor. Vielleicht sollte ich lieber doch nicht mitsingen, sondern entspannt zuhören, schlägt der Chor mir vor. Dafür schenkt mir die Kleine ihr Herz.

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Ich mache es mir bequem und höre zu.

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Sie singen vom Tannenbaum, der gefällt, von den Kinderlein, die kommen sollen, von Hirten und Grippe, von Glöckchenklingeling, vom Advent und ein Lichtlein brennt und vom geladenen Schiff. Seltsam. Ich verstehe das nicht, aber schön hört sich das trotzdem an.

Frau Holle liebt ihren Chor und wünscht sich schon wieder das Lied vom Schnee, der leise rieselt.

Ich finde es schade, dass es kein Lied mit Fröschen gibt. Also, das gibt es schon. Aber kein Weihnachtsfroschlied. Weil Weihnachten hier fast alle Frösche erstarrt sind und gar nichts davon mitkriegen. Ich mache mir mein Weihnachtsfroschlied selbst. Und das geht so:

Advent, Advent,

ein Fröschlein rennt.

Es hat vergessen zu erstarren

und muss nun leider im Advent verharren.

Es darf jetzt ein Kerzlein anzünden,

um gute Weihnachtsstimmung zu verkünden.

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Und Ihr so? Passt gut auf Euren Akku auf und vergesst nicht, ihn regelmäßig aufzuladen. Auch in der Weihnachtszeit! Bis bald! Euer Misi

7. Dezember

7. Dezember

Hallo Leute. Eigentlich will ich gar kein erster Frosch mehr sein. Ich muss schreiben und weiß gar nicht mehr, was ich schreiben soll. Schreibblockade. „Vielleicht ein Gedicht?“, fragt Frau Holle. Nein. Heute nicht. Frau Holle meint, mir fehlt wohl die Langeweile. In der Langeweile wächst die Kreativität. Oder so. Ich weiß nicht, was sie meint, aber Frau Holle sagt, sie hat das gestern im Fernsehen gesehen. Sie fand es so interessant, weil sie sich so gerne langweilt und keinen kennt, der sich auch gerne langweilt. Sie sagt: „Misi, wenn du dich langweilst, dann ruht dein Gehirn und du bekommst neue Ideen. Das habe ich gestern gesehen.“

Na gut, dann langweile ich mich jetzt:

…………….mpf…………………..klpf…………………klopf……..klatsch…klatsch–klatschklatschklatsche psp psssss pu…….würg würg hust……

Nein, das ist zu schrecklich. Das soll Frau Holle gerne alleine machen. Dann habe ich lieber keine Ideen als mich zu langweilen. Ich besuche schnell den Küchenchef:

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Er freut sich, dass ich vorbeikomme. Er kennt das mit der Langeweile. „Misi, du hast keine Ahnung, wie das ist, wenn man elf Monate lang in der dunklen Kiste verbringen muss. Da ist das Gehirn völlig unterfordert. Und dann füllt es sich mit Unsinn.“ Der Küchenengel nickt und ist auch froh, dass Dezember ist.

Na schön, trotzdem weiß ich nicht, was ich schreiben soll.

Frau Holle sitzt am Tisch und isst.

Vor lauter Verzweiflung fotografiere ich ihr Essen. Das machen manche Leute jeden Tag! Sie fotografieren ihr Essen und stellen es ins Internet. Für die Hungrigen. Die können sich dann satt sehen.

Frau Holle sieht so zufrieden aus. Sie liebt ihr Essen. Sie sagt: „Ach Misi, nun esse ich schon den vierten Tag Grünkohl. Er schmeckt mir einfach zu und zu gut. Ein richtiges Winteressen. Es fühlt sich so warm und satt im Bauch an.“ Ich glaube, meine Frau Holle hat sich eben ziemlich lange gelangweilt. So viel fällt ihr sonst zum Thema Essen nicht ein.

Ich esse keinen Grünkohl und keine Tierwurst. Sie sagt: „Aber Misi, du isst doch auch Tiere!“ Ich, nein, niemals. „Mücken, Fliegen?“, altklugt es aus der Frau heraus. Das sollen Tiere sein? Frösche sind Tiere und meinetwegen Störche oder Riesenspinnen. Aber Fliegen? Ach so, das sind auch Tiere? Seid Ihr sicher?

Na gut. Frau Holle verspeist ihre Wurst und sagt: „Ich esse kaum noch Tiere. Aber zum Grünkohl brauche ich meine Kochwurst mit Senf!“ Ich gönne ihr das Vergnügen und denke, nun habe ich genug für heute geschrieben, oder?

Macht es Euch gemütlich und langweilt Euch ruhig ab und zu! Das wirkt Wunder. Hat Frau Holle gestern im Fernsehen gesehen!