Letzte Ernte

Letzte Ernte

Jetzt ist wieder Ruhe eingekehrt. Die letzten Tage war meine Terrasse noch einmal voller Leben. Anfang November wird der Sand-Weiß-Feuerdorn abgeerntet. Jedes Jahr. Und jedes Jahr freue ich mich, dass ich die Vögel vom Sofa aus beobachten kann. Aber jetzt herrscht wieder Ruhe im Gebüsch. Das heißt: Die Adventszeit ist nicht mehr weit!

Was kann ich tun an trüben Tagen?

Was kann ich tun an trüben Tagen?

LESEN! Ich habe gerade ganz viel Zeit für das Buch „Wer bin ich und wenn ja, wie viele. Eine philosophische Reise“ von Richard David Precht. Ja, ich weiß, dieser Autor hat bei „echten“ Philosophen einen dankbar schlechten Ruf. Ich kann das nicht so ganz nachvollziehen, wobei ich natürlich keine echte Philosophin bin! Er gefällt mir sehr und was er sagt und schreibt, hat für mich Hand und Fuß. (Warum sagt man eigentlich Hand und Fuß?) Ich empfehle das Buch gerne weiter für Leute, die von Philosophie so wenig Ahnung haben wie ich. Es könnte ein guter Einstieg für weiterführende Literatur sein. Eigentlich wollte ich hier nur schnell ein Zitat bringen, weil es so gut in diesen Blog passt, aber ich bekomme so große Lust die Überschriften der Kapitel abzuschreiben. Alleine die würden einen ganzen langen Diskussionsabend füllen. Wollt Ihr kommen? Ich kaufe uns ein Fläschchen Wein und dann machen wir es uns gemütlich!  Wie bitte? Ist zu kurzfristig? Ja gut. Das verstehe ich.

Also nur das Zitat (es hat zu verantworten, dass ich mich vom muscheligen Sofa gequält habe und die Treppe zum Arbeitszimmer erklomm):

„Ein menschliches….Wesen, das keine Gefühle kennt, ist undenkbar. Der Grund dafür ist ganz einfach: Gefühl und Verstand bilden keinen Gegensatz! Sie spielen nicht gegeneinander, sondern sie spielen miteinander, bei allem, was wir tun. Sie sind Partner bei der Arbeit des Geistes, mal zuverlässig, manchmal auch heillos miteinander zerstritten, aber sie können nicht voneinander lassen. Im Zweifelsfall kommt noch das Gefühl ohne allzu viel Verstand aus. Aber ohne das Gefühl hat der Verstand ein Problem, denn erst die Gefühle sagen dem Denken, wohin der Hase laufen soll. Ohne emotionalen Anschub keine Gedankenbewegung…..Gefühle sind der Klebstoff, der uns zusammenhält.“ (Seite 76)

Darüber könnte ich jetzt stundenlang nachdenken. Aber ich schreibe nun doch lieber die Überschriften der einzelnen Kapitel ab. Vielleicht bekommt Ihr dann Lust, Euch dieses Buch auf Euren Wunschzettel zu schreiben………..😂 Genau, meine Gedanken sind schon ziemlich weihnachtlich gestimmt, aber das ist eine andere Geschichte.

Was kann ich wissen?

  •  Kluge Tiere im All. Was ist die Wahrheit
  • Lucy in the Sky. Woher kommen wir?
  • Der Kosmos des Geistes. Wie funktioniert mein Gehirn?
  • Ein Winterabend im 30-jährigen Krieg. Woher weiß ich, wer ich bin?
  • Die Mach-Erfahrung. Wer ist „ich“?
  • Mr. Spock liebt. Was sind Gefühle?
  • Kein Herr im eigenen Haus. Was ist das Unterbewusstsein?
  • Da war doch was. Was ist das Gedächtnis?
  • Die Fliege im Glas. Was ist Sprache?

Was soll ich tun?

  • Rousseaus Irrtum. Brauchen wir andere Menschen?
  • Das Schwert des Drachentöters. Warum helfen wir anderen?
  • Das Gesetz in mir. Warum soll ich gut sein?
  • Das Libet-Experiment. Kann ich wollen, was ich will?
  • Der Fall Gage. Gibt es Moral im Gehirn?
  • Ich fühle was, was du auch fühlst. Lohnt es sich, gut zu sein?
  • Der Mann auf der Brücke. Ist Moral angeboren?
  • Tante Bertha soll leben. Darf man Menschen töten?
  • Die Geburt der Würde. Ist Abtreibung moralisch?
  • End-Zeit. Soll man Sterbehilfe erlauben?
  • Jenseits von Wurst und Käse. Dürfen wir Tiere essen?
  • Der Affe im Kulturwald. Wie sollen wir mit Menschenaffen umgehen?
  • Die Qual der Wale. Warum sollen wir die Natur schützen?
  • Ansichten eines Klons. Darf man Menschen kopieren?
  • Kinder von der Stange. Wohin führt die Reproduktionsmedizin?
  • Die Brücke ins Geisterreich. Was darf die Hirnforschung?

Was darf ich hoffen?

  • Die größte aller Vorstellungen. Gibt es Gott?
  • Die Uhr des Erzdiakons. Hat die Natur einen Sinn?
  • Eine ganz normale Unwahrscheinlichkeit. Was ist Liebe?
  • Do be do be do. Was ist Freiheit?
  • Robinsons Altöl. Brauchen wir Eigentum?
  • Das Rawls-Spiel. Was ist gerecht?
  • Inseln der Seligkeit. Was ist ein glückliches Leben?
  • Der ferne Garten. Ist Glück lernbar?
  • Die Matrix- Maschine, Hat das Leben einen Sinn?

Fragen über Fragen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt. Vor ein paar Jahren habe ich dieses Buch schon einmal mit größtem Vergnügen (Gefühl!) gelesen und dabei viel gelernt (Verstand!) und leider auch viel wieder vergessen (Pech! Hört sich fast so an wie Precht!😂 ). Nun muss ich es noch einmal lesen ( großes Glück!). Darum gehe ich jetzt auf mein gemütliches Sofa zurück!

Misi packt

Misi packt

Hallo Leute, ich bin etwas mürrisch und muss mich kurz nach draußen verziehen. Rosalind, Ihr erinnert Euch an meinen Besuch, also Rosalind, die Heinzelfrau von Frau Vro  ist gerade mit Xaver beschäftigt. Ich kann diesen Jungfrosch nicht leiden, aber Rosalind hat es durchgesetzt, dass er rein darf. Den ganzen Winter. Das finde ich doof, aber Frau Holle will mir kein Vetorecht zugestehen. Sie sagt, es ist doch schön, wenn ich Gesellschaft habe.

Die letzten Tage mit Rosalind waren sehr erfüllt. Das Fest mit den  Weinbergzwergen  setzte uns einen Tag lang außer Gefecht und Frau Holle hatte kein Mitleid. Meine Güte, kann das Meinzelmädchen feiern!

Frau Holle ist so glücklich mit Rosalind. Sie sagt, seitdem sie da ist, hat sie viel mehr Spaß an der Hausarbeit und sie schafft so viel wie noch nie. Fröhlich plaudernd machten meine beiden Süßen sauber, wischten und putzten und wuschen und staubten (ab) und räumten und bügelten und fegten und harkten und ich weiß nicht was. Frau Holle möchte Rosalind am liebsten behalten. Ich auch. Aber Rosalind lacht und sagt, sie vermisst ihre gute Frau Vro und sie hofft, dass diese auch ohne ihre Mithilfe so aktiv und lustig den Haushalt erledigt wie sonst. Vielleicht hilft ja der Schweinehund? Das glaubt Rosalind allerdings nicht. Aber wer weiß?

Meine kleine Heinzelfrau wollte noch das Meer sehen, bevor sie wieder in die Berge entschwindet. Mit dem INTERNET GESTALTEN EXPRESS, kurz IGE (Rennbus) reisten wir gestern an Ostsee.

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Rosalind staunte. Wir hatten ein gemütliches Frühstück am Strand. Und dann sausten wir mit dem IGE (Rennboot) um Skagen an die Nordsee.

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Rosalind war begeistert. Wir aßen Mittag und flogen dann mit dem IGE (Hubschrauber) wieder in die Heimat. Am Gartower See aßen wir unser Abendbrot und plauderten über dies und das. Rosalind liebt Sonnenuntergänge.

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Heute scheint die Sonne und wir machen einen Abstecher in die Heide. Frau Holle fährt  uns hin, denn sie will auch noch etwas von Rosalind haben.IMG_1187

Diese  will morgen zurück nach Hause. Frau Holle sagt: „Schade!“ und ich sage: „Ich will gerne mit und den Schweinehund und den Ernst des Lebens überraschen.“ Frau Holle sagt: „Das geht doch nicht!“ und Rosalind sagt: „Warum denn nicht?“ Also, Leute, nun mache ich doch noch eine Reise. Mit dem IGE ist das aber auch furchtbar einfach geworden! Und das beste ist, der Xaver bleibt hier.

Ich schicke schon mal einen kleinen Film voraus! Liebe Frau Vro, der ist speziell für Dich, damit Du weißt, wo Rosalind ihren Urlaub verbrachte.

Also Leute, reisen bildet und ich freue mich auf Frau Vro und die ganze Bande! Und Ihr so? Habt Ihr auch Besuch?

Erwartung

Erwartung

Geboren werden.

Da kommt noch was!

Aufwachsen.

Da kommt noch was!

Berufung finden.

Da kommt noch was!

Freunde finden.

Da kommt noch was!

Den Liebsten finden.

Da kommt noch was!

Familie gründen.

Da kommt noch was!

Kinder ziehen lassen.

Da kommt noch was!

Den Liebsten ziehen lassen.

Da kommt noch was!

Alleine leben.

Da kommt noch was!

In Rente gehen.

Da kommt noch was!

Aber nicht mehr so viel.

Egal, da kommt noch was!

Frieden finden.

Da kommt noch was!

Kommt noch was?

Da kommt noch was!

Was?

Da kommt noch was!

Es ist schon November.

Da kommt noch was!

Stimmt. Dezember. Und dann?

Dann kommt noch was!

Das neue Jahr.

Da kommt noch was!

Ach so? Wie schön!

Liebe Frau Vro…..

Liebe Frau Vro…..

…….. lieber Schweinehund, lieber Ernst, liebe Muse und liebe Alle, die ich hier vielleicht vergessen habe, ich bin gut bei Frau Holle und Misi angekommen. Stellt Euch vor, Misi kannte den IGE nicht! Ich musste ihm erst erklären, was IGE heißt. Als ich erzählte, dass wir Gestalten im Internet einen eigenen Express (Zug, Mietwagen, Rakete, Bus und Rennboot) haben, flippte er fast aus! Er rannte zu Frau Holle, zog ihr am Hosenbein herum und schrie: „Frau Holle, warum weißt du das denn nicht?“ Sie guckte mich fragend an und ich erklärte, dass wir Gestalten im Internet unsere eigene Fortbewegungsmittel haben. Den IGE, also den INTERNET GESTALTEN EXPRESS. Der ist viel schneller als der ICE und außerdem gibt es keine Verspätungen. Frau Holle fand das toll und Misi schimpfte: „Wenn ich das früher gewusst hätte, wäre das Reisen im letzten Jahr nicht so anstrengend gewesen und ich hätte keinen Burnout gekriegt.“

Es ist sehr schön hier. Ich habe mein eigenes Bettchen bekommen und Misi feuerte zur Begrüßung ein Riesenfeuerwerk ab. Es ist sehr ruhig im Haus. Hier gibt es gar keine Söhne und keine Männer. Frau Holle sagt, ihre Söhne sind erwachsen und weg. Und der Mann ist auch weg, obwohl er schon von vornherein erwachsen war. Im Dezember wird es aber wieder einen Trubel geben, weil dann die Engel und Weihnachtsmänner aus ihrer Kiste dürfen. Nur ein Xaver sitzt vor der Haustür, aber der darf nicht rein. Ich finde das schade, denn das ist ein wunderbarer Jungfrosch mit viel Temperament. Misi will nicht, dass ich mit ihm spreche. Aber ich gehe ab und zu raus, da lasse ich mir von keinem Altfrosch reinreden. Mal sehen, ob ich etwas für Xaver tun kann. Gestern Nacht gab es Frost und er kam erst Mittags aus seiner Erstarrung. So kann er ja auch nicht vernünftig arbeiten.

Frau Holle ist schon eine tolle Alte. Mich stört nur, dass sie so lange im Bett bleibt. Erst schläft sie, dann steht sie (endlich!) auf , holt sich die Zeitung und einen Kaffee und, Du wirst es nicht glauben liebe Frau Vro, sie legt sich wieder hin! Liegt im Bett, schlürft ihren Kaffee und liest Zeitung. Im Bett. Mitten in der Woche und sonntags und immer. Ich weiß jetzt, wie gut ich es bei Dir habe! Ich glaube, der Ernst (des Lebens) sollte das nächste Mal mitkommen. So geht es irgendwie nicht. Aber Frau Holle ist uneinsichtig und Misi zuckt die Schultern. „Sie ist ihren Antreiber gerade los geworden“, sagt er und ich weiß nicht, was das bedeutet.

Misi hat mich heute sehr früh mit Kaffee und Marmeladenbrot verwöhnt. Er hat sogar ein paar fritierte Mücken darüber gestreut. Ich habe sie heimlich entfernt und unter den Tisch fallen lasen. Dann machten wir es uns auf der Fensterbank gemütlich. Wir hatten uns viel zu erzählen und Misi wollte noch einmal wissen, wie es damals war, als er mit Ernst und dem Schweinehund unterwegs war. Er kann sich nicht so gut erinnern, sagt er und wir beide, liebe Frau Vro, wissen ja warum.

Dann habe ich den Haushalt gemacht und Frau Holle guckte etwas dumm in der sauberen Stube herum und sagte: „Waren die Heinzelmännchen hier?“ Über diesen Witz musste sie selbst so lachen und ich als Heinzelmädchen fühlte mich sexistisch beleidigt.

Aber nur kurz. Die Sonne schien so schön und ich ging mit Misi und Xaver im Garten spazieren. Zu dritt war es lustiger, fand ich. Misi weinte, aber nur heimlich.

Gestern waren wir in Hitzacker. Ich fragte: „Hat der Acker Hitze?“ Aber Frau Holle wußte das auch nicht. Sie gab mir Misis Fotoapparat und ich machte für Euch Zuhause ein paar Fotos. Du glaubst gar nicht, wie schön es hier ist. Nur, mal unter uns, die Menschen können hier nicht richtig sprechen und Berge gibt es auch nicht. Frau Holle sagt: „Doch, Hitzacker hat einen Weinberg!“ Da musste ich so lachen. Weinberg nennen die Leute hier ihren Maulwurfshügel. Ich sagte ja, sie können nicht richtig sprechen! Aber sonst sind sie wie bei uns. In Hitzacker gibt es nicht nur einen Berg (😂😂😂), sondern auch echte Zwerge. Die habe ich unterwegs getroffen. Sie luden mich ein, heute Abend mit ihnen ein Bergfest (😂😂😂) zu feiern. Sie sagten Heinzelmädchen sind auch in Ordnung, es müssen nicht immer Zwergenfrauen sein. Frau Holle guckt skeptisch und Misi will mit. Ich bestelle gleich mal den regionalen IGE und dann mache ich mich schick.

Viele liebe Grüße an Euch alle und ich habe Euch furchtbar lieb! Aber verreisen ist auch mal schön!!!!!! Eure Rosalind

 

2. Reihe

Seit Februar liegt die Eintrittskarte gut sichtbar auf meinem Schreibtisch. Damit ich mich immer wieder erinnere und meine Vorfreude genießen kann. Gestern war es soweit. Auf nach Uelzen!

Hagen Rether. Einer meiner Lieblingskabarettisten, der eine klare Haltung zeigt und etwas zu sagen hat. Der witzig ist und ernsthaft. Als Mann durchaus ansprechend, findet mein jung gebliebenes Herz  (ich stehe auf lange Haare). Und den ich schon lange aus dem Fernsehen kenne.

Ja, ich sah Hagen Rether gestern live aus der zweiten Reihe in einem ausverkauften Theater. Wunderbar. Es gab viel zu lachen und noch mehr zum Nachdenken. Er begann um 20.00 Uhr. Mit einer halbstündigen Pause hörte der gute Mann nicht vor 24 Uhr auf. Ich hing nur noch in meinem Stuhl, denn so lange zuhören, sich konzentrieren und still sitzen ist anstrengend. Das bin ich nicht mehr gewohnt. Er aber, der Hagen, wirkte bis zum Schluss frisch und munter. Er hatte selbst so viel Spaß an uns und an sich und ich hatte den Eindruck, er wollte uns so viel wie möglich mit auf den Weg geben. Zwischendurch aß er zwei Bananen auf der Bühne, was er wohl immer macht, und er trank sein Wasser. Er lümmelte auf dem Stuhl und spielte Klavier. Total tiefenentspannt. Ein toller Typ und ich empfehle: Guckt ihn Euch an, wenn Ihr Gelegenheit dazu habt!

Die Heimfahrt war lang. Sie wurde mit einer riesengroßen orangefarbenen Mondsichel belohnt, die gerade aufging. Die Sterne funkelten und glitzerten und ich dachte, bald fängt die Weihnachtszeit an. Was das mit Hagen Rether zu tun hat, weiß ich jetzt auch nicht.