Heute lese ich……

Der Alltag kehrt ein. Ich habe mehr Zeit zum Lesen. Ich lese zwei Bücher parallel. Tagsüber unten im Wohnzimmer ein anspruchsvolles Buch zum Nachdenken, Überdenken und Lernen. Oben, im Schlafzimmer mein „Bettbuch“. Leichte Kost mit etwas Tiefgang.

Ich lese mit großem Vergnügen im Bett: „Frühling auf Saltön“ von Viveca Lärn, 2006

Ich entdecke beim Lesen immer wieder Neues, über das ich schmunzeln kann, obwohl ich den Roman bereits gut kenne.

Und unten lese ich sehr eifrig:

„Zeit. Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen“ von Rüdiger Safranski, 2015

Ich  freue mich so, dass ich nicht alleine mit meiner Verunsicherung bin. Meine Gefühle kommen mit den technischen Möglichkeiten irgendwie nicht mit, sie sind oft orientierungslos und hinken hinterher. Ich kann mir vielleicht besser erklären, warum ich mich so fühle, wenn ich das vierte Kapitel gelesen habe. Mein Widerwille, alles zu haben und zu machen, was möglich ist, wird von mir nicht mehr in Frage gestellt. Mir geht es gut in meiner „alten Welt“ mit echten Büchern, CDs, DVDs und Festnetzanschluss. Schließlich bin ich über 60 und das ist meine Zeit, in der ich endlich  machen kann, was ich will!

Als ich verrentet wurde, fühlte ich mich aus der Zeit gefallen. Mit dieser Erfahrung ist das Buch für mich hochinteressant, denn jetzt kann ich mein damaliges Empfinden besser erklären. Heute empfinde ich Zeit übrigens  ganz anders als früher, als ich im Familienleben und Beruf eingebunden war. Gerade auf Seite 54 angekommen fasziniert  mich die Fülle der Themen, die ich im Zusammenhang mit „Zeit“ nicht vermutet hätte. Es eröffnen sich mir Seite für Seite neue Denkansätze, die sich erst einmal setzen müssen. Ich lese nicht, ich studiere geradezu. Das macht Spaß!

Inzwischen beteiligt sich bei „Heute lese ich …“ auch:

   (als Erfinderin)
Michaela von Buecherlogie

und Mein Name sei Mama

und Veronika von vrojongliert
und Tarlucy

Misi erholt sich noch nicht

Misi erholt sich noch nicht

Hallo Leute, ich dachte ja immer, wenn ich erstarre, erstarren auch die anderen und halten Winterschlaf. Ich dachte, die ganze Natur erstarrt und sammelt Kraft für den Frühling. Ich dachte, ich versäume nichts.

Dabei tobt die Welt sich weiter aus und wird immer verrückter. Das muss ich erst mal verdauen, verarbeiten und abspeichern. Ich wollte es in Ruhe bei Frau Holle tun. Man kriegt ja oft nicht das, was man will. Ist Euch das schon mal aufgefallen? Ruhe bei Frau Holle war ein frommer Wunsch, denn bei ihr tobten Gestalten durch das Haus. Sie feierten immerzu Advent und Weihnachten. Frau Holle unermüdlich dazwischen. Und dann fing sie plötzlich an zu wischen. Ich durfte auf dem Fußboden keine Stapfen mehr machen, bis die Gäste kamen. Lauter Männer…..endlich wurde es mal lustig und gemütlich. Oh, Frau Holle guckt streng. Frauen sind auch lustig und gemütlich. Ja, weiß ich doch. In der Männergruppe haben sie davon gesprochen.

Dann wurde tagelang gegessen, getrunken und sich über Pakete gefreut. Komisch, erst wurden sie mühsam eingepackt und verziert, um dann in Sekundenschnelle wieder ausgepackt zu werden. Einmal geriet ich unter das Geschenkpapier und wurde fast in die Tonne gestopft. Ich konnte mich gerade noch bemerkbar machen, Frau Holle war ganz erschrocken und trank erst einmal einen Eierlikör.

Gestern ging Frau Holle weg. Flasche und Blumen in der Hand und hübsch sah sie auch aus. „Wo gehst du hin? Darf ich mit?“ Sie sagte: „Nein, mein lieber Misi, Mädelsabend!“ und sie drückte mich, packte mich in mein Terrarium und deckte mich mit meiner neuen Sternendecke gut zu. „Schlaf schön, mein liebster Frosch! Morgen ist nächstes Jahr!“ Verstand ich nicht, schlief aber gleich an. Ich träumte von Katzen und Hühnern, Büchern, Nikoläusen, Meerschweinchen, Büros,  Filmfliegen, Haushaltsplanungen, von Rosalind und Ernst (des Lebens), Katzen, Schnupfen und Yoga und von meinen lieben Gastfamilien.

Plötzlich ein furchtbares Getöse und Geknalle. Ich dachte: „Jetzt fällt die Welt auseinander!“ Nach Hilfe und Frau Holle schreiend hüpfte ich durch das Haus und fand die Gestalten. Sie  standen seelenruhig am Fenster, drückten sich die Nasen platt und riefen: „Prost Neujahr!“  Der Außenwichtel glotzte rein und warf uns lustige Kusshände zu. Mein liebster Engel-Bengel erklärte mir das Feuerwerk und den Lärm und das Getöse. Alle drehten durch und riefen: „Misi, ein gutes neues Jahr!“ Ich wurde geküsst und gedrückt und geschmückt.

img_6439-002

So ganz verstehe ich nicht, was da passiert ist. Frau Holle sagt, es hat mit dem Kalender zu tun. Ne, ne, so was brauche ich nicht. Aber feiern mit Gestalten ist schon prima. Frau Holle ist spät, spät, spät nach Hause gekommen und gleich ins Bett gefallen. Heute sieht sie zerknittert aus. Frau Holle sagt, dass man das nicht sagt. Heute wünscht man sich ein gutes neues Jahr.

Meinetwegen. Ich wünsche Euch ein gutes neues Jahr, liebe Leser und Leserinnen. Vielleicht seht Ihr heute auch alt aus, weil Ihr spät ins Bett gekommen seid. Frau Holle guckt streng. Alt sagt man nicht…..meine Güte!