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Ich bin der Engel-Bengel und sorge dafür, dass Leben in die Bude kommt. Nichts nervt mehr, als eine ruhige, stille, stressfreie und völlig überzuckerte Vorweihnachtszeit. Nicht auszuhalten, dieser Kitsch. Für den Weihnachtsspaß hier im Haus bin ich zuständig.

Lustig ist es jedes Jahr, die Kabel der elektrischen Kerzen zu verknoten. Ich könnte mich schlapp lachen. Geschenkpapier so zu präparieren, dass es beim Einpacken einreißt und unansehnlich wird, dafür bin ich zuständig. Tesa Film geht aus, wenn alle Läden zu sind. Ich könnte mich beömmeln, wenn Frau Holle nie Reserven hat (weil ich sie verstecke!) und sich immer wieder die Finger verbiegt, um Schleifen um die Geschenke zu binden.

Schade, dass Misi unterwegs ist, wir könnten uns zusammen die witzigsten Streiche ausdenken. Aber ich öffne nachts die Fenster für die Weihnachtswichtel, die so gerne kleine Dinge durcheinander bringen. Und den Korkenzieher verstecken.

Was auch immer super kommt, ist Frau Holles Blick für ihre Lieblingssüßigkeiten im Supermarkt zu trüben. Sie geht daran vorbei und denkt, es sei schon alles ausverkauft. Auch gut, denkt sie weiter, so esse ich nicht so viel ungesundes Zeugs und kaufe mir lieber Gemüse. Ich lege ihr dann immer einen großen Haufen Kekse und Stollen und Marzipan in den Einkaufswagen. Sie will das nicht, sie darf das nicht, aber an der Kasse ist es zu spät! Böse knuspert Frau Holle zu Hause alles weg, denn wenn es schon mal da ist, soll es nicht umsonst hergestellt worden sein.

Am liebsten aber schicke ich Frau Holle jeden Abend in den Keller zur Keksdose mit dem Selbstgebackenen. Mehrmals. Sie denkt, sie nascht nicht, wenn sie die Dose dort versteckt. Ich rede so lange auf sie ein, bis sie sich seufzend vom Sofa erhebt, die Treppe herunterklettert, die Keksdose öffnet und sich ein paar von diesen leckeren Dingern mit nach oben nimmt.

Frau Holle sagt gerade, ich soll Marinsche schön grüßen, sie wüsste schon, warum!

Gestern schrie sie auf, also Frau Holle, nicht es Marinsche, als sie auf die Waage stieg! Weihnachtsspeck! Mein Werk!

Und jedes Jahr sucht sie ihr Geld und wundert sich, wieviel sie schon ausgegeben hat. Dabei verwinden die Scheine nur auf dem Dachboden. Die Erben werden sich freuen. Lustig ist es auch, wenn ich mit Spucke  Sterne auf die sauberen Fenster male. Verlängerungskabel schaffe ich jedes Jahr aus dem Haus: prima, wenn die Familie zusammensitzt und das Raclette beginnen soll und nicht stattfinden kann, weil die Verlängerung fehlt.

Wir haben viel Spaß! Die anderen trauen sich nicht, was ich mich traue. Engel sollen brav sein, Halleluja singen und das Christkind ankündigen. LANGWEILIG! Insgeheim aber amüsieren sie sich und manchmal flüstern sie mir sogar schlimme Taten ein. Unschuldig sehen sie sich den Schlamassel an und finden, dass es in diesem Jahr mal wieder ganz besonders hoch her geht bei Frau Holle und uns.

Frau Holle guckt zwar streng, murmelt aber: „Na, das gehört eben auch dazu!“ Ich glaube, sie mag mich ganz gern. Leider muss ich in diesem Jahr aber auf dem Tisch stehen, da hat sie mich besser im Blick, denkt sie.

Schickt Eurem Engel-Bengel, wenn Ihr auch einen habt, ein paar liebe Gedanken!

Wir wissen: Nur brav geht einfach nicht. Kekse im Keller schmecken noch mal so gut. Bengel wollen auch geliebt werden. Streiche lockern die Stimmung auf und Raclette wird gerne überschätzt.

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2 Gedanken zu “Frau Holles Adventskalender: 4

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