Ich habe keine Lust, wach zu werden. Ich habe keine Lust, aufzustehen. Ich ziehe mir die Decke über den Kopf. Ich will schlafen. Am liebsten über diesen Tag weg schlafen. Draußen scheint die Sonne, die Vögel sind schon wach und der Wetterbericht sagte einen heißen Tag voraus. Es ist 5.00 Uhr. Wenn ich jetzt schon aufstehe, ist der Tag unendlich lang.

Heute habe ich keine Lust, alleine zu sein. Ich habe auch keine Lust, mich zu verabreden. Ich sehne mich nach meiner Familie. Also, eigentlich sehne ich mich  nach den Zeiten, als die Kinder klein und wir noch zu viert waren. Ich könnte sie jetzt gut gebrauchen, meine Kleinen. Aber die sind jetzt groß. Ich bin keine Kleinkindmutter mehr, ich bin eine Mutter von Erwachsenen. Ich will die Zeit zurückdrehen. Oder wenigstens weiter schlafen. Ich bemitleide mich noch ein wenig selbst. Was soll ich mit einem sonnigen Tag anfangen? So ganz ohne Lust zu gar nichts. Außerdem nerven mich meine Schmerzen heute extrem. Im Schlaf spüre ich sie nicht. Jetzt schon. Och menno…..

Der Schlaf verkrümelt sich. Ich stehe auf, dusche und ziehe mich an. Draußen sammle ich die Schnecken aus den Blumenkästen und gehe auf dem taunassen Rasen spazieren. Immer im Kreis. Alle Nachbarn schlafen noch. Es ist kühl und die Füße freuen sich. Ich freue mich auch, obwohl ich gar keine Lust dazu habe. Solche Tage gibt es, kennt Ihr das? Es geht mir auf die Nerven, dass keiner da ist. Wahrscheinlich ginge es mir auch auf die Nerven, wenn jemand da wäre.

Ich nehme meinen Fotoapparat und steige auf das Fahrrad. Ich radle los und versinke in meinen Gedanken. Manchmal steige ich ab und fotografiere:

Prima, zwei Stunden bin ich unterwegs. Sportlich, sportlich! Lust habe ich immer noch keine, aber tröstlich ist es doch, dass es die anderen nicht stört und die Natur trotzdem so prächtig ist.

Ich esse, lese fast ein ganzes Buch durch und bringe mich brummend durch den lustlosen Tag.

Morgen mache ich weiter. Dann wird mir sicher wieder einfallen, warum das Leben so überaus schön ist und worüber ich mich in Zukunft freuen kann. Vielleicht fahre ich mit einer Freundin an den See und erzähle ihr von meinem lustlosen Sonntag im Juni.

Und jetzt regnet es zum Glück und  gleich gibt es wenigstens einen Tatort. Dann werde ich lustlos vor dem Fernseher abhängen und meine Unlust noch einmal so richtig genießen.

Und Ihr so?

 

34 Gedanken zu “Trübe Zeiten

  1. So Tage kennt wohl jeder…..da hilft nur sich zurück ziehen und Wunden lecken….und den Blick auf das Schöne des Lebens lenken….das hast Du getan…und morgen ist ein neuer Tag…für den wünsche ich Dir Glück, Gelassenheit, Frohsinn und vielleicht sogar die ein oder andere inspirierende Begegnung 😊

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    1. Genau. Das ist der Unterschied zur Depression: Ich weiß, dass trübe Tage sich wieder aufklaren und dass ich nicht ausgeliefert bin. Ich steuere dagegen (fotografieren, radfahren, lesen) und ich lasse sie trüb sein. Meistens weiß ich, was ich in meinem Leben ändern möchte, wenn sie vorbei sind.

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  2. Ich hab auch meine trüben Tage, und nicht zu wenig, aber ich muss so gut es geht funktionieren, ich hätte gerne mehr Tage an denen ich allein bin. Alles gute dir. Noch ein Tipp: wie wäre es mit einem Hund ? Da muss man immer mehrmals am Tag raus und lernt neue Leute kennen. Hundebesitzer.

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    1. Nein, liebe Frieda, einen Hund möchte ich auf gar keinen Fall. Ich habe zwei Hunde und viele Katzen gehabt. Jetzt möchte ich nicht mehr für ein Tier sorgen.
      Mehrmals am Tag gehe ich meistens sowieso raus und Leute kenne ich genug. Das ist nicht das Problem. Ich denke, trübe Tage gehören genau wie die fröhlichen Zeiten zum Leben und jetzt bin ich tatsächlich dankbar dafür, dass ich alleine und Rentnerin bin und eben nicht mehr funktionieren muss. Insofern kann ich Deinen Wunsch sehr gut nachvollziehen. Trotzdem bleibt ab und zu das Sehnen nach meinem früheren Familienleben, nach meinen kleinen Kindern. Natürlich sind diese jetzt erwachsen und selbständig, dass sollten sie auch werden. Dafür bin ich dankbar, auch wenn ich mich ab und zu nach alten Zeiten zurück sehne. Trübe Zeiten sind nicht so schlimm. Meistens leiten sie Veränderungen ein. Ich bin gespannt, was kommt…….Dir auch alles Gute und liebe Grüße! Regine

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    1. Ja, manchmal ist sonntags der Wurm drin. Gestern waren aber auch viele Tiere unterwegs! Die meisten rennen oder fliegen natürlich sofort weg, wenn ich mit dem Fahrrad anhalte. Der Storch allerdings scheint mich zu kennen, der bleibt gelassen…….

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  3. Die Sonntage sind für mich auch immer besonders trübe, meistens….lustlos und langweilig. Aber du hast wundervolle Fotos gemacht, warst dennoch draußen und nicht den ganzen Tag im Bett , prima 🙂 Hoffe der Wochenstart war heute besser für dich, ganz liebe Grüße Michi

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    1. Liebe Michi, jeden Sonntag ist es nicht so bei mir. Zum Glück. Lustig ist, dass ich fast sofort aufstehe, sobald ich es mir erlaube, den ganzen Tag im Bett zu bleiben. Fotografieren erdet mich in solchen Stimmungen immer und besonders schön ist es, wenn so viele Tiere unterwegs sind, die sich mehr oder weniger begeistert knipsen lassen.
      Weißt Du, warum der Sonntag oft so schlimm für Dich ist?
      Ja, ich hatte einen guten Wochenstart und war auch schon wieder unterwegs. Und ich bin zu Entschlüssen gekommen. Ich denke, dafür brauche ich die trüben Tage: um etwas zu verändern.
      Herzliche Grüße! Regine

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      1. Ja ich weiß warum die Sonntage schlimm für mich sind, die waren in der Kindheit schlimm… Ich freue mich zu lesen, das die trüben Tage für dich am Ende doch noch wertvoll sind 🙂 Ganz liebe Grüße Michi

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    1. Ich danke Dir, liebe Agnes. Heute bin ich wieder ganz vergnügt. Ich denke, ich brauche die Tage, in denen ich in Ruhe im Trüben fischen kann. Bis ich wieder klar sehe. Diese Zeiten sind nicht vergleichbar mit einer Depression und darum auch gut zu ertragen. Fotos zu machen sind ein gutes Mittel für mich, die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Ich vermute mal, Du hast eine ähnliche Strategie. Danke für Deine Rückmeldung und sei herzlich gegrüßt! Regine

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  4. Ah, ja. Es gibt so Tage, da ist man lustlos. Das kenne ich, nur die Einsamkeit ist noch nicht so vorhanden, da meine Kinder noch zu Hause sind…
    Und dann ist man am Abend froh, ins Bett zu gehen, im Wissen, morgen kann es ganz anders sein…
    Wunderbare Fotos schenkst Du uns. Danke Dir.
    Sei gedrückt. Priska

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  5. Ja klar, wer kennt solche Tage nicht. Manchmal ist da echt der Wurm drin. Da gehts mir ähnlich wie dir, rausgehen und fotografieren tut schon mal gut, Tiere beobachten noch mehr. Das erdet mich total. Die Bilder sind toll geworden und um die Hoppelhasen beneide ich dich. Zu süß. Als ich deinen Beitrag las, mußte ich an eine Karikatur von Peter Gayman denken (der mit den Hühnern, falls du ihn kennst ?) Ein Huhn steht an einer Bushaltestelle und daneben ein Fuchs, der mit finsteren Blicken auf das Huhn peilt. Darauf das Huhn (mit den Armen in die Hüften gestemmt): „Na na na ! Da kommt aber gerade ne ganz miese Energie rüber !“ Wie es scheint, ist die heute verflogen. Ja, solche Tage brauchen wir hin und wieder, um unseren Kompass auszurichten und festzustellen, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind… Alles Gute dabei 🙂 Liebe Grüße von Almuth

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    1. Ja, ja, die miese Energie……auch die gehört in unser Leben. Ich danke Dir, liebe Almuth, für Deine wunderbare Rückmeldung. Herzliche Grüße an Dich und Deinen Balkon. Der gehört schon ein wenig in mein Leben! Regine

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      1. Das ist aber ein schönes Kompliment 🙂 Danke dir ! Und ich gebe es gerne zurück: du und Misi und alle anderen, ihr gehört schon ein bißchen zur Familie ! Manchmal sieht man das Leben schon aus Froschaugen 🙂 LG, Almuth

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      2. Ja, der Misi……der hat sich absolut verselbständigt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht mit ihm. Im Vertrauen: er gehört meiner Nachbarin und hängt dort über dem Gartentor. Wenn ich daran vorbeikomme, nehme ich mich sehr zusammen, ihn nicht laut und liebevoll zu begrüßen. Im Gedanken tue ich das natürlich und er grüßt immer freundlich zurück!

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      3. Ja, dürfen darf ich schon. Aber ich fürchte um den Außeneindruck: alte Frau begrüßt und streichelt Gipsfigur? Denken da die Nachbarn nicht: die ist ja völlig vereinsamt, die arme Frau. Sie soll sich mal einen Hund anschaffen? Ne, ne, das mache ich lieber heimlich und heimlich ist Misi immer bei mir! Er würde sagen: Küßchen auf die Nase und liebe Grüße an die Pflanze auf dem Balkon.

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      4. Ach wie lieb, dankeschön !!! Liebe Grüße zurück und von mir ein Küßchen für den Frosch, Prinz ist er ja schon, hihi 🙂 – Man darf auch mal auffällen, so oder so 😉 ! Kann dich doch ganz gut verstehen. Ich würde es genauso machen 🙂 Dir einen schönen Tag ! Viele liebe Grüße, Almuth

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    1. Na gut, dann hast Du die Wette gewonnen, wenn auch der Altersunterschied ja nun wirklich kaum ins Gewicht fällt. Ich denke nicht, dass Du die älteste bist. Man müsste mal eine Umfrage starten……..

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      1. Könntest du die Umfrage starten ? Ich Wette, nicht jeder wird antworten. Ab einem gewissen alter sind die Menschen nicht mehr bereit das Alter offenzulegen, ich hab ja damit keine Probleme

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