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Dieser Engel begleitet mich durch das ganze Jahr. Er hängt am Fenster und bei Sonnenschein leuchtet und funkelt er. Heute nicht, heute ist es draußen grau. Der Engel passt gerade gut zu meiner etwas verhaltenen Stimmung.

Ich denke an die Menschen, die mich zur Zeit umgeben und an die, die sich „verabschiedet“ haben oder von denen ich mich trennte, weil es nicht mehr passte. Einige neue sind dazu gekommen, mit denen könnte sich etwas entwickeln. Mein soziales Geflecht ist dünner geworden im Laufe der Jahre. Nichts ist mehr so stabil wie vor einiger Zeit. In diesem Zusammenhang überlege ich, wie ich es dieses Jahr mit der Weihnachtspost halten will. Bei den Menschen, zu denen ich eine echte Beziehung habe, ist es eindeutig. Die kriegen Post von mir oder sogar eine richtige, reale, analoge Begegnung. Einige von den „Neuen“ bekommen auch einen kleinen Gruß, weil ich mich freue, dass ich sie kennengelernt habe.

Aber wie ist es mit denen, die eigentlich schon lange nicht mehr an meinem Leben teilhaben?  Wie ist es mit den Verwandten, die sich zur Weihnachtszeit daran erinnern, dass ich wohl doch noch irgendwie dazu gehöre? Ungute Gefühle melden sich bei mir, wenn ich Weihnachtspost von Menschen bekomme, mit denen ich sonst überhaupt keinen Kontakt mehr habe. Es kommen viele liebe Grüße und gute Wünsche für das neue Jahr ins Haus geflattert, über die ich mich gar nicht so recht freuen kann, weil es irgendwie nicht stimmig ist.

Allerdings schrieb ich bisher im Dezember auch gerne an alle, deren Adresse ich noch hatte. Wenigstens einmal im Jahr wollte ich mich melden, einmal im Jahr wollte ich spüren und mitteilen, dass ich doch noch ein paar Familienmitglieder und alte Freunde nicht ganz vergessen habe. Und ich wollte mich in Erinnerung bringen. Aber warum? Kann ich nur nicht loslassen und muss zur Weihnachtszeit beweisen, wie verbunden ich mich fühle? Knüpfe ich Hoffnungen an die eigentlich unverbindlichen Weihnachtskarten?

In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, damit aufzuhören und genau zu überlegen, wem ich schreiben möchte. Es soll mehr bedeuten als ein oberflächlicher Gruß. Es soll sich gut anfühlen, sonst lasse ich es lieber. Heute gehe ich es an. Mal sehen, wie es mir damit geht.

Wie haltet Ihr es denn mit der Weihnachtspost? Schreibt Ihr noch Briefe zum Anfassen? Freut Ihr Euch genauso über Mail-Grüße oder WhatsApp Nachrichten wie über das, was der Postbote in den Kasten wirft?

Ich weiß: mein ungutes Gefühl will mir etwas mitteilen, ich weiß aber noch nicht so genau, was.

18 Gedanken zu “Frau Holles Adventskalender: 16

  1. Karten sind ein hübsche Sache. Aber lästig für so einen wie mich, der vor lauter Arbeit noch nicht ein Geschenk besorgt hat. Die Welt ist oberflächlich und vor allem schnell geworden. Meine leider auch. Wer mir am Herzen liegt, den werde ich sehen. Der „Rest“ kriegt einen altmodischen Anruf, Whatsapp oder SMS. Oder nichts. Je nach Gewichtung 😉

    Grüße aus dem Tal der Wupper!

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    1. Hallo Reiner aus dem Tal der Wupper, lass Dich nicht unterkriegen von der Arbeit! Die Beschleunigung habe ich aus meinem Leben geschubst, gegen die Oberflächlichkeit kämpfe ich noch an. Darum habe ich WhatsApp auch weitgehend für mich abgeschafft. Ich danke Dir für Deine Rückmeldung und wünsche Dir für die nächste Woche Zeit, Ruhe und eine kleine Portion Vorfreude. Liebe Grüße aus dem Land der Wenden! Regine

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    1. Liebe Michi, nach meiner ersten WhatsApp-Begeisterung habe ich bemerkt, dass meine Kommunikation immer flacher wurde. Das gefiel mir überhaupt nicht und ich habe mich dort „ausgeschaltet“. So habe ich auch Kontakte verloren, aber das ist wohl nicht allzu schlimm. Ich wünsche Dir eine entspannte Zeit! Regine

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      1. Die Gefahr sehe ich auch bei WhatsApp, Gespräche und eine vertraute Stimme hören geht verloren. Dir auch eine schöne und entspannte Zeit 😊

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  2. Mir persönlich geht es so das ich dieses automatiserte nicht mag….etwas zu tun weil „man“ es so macht….etwas zu tun ohne das Hirne / das Herz einzuschalten….

    Und ich denke das man sich dieses Gespür von Wahrhaftigkeit bewahren / erschaffen sollte….dann passieren solche Dinge nicht….man spürt dann genau was von dem anderen, auch zwischen den Zeilen, gesendet wird….genau so wie man seine eigenen Bedürfnisse spürt….und das tust Du offenbar….nur Mut!

    Und ich finde es toll das Du noch analog schreibst, ich selbst bin der Mail-und-was-weiss-ich-nicht-alles-noch Kommunizierer….mag es persönlich auch nicht so sehr wenn da ‚zig Karten rumstehen, wo man nachher nicht weiss was man damit anfangen soll….sammeln….wofür…..wegschmeissen….oh je….all die guten Wünsch in den Müll…..hm….

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  3. Ich habe einen Platz, wo ich alle Karten hinstelle. Sind ja auch nicht so furchtbar viele. Ich habe mehr davon, als von den elektronischen Grüßen, die ich einmal lese und dann verschwinden sie wieder irgendwohin. Das Automatisierte hat immer weniger Platz in meinem Leben, zum Glück.
    Ich danke Dir für Deine Rückmeldung und wünsche Dir ein schönes Wochenende. Mal sehen, was es leckeres bei Dir zu essen gibt….

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  4. Hallo Regine.

    Ich versende gar keine Weihnachtsgrüße. Von einer Freundin erhalte ich regelmäßig ein kleines Geschenk zu Weihnachten, weil ih das Freude macht und mir auch; doch ich verschicke nur Geschenke und Briefe, wenn mir danach ist und nicht zu bestimmten Anlässen.

    Das kann sich durchaus alles ändern… wenn mir danach ist…

    Liebe Grüße,
    Frank

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      1. Tja, da ist nichts mit Mitschwingen bei mir. Immerhin sind die Mäuse da, richtig da und sie werden auch zu Weihnachten da sein.

        Herzlichen Dank für Deine Grüße, liebe Regine.

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  5. Ich schreibe noch Weihnachtskarten. Mit Füllfeder sogar. Aber es werden weniger, weil ich nur denen schreibe, die das zu schätzen wissen und die mir wichtig sind. Über WhatsApp schicke ich nichts, dieses Medium dient am ehesten der raschen Terminvereinbarung mit Mann und Kindern. Und manchmal mag ich ganz überraschend Post verschicken, an Menschen, die gar nicht damit rechnen.
    Ich merke immer wieder, dass mir manche Beziehung wichtiger ist als dem jeweils anderen.
    Schreiben finde ich deshalb gut, weil es die Geschwindigkeit herausnimmt. Man webt doch auch eigene Gedanken zwischen die Zeilen.
    Liebe Grüße, Veronika

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  6. Hallo Veronika, ich mache und sehe das genau so wie Du. Ich komme jetzt ganz gut zurecht mit der Erkenntnis, dass mir manche Beziehungen wichtiger sind als dem jeweils anderen. Das war früher nicht so. Ich war dann oft gekränkt. Ich denke, das ist genau das, was sich in diesem Jahr geändert hat und mir bewusst geworden ist. Ich schreibe nur noch denen, die mir wichtig sind. Egal, ob die sich bei mir melden oder nicht. Liebe Grüße! Regine

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    1. Das Gefühl der Kränkung kenne ich gut. Ich bin noch auf dem Weg, dass ich damit besser zurecht komme. Aber es wird besser. Und ich versuche immer öfter, dass ich denjenigen sage, dass sie mir wichtig sind. Auch wenn das manchmal Irritationen hervorruft. Es wird immer unwichtiger, wie ich in den Augen der Mitmenschen dastehe. Worauf soll ich warten? Also warum nicht sagen, wenn man jemanden mag?
      Auch dir liebe Grüße, Veronika

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  7. Ich freue mich immer so sehr über persönliche Post aus dem bzw. im Briefkasten. Ich mache das auch immer mal so im Jahr, wenn ich eine schöne Karte sehe, denke ich, die paßt zu der oder dem und dann bekommt die Person eben mal Post. Ist doch schön, sowas. Gerade zu Weihnachten schaffe ich es leider oft nicht, aber schöner finde ich es schon. Zu Geburtstag bekomme ich auch gerade noch von 2 oder 3 tapferen Schreibern Post. Ich finde es schade, daß es vielen nicht mehr so wichtig ist. – Deine Überlegung ist gut und richtig. Warum Leuten schreiben, mit denen man nichts mehr verbindet. Noch mal in sich reinhören….ich unterliege da auch manchmal diesem Automatismus oder diesem, sollte ich nicht…aber warum eigentlich ? Wenns stimmt, dann immer gerne 🙂

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