Nichts geht mehr!

Nichts geht mehr!

Hallo Leute, mir ist schlecht vor Angst. Dr. Schreckweg ist nicht zu erreichen und Frau Holle ist entweder weg oder sie malt und klebt und macht und tut. Darum muss ich das mit Euch besprechen.

Vor ein paar Tagen las Frau Holle in einem dicken Buch (ohne Bilder!). Ich wollte wissen, was in dem Buch steht. Sie sagte: „Märchen.“ Aha. Dann fragte sie, ob sie mir das Märchen vom Froschkönig vorlesen soll. Herr Krone und Xaver spielen immer Froschkönig, tragen darum eine Krone und halten sich für etwas besseres. Was natürlich lächerlich ist. Ich kann mir auch eine Krone aufsetzen. Und ich kann mir sogar einen Heiligenschein anbinden, mit Frisur. Und ich denke nicht, dass ich ein Froschkönig bin. Ich kenne meine Wurzeln.

 

 

Na ja, egal. Also, Frau Holle las mir das Märchen vom Froschkönig vor. Kennt Ihr die Geschichte? Also, eine Prinzessin geht in den dunklen Wald zum Brunnen und spielt mit ihrer goldenen Kugel. Da frage ich mich, warum sie eine goldene Kugel überhaupt besitzt, warum sie in den dunklen Wald geht und was eine goldene Kugel dort zu suchen hat. Was soll das? Egal. Diese blöde, nutzlose goldene Kugel fällt in den Brunnen und die wunderschöne Prinzessin, über die sich sogar die Sonne freut, weil sie so schön ist, weint und schreit und plärrt. Das stört natürlich den dicken, hässlichen Frosch, der im Brunnen wohnt. Keine Rede davon, dass der eine Krone auf hat oder König ist. Er ist dick und hässlich, weiter nichts. Egal. Der Frosch will der wunderschönen Prinzessin ihr Spielwerk (das steht da wirklich! Ich schmeiße mich weg und kann nicht mehr vor Lachen!) aus den Tiefen des Brunnens holen, damit sie endlich Ruhe gibt. Natürlich will er etwas dafür haben, aber keine Edelsteine und so, er will ihr Spielkamerad (!) werden, von ihrem Tellerlein essen und in ihrem Bettchen schlafen (!). Spielkamerad? Soso. Na ja, Prinzessin verspricht das, will sich aber nicht daran halten und wird vom Vater dazu gezwungen. Und dann kommt das Entsetzliche, ich habe mir das wortwörtlich gemerkt: Als sie aber im Bette lag, kam er (der Frosch gibt nicht auf!) gekrochen und sprach: „Ich bin müde, ich will schlafen so gut wie du: Heb mich herauf, oder ich sags deinem Vater.“ Da ward sie bitterböse, holte ihn herauf und warf ihn aus vollen Kräften wider die Wand: „Nun wirst du Ruhe geben, du garstiger Frosch.“  Als er aber herabfiel, war er kein Frosch, sondern ein Königssohn mit schönen freundlichen Augen.

So, Ihr Lieben, habt Ihr das gewusst? Die Prinzessin küsste den Frosch überhaupt nicht. Sie klatschte ihn gegen die Wand. Der Frosch hatte Glück, weil er ja ein verzauberter Prinz war. Und zackkrachbumm hatte er freundliche Augen und die Prinzessin verliebte sich in ihn und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Aber: wie oft höre ich Frauen sagen, dass man viele Frösche küssen muss, um einen Prinzen zu finden. Und viele Frauen versuchen das bei mir, weil sie hoffen, ich sei ein Prinz für sie. Und nun habe ich solche Angst, dass sich die Geschichte rumspricht. Frau muss Frosch gar nicht küssen, sondern an die Wand klatschen. Und wenn die das bei mir ausprobieren, bin ich tot. Meine Güte. Ich bin arbeitsunfähig, seit Frau Holle mir das Märchen vorgelesen hat. Ich verstecke mich vor der Menschheit.

Und das gerade jetzt, wo der Storch weg ist. Es ging mir so gut wie schon lange nicht mehr beim Rumhängen. Ich muss unbedingt Herrn Krone und Xaver informieren. Die sollten sofort ihre Kronen absetzen und aufhören, das Schicksal herauszufordern. Meine Güte, bin ich fertig……

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Von Kühen und Schafen

Vor ein paar Tagen schien es, als wollte der Sommer noch lange bleiben. Das machte mich froh. Ich schaute bei meiner kleinen Kuhherde vorbei. Vier Kälbchen konnte ich entdecken. Schade, ich hatte nur meinen kleinen Fotoapparat dabei und darum gibt es nur ein Foto. Die anderen sind nichts geworden.

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Nebenan hielt sich eine kleine Schafherde auf. Der Schäfer war gerade dabei,  mit seinem Hund zu trainieren. Er, also der Hund, hatte scheinbar wenig Lust, zu gehorchen. Arme Schafe, sie wurden hierhin getrieben und wieder zurück. Lustig, wie immer alle zusammen blieben. Der Schäfer behielt die Nerven, bis der Hund sich auf seinen Job besann und sich bemühte, ein guter Schäferhund zu werden. Die Schafe verschnauften und der Schäfer besprach das mit seiner Herde.

IMG_1112Er tröstete sie und meinte, der Hund hätte schon gute Anlagen und bald würde er sie nicht mehr jagen. Die Schafe glaubten das nicht so recht, beschwerten sich und fanden das Ganze ziemlich unverschämt. Der Hund schlich davon und schämte sich.

IMG_1115Der Schäfer meinte, dass sich die Schafe nicht so anstellen sollten, sie sind ja schließlich auch keine Unschuldslämmer. Das wollten sich die Schafe nicht länger anhören.

IMG_1117Das betrübte den Schäfer und er sprach sehr eindringlich mit seinem Hund. Dieser versprach, es das nächste Mal besser zu machen.

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Diese Schafe wohnen gleich um die Ecke. Sie stecken ständig ihre Köpfe zusammen und manchmal auch in eine Futterschüssel.

IMG_1128Es gibt immer etwas zu bereden und manchmal lassen sich die gefiederten Freunde umhertragen. Sie finden es ganz gemütlich auf der lebendigen Wolle.

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Wichtig sind die Ruhezeiten! Die müssen unbedingt eingehalten werden.

IMG_1131IMG_1136Heute regnet es. Es ist ungemütlich draußen. Ich bin froh, keine Kuh und kein Schaf zu sein.

Traumwelten 3

Ich fange mit dem Nachtbild an. Das soll als erstes bevölkert werden…..

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Meine Güte, mein Schreibtisch sieht schon wieder aus! Es ist wie Weihnachtsbäckerei. Wenn ich damit anfange, sieht meine Küche nach drei Sekunden wie ein bemehltes Schlachtfeld aus. Es ist kein Zufall, dass ich jetzt gerade daran denke. Ist der September erst im Land, kommt Weihnachten auch schon angerannt.

Wenn ich bastle und male, entsteht ruckzuck ein kreatives Chaos. Zum Glück habe ich mein Arbeitszimmer, dort kann das Chaos liegen bleiben und solange wachsen, bis ich darin verloren gehe. Aber bis dahin werde ich hoffentlich fertig sein mit meinen Prinzessinnen Traumwelten. Meine Güte, ich bin 65. Sollte ich nicht lieber mal ein Erwachsenen – Thema bearbeiten? Nö, keine Lust. Mein inneres Kind lässt das auf keinen Fall zu. Prima. Auch gut. Erwachsenwelt ist sowieso ziemlich anstrengend und manchmal schrecklich genug. Das kann ich in meiner Wohnung nicht gebrauchen. Ich will keine Kunst, ich habe mich für Deko entschieden.

Wie schön, endlich kann ich meine Spiegel-Folie nutzen. Die Rolle liegt schon seit Jahrzehnten bei mir herum. Jetzt sind 3 cm² verbraucht. Mit dem Rest könnte ich eine Tür tapezieren. Die Spiegelfolie spiegelt sogar, das kann man unten deutlich sehen. Ich freue mich darauf, den Nachthimmel mit Sternen zu bekleben. Den Mond habe ich eben fertiggestellt. Wenn Licht darauf scheint, glitzert und funkelt er wie verrückt. Ich liebe das.

Der Anfang ist gemacht. Der ist für mich immer schwierig. Meistens höre ich an dem Punkt auch gleich wieder auf, weil es mir schwer fällt, mich festzulegen. Ich verliere häufig schon die Lust, bevor ich anfange. Wenn ich über diesen Punkt rüber bin, bleibe ich gewöhnlich am Ball.

Es wird lange dauern, bis meine Prinzessin- bei -Nacht -Traumwelt fertig ist. Ich bin gespannt……

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2

Traumwelten 2

Draußen kann ich heute nicht malen. Der Herbst schaut schon mal mit Wind und Regen um die Ecke. Drinnen macht es mir nicht so viel Freude. Warum habe ich eigentlich die Konturenfarben so vorschnell aufgetragen? Ich muss sie nach dem Fertigen der Landschaftselemente noch einmal übermalen. Nein, es gefällt mir nicht. Zu unsauber das Ganze. Aber da die Konturen regelmäßig misslungen sind , sieht es fast schon wieder so aus, als sei genau dies meine Absicht gewesen. Ich muss also nicht aufgeben, sondern kann weiter machen. Genau das habe ich meinen Kindern und Schülern damals immer wieder gesagt: „Nicht aufgeben, weiter machen, wird schon!“ Nun freue ich mich sehr, das nächste Mal mit der Feinarbeit zu beginnen. Ich bin gespannt, wie sich die Traumwelten füllen werden…..und ob mir das Ganze nicht zu peinlich wird………

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Traumwelten

Ich male weiter. „Prinzessinnen Traumwelten“ sollen entstehen. Das Büchlein: Keilrahmen-Bilder, Grafische Motive von Laura Blücher versorgt mich mit Ideen. Die Vorlagen nutze ich aber nicht. Leider bin ich so ungeduldig und möchte gleich fertig werden. Ich nehme mir vor, sich die Traumwelten langsam, beim Arbeiten entwickeln zu lassen. Meine Feinmotorik ist schlechter geworden. Ich kriege alles nicht so sauber hin, wie ich will. Das Problem kenne ich allerdings auch aus den Zeiten, als meine Hände noch in Ordnung waren. Ich sage mir, so nah kommt ja doch keiner ran. Es kommt auf den Gesamteindruck an. Besser schaffe ich es nicht. Die Traumwelten will ich mit einer Collage bevölkern. Malen, ausschneiden, aufkleben……Ja, super, ich habe nicht daran gedacht, als ich mit der Konturenfarbe anfing. Da muss ich mir noch etwas ausdenken.

Soweit bin ich heute gekommen:

Nebel auflösen

Nebel auflösen

Mich beschäftigt die Fernsehsendung „Vererbte Narben“ über  generationsübergreifende Traumafolgen , die ich vor einigen Tagen bei Arte gesehen habe. Diese könnt Ihr noch drei Tage in der Mediathek finden. Sehr empfehlenswert!

Unbewältigte Traumata werden an die nächsten Generationen weiter gegeben. Diese leiden an negativen Verhaltensweisen, Gefühlen und Symptomen, die sie sich nicht erklären können. Mir war die Erkenntnis nicht neu. Nach dem Tod meiner Eltern beschäftigte ich mich mit ihrem schriftlichen Nachlass. Dokumente und zahlreiche Briefe zeigten mir zum Teil ganz andere Eltern und Großeltern, als die, die ich meinte zu kennen. Ich konnte meine Lebensgeschichte plötzlich ganz anders einordnen und vieles verstehen, was vorher von mir irgendwie wahrgenommen, aber immer verschwiegen oder geleugnet wurde. Familienaufstellungen halfen mir sehr, meine (negativen) Grundgefühle zu erkennen und zu akzeptieren. Ich verstand ihren Ursprung. Das Wissen entlastete mich. Ich war in der Lage, mich der rätselhaften Welt meiner ungeliebten Symptome und unverstandenen Verhaltensmuster zu nähern. Damit lösten sich viele Konflikte, die ich mit mir und meiner Familie am Laufen hatte, irgendwie von selbst.

Der Film „Vererbte Narben“ erklärt, wie die Folgen der unbewältigten Traumata an die nächsten Generationen weiter gegeben werden. Ich fand mich in vielen Lebensgeschichten wieder. Ich dachte wieder einmal: „Mensch Regine, es ist nicht Dein Verschulden! Es ist so, wie es ist und Du konntest es nicht verhindern.“ Ich werde einige negative Gefühle und Botschaften nicht los, aber ihre Wirksamkeit kann ich vermindern. Ich spüre sie weiterhin, verstehe aber, dass sie mit der aktuellen Situation nichts mehr zu tun haben. Ich mache mir bewusst, dass ich völlig in Ordnung bin, so wie ich bin. Das freut das Selbstbewusstsein und glaubt selbst bald daran.

Natürlich gab ich auch viele unbewältigte Themen an meine Kinder weiter. Als diese aufwuchsen, war ich noch längst nicht so weit wie heute. Aber heute kann ich besser verstehen und mit meinen Kindern darüber reden, wenn sie es denn wollen. Sie können sich mit unserer Familiengeschichte beschäftigen. Das ist schon mehr, als meine Eltern mir geben konnten. Weil sie es eben nicht besser wussten und selbst an den Folgen der Kriegstraumata ihrer eigenen Eltern litten, ohne zu verstehen.

Damit kann ich mich versöhnen.

 

So

So

Als Kind malte ich gern. In der Schule gab es gute Zensuren, wenn ich alles richtig gemacht habe. Zuhause wurde betont, dass es doch schön wäre, wenn ich in Mathe und Latein auch so gute Zensuren hätte. Trotzdem unterstützten meine Eltern meine Lust zum Malen. Das schon. Trotzdem sollte ich doch lieber Vokabeln lernen….

Botschaften: Achte auf die gestellten Aufgaben beim Malen, strenge Dich an und wichtig ist Kunst sowieso nicht. Wenn es keine Zwei geworden ist, ist alle Mühe umsonst. Malen nur so zum Spaß ist Zeitverschwendung. 

Später malte ich ab und zu und besuchte auch Kurse. Eine Künstlerin meinte einmal, meine Bilder hätten schon schöne Ansätze und mit etwas Übung könnte sich meine Deko zur Kunst entwickeln. Oder so ähnlich.

Botschaften: Kunst ist besser als Deko und meine Bilder taugen nichts. 

Gegen diese Botschaften komme ich bis heute nicht an. Ich weiß genau, malen macht Spaß und ich  kann meine eigene Kunst. Einige meiner Bilder mag ich auch richtig gut leiden. Mir sind sie trotzdem peinlich und viele habe ich gar nicht aufgehoben.

Als ich heute auf meiner liebsten Terrasse saß und las, schüttelte ich plötzlich den Kopf und dachte: „Da ist doch albern und hört auf! Ich will jetzt malen. Sofort. Egal, ob Kunst, Kitsch oder Deko. Ich lasse mich jetzt nicht mehr einschüchtern von diesen Botschaften. Die sind alt und verbraucht und gelten nicht mehr.“ Ich holte meine Malutensilien, dachte kurz nach und begann, erste Ideen umzusetzen. Als Kind spielte ich so gern Prinzessin. (Blöd nur, dass mein Vater mich immer Prinzessin Sabbelfix nannte, während meine Cousine Prinzessin Tausendschön sein durfte. Botschaft bis heute: Du redest zu viel. Auch diese Botschaft taugt nichts mehr und sollte endlich vergessen werden.) Also, als Kind wäre ich gerne Prinzessin geworden. Das klappte natürlich nicht, aber ich male mir jetzt so richtig schöne Prinzessinnenbilder. Mit Glitter und Glitzersteinchen! Mit Gold und Silber. Kitschige Kunstdeko. Hauptsache, es macht Spaß! Und wenn die kitschige Kunstdeko fertig ist, hänge ich sie in meinen Flur und freue mich, wenn sie im Licht funkelt und glitzert. Und wenn jemand meine Bilder blöd findet, ist er selber blöd. So.