Zoe veröffentlichte vor einigen Tagen ein Gedicht von Erich Kästner über die Traurigkeit, die jeder kennt. Ich las es, war berührt und spürte meine eigene Traurigkeit.

Ich mag nicht traurig sein. Bin es aber immer mal wieder. Dann möchte ich dieses ungeliebte Gefühl am liebsten weg drücken. Ich will mir meine Lebenszeit nicht vermiesen lassen. Die traurigen Zeiten sind vorbei. Worüber sollte ich auch traurig sein?

Aber ich weiß es genau: die Trauer darf und muss in mir sein, sie hat ihre Berechtigung wie alle anderen Gefühle auch. Doch ja, natürlich, es geht mir heute gut. Ich habe mich eingerichtet. Ich komme zurecht. Ich bewältigte Krankheiten, Arbeitsplatzverlust, Scheidung sowie den Tod meiner Eltern ganz alleine und mit ungeahnten Kräften. Wenn es ganz schlimm wurde, war immer jemand da, der mich hielt, bis ich es selbst wieder konnte. Es ist gut, ich lebe gerne und ich möchte kein anderes Leben haben. Die Trauer gibt mir Ruhe und Kraft, wenn ich sie zulasse. Die Lebensfreude bleibt ja trotzdem und nimmt mich herzhaft in ihre Arme.

Seit ein paar Jahren sorge ich gut für mich und kann darum sogar meine Trauer immer besser annehmen.

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Es wäre schön, wenn es mir bald gelingen würde, geschieden zu sein und mich trotzdem familiär geborgen zu fühlen. Dann bräuchte ich darüber jedenfalls nicht mehr traurig zu sein, denn Familie bleiben wir ja doch immer. Irgendwie.

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17 Gedanken zu “Traurigkeit

    1. Meine Oma sagte immer: Auf Regen folgt Sonnenschein. Ich fand es damals doof, dass auf Sonnenschein auch Regen folgte. Heute sehe ich es anders, heute weiß ich, dass Sonne und Regen zusammen gehören und in guten Momenten einen Regenbogen zaubern können. Lieben Sonntagsgruß! Regine

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  1. Ich glaube, mit Traurigkeit komme ich besser klar, als mit manch anderem Gefühl. Schön ist es, wenn man mal richtig weinen kann. Manchmal drückt man sich davor, aber wenn man es dann fließen läßt, fühlt man sich wieder ganz befreit und das gibt Kraft. Dann geht alles auf Neustart 🙂 Jaja, annehmen, loslassen…schön, daß du das immer besser kannst. Das ist doch toll ! LG, Almuth

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    1. Meine Traurigkeit wird manchmal von „Ersatzgefühlen“ überdeckt. Dann weiß ich oft gar nicht, was eigentlich los ist. Wenn sich dann die Trauer zeigt, ist das sehr entlastend. Weinen ist trotzdem selten…..Almuth, ich danke Dir für Deine lieben Worte und wünsche Dir eine schöne Woche. Regine

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      1. Das stimmt, daß ist ungünstig, wenn man nicht erkennen kann, woher es kommt oder was es ist. – Ja, so viel Heuleritis ist heute nicht mehr, aber wenn es sich so richtig angestaut hat, ist es befreiend. Es ist und bleibt eine Herausforderung, gut und liebevoll damit umzugehen 🙂 Dir auch eine schöne Woche.

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    1. Ja, so ist es. Kinder hören oft: „Du musst nicht traurig sein….“ Leider habe ich das meinen Kindern damals auch manchmal gesagt, weil ich meine Traurigkeit so schlecht aushalten konnte und so wollte ich eben auch nicht, dass meine Kinder traurig sind. Ich wusste es nicht besser. Heute ist alles anders!

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