Entscheidungen richten sich nicht nach Möglichkeiten, Möglichkeiten werden durch Entscheidungen geschaffen.

Täglich treffe ich unzählige Entscheidungen, oft automatisch und ohne es zu bemerken. Ich brauche nicht ständig mit mir über alles zu diskutieren. Werde ich wach oder schlafe ich weiter? Nehme ich das Auto oder das Rad? Was ziehe ich an? Welche Aufgaben erledige ich heute? Worüber freue ich mich? Will ich mich gerade ärgern? Was esse ich und will ich mir keine Süßigkeiten kaufen? Will ich mich ans Puzzle setzen oder lieber lesen oder soll ich doch noch die Fenster putzen? Ihr kennt das.

Wenn Verstand und Gefühl sich einig sind, ist es leicht und ich entscheide mich für den richtigen Weg. Das Leben macht Spaß.

Manchmal sagt mein Bauch das eine und mein Verstand blockiert. Oder umgekehrt. Dann wird es schwierig, dann trete ich auf der Stelle. Dann komme ich zu nichts. Das Selbstbewusstsein wird schwach, weil es nicht weiß, welchen Weg es einschlagen soll.

Nur ein Beispiel von vielen: Ich habe eine Idee, was ich Silvester mit mir anfangen will. „Oh ja!“ ruft mein Inneres Kind und will sich vor freuen.

Sofort blockiere ich mich mit Gegenargumenten. Die Sorge ist besonders gut darin: „Bleib doch lieber in Sicherheit und zu Hause. Der Weg ist zu weit. Es ist alles so ungewiss. Kriege ich den Bahnanschluss? Wird es kalt sein? Wird das Warten auf dem Bahnsteig beschwerlich?“  Der Innere Zweifler reckt sich und fordert: „Bloß nicht festlegen! Vielleicht macht es keinen Spaß, vielleicht findet sich noch etwas Besseres“

Und so weiter. Jedes Jahr ergeht es mir so. Auch jetzt stecke ich gerade wieder fest.

Dabei weiß ich, sobald ich eine Entscheidung getroffen habe, wird es mir gut gehen. Neue Kräfte werden frei. Wenn ich mich sofort entscheide, werden sich Möglichkeiten zeigen, von denen ich jetzt noch nichts weiß. Ich brauche mir über Alternativen keine Gedanken mehr zu machen. Ich kann loslegen, mir eine günstige Fahrkarte besorgen und mich auf die Reise freuen.

Wenn ich mich entscheide, mich nicht zu entscheiden, bleiben alle Möglichkeiten unentdeckt. Ich befinde mich im Niemandsland und blockiere mich mit Problemen, die es eigentlich gar nicht gibt. Ich drehe mich im Kreis, bis dem Inneren Kind schwindlig wird und sagt: „Hoffentlich ist Silvester bald vorbei!“

Ich fordere das Selbstbewusstsein auf, Ordnung zu schaffen und eine Entscheidung zu treffen. Es schüttelt sich und zaudert.

In jedem Leben gibt es nicht nur die kleinen und kleinsten Entscheidungen, sondern auch jene, die das bisherige Leben auf den Kopf stellen. Die Grundlegendes ändern. Die einen neuen Weg vorgeben. Manchmal habe ich gar nicht gewusst, wie wichtig eine betreffende Entscheidung für mich war.

Ein Beispiel: Als ich mich nach einer großen Reise  beim Arbeitsamt meldete und am liebsten einen Job in Afrika haben wollte, rief der Mitarbeiter mich einen Tag später an und sagte: „In Afrika habe ich nichts, aber nach Föhr könnte ich Sie vermitteln!“ So kam ich auf die Insel. Hier gründete ich ein paar Jahre später meine Familie.

Nun ist wahrscheinlich mein Entschluss, zum Arbeitsamt zu gehen der Punkt gewesen, an dem ich die erste Weiche, die zu meinen weltbesten Söhnen führte, aktiv gestellt habe. Das konnte ich damals natürlich nicht wissen. Gefühl und Verstand trafen die Entscheidung und schafften mir die Möglichkeiten, die ich dann hatte. Vielleicht war aber auch der Punkt für die erste Weichenstellung meine eigene Geburt, aber soweit zurück möchte ich gar nicht gehen!

Natürlich hätte ich ganz viele andere Möglichkeiten gehabt, wenn ich nicht zum Arbeitsamt gegangen wäre oder der Mitarbeiter sich nicht an mich erinnert hätte. Was habe ich alles verpasst? Nein, diese Fragen lasse ich ziehen. Die sind sinnlos. Ich bin diesen Weg gegangen. Punkt

Es gab einige Entscheidungen in meinem Leben, die ich treffen musste, die mich an meine Grenzen brachten. Ich wusste, es gab kein Zurück und kein „weiter so“. Ich musste Veränderungen zulassen. Ich wollte die Tatsache nicht wahrhaben. Ich wollte mich nicht entscheiden. Je länger ich sie vor mir her schob, um so schlechter ging es mir. Die Angst vor dem Neuen verhinderte Entscheidungen, die letztendlich doch getroffen werden mussten. Dann war es manchmal fast zu spät….

Ein langer Lernprozess, der immer noch nicht abgeschlossen ist, wie man am Silvester-Beispiel sieht: Ich bin immer noch in der Lehre….

 

 

26 Gedanken zu “Nach rechts? Oder links? Oder nach oben? Oder bleiben?

  1. Das kommt mir alles so bekannt vor!
    Mir geht/ging es ähnlich in meinem bisherigen Leben.
    Meine Entscheidungen sind fast nie spontan.
    Ich bewundere Menschen die das können.
    Hab noch einen schönen Tag.
    Alles Liebe, Elke

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    1. Genau! Dieses „sich selbst im Weg stehen“ muss irgendwoher kommen und ich erkenne es neuerdings als einen Teil von mir an. Ich nehme es mir nicht mehr übel. Manchmal schmunzel ich auch über mich. Ich kann dann entscheiden, ob ich weiter blockieren will oder nicht. So bin ich ein ganzes Stückchen weiter gekommen…..

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      1. Früher war mein Bauchgefühl legendär. Irgendwo in den letzten 10 Jahren erst, hat es gelitten und ich hinterfrage mich deutlich. Das von vor 10 Jahren hätte ich gern zurück …

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  2. ….und dieser Lernprozess wird wohl nie enden… 😉 ….letztendlich geht es doch darum die goldene Mitte zu finden…denn beides hat seine Berechtigung….das zaudernde ebenso wie das voranpreschende….

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      1. Letztendlich entscheidet auch das Universum „Dein Wille geschehe „….und Kopf, Bauch und Selbstbewusstsein kommen sich soooo cool vor…oftmals gegen meinen Willen…was sich dann letztendlich als gut erweist…

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  3. Veränderungen zuzulassen ist wirklich eine ziemlich schwierige Angelegenheit. Mir geht es so: Je älter ich werde, desto leichter fallen mir einige Entscheidungen, während mir andere viel schwerer fallen.
    Liebe Grüße! 😊

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  4. Ach ja, kommt mir nur allzu bekannt vor !! Auch das mit an die Grenzen kommen usw. usf…ich könnt jetzt Romane schreiben. Zu Silvester: (das Thema kenn ich auch) kannst du nicht vielleicht irgendwo übernachten, so daß du nicht mehr mit dem Zug zurück mußt ? Vielleicht gibts Möglickeiten, die dir die Entscheidung leichter machen. Oder: einfach (haha) mal spontan sein (noch mehr haha), Fahrkarte kaufen und abwarten, was sich auftut….könnt ich jetzt nicht, aber so Vorschläge raushauen schon eher 😉 Viel Glück mit den weiteren Entscheidungen. Wir üben weiter….

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    1. Ich denke sowieso an eine Kurzreise. Meine Dilemma ist aber, dass ich mich nicht entscheiden kann oder will, wie ich Silvester verbringe. So richtig feiern (gibt es das noch?) oder lieber ruhig? Wieder in meiner netten Frauenrunde mit essen und spielen oder auch einmal so ganz anders? Mit Aufwand oder so bequem wie möglich? Spontan habe ich die letzten Jahre bis zum Anschlag gewartet, was sich ergibt. Das will ich dieses Jahr mal anders machen, ich muss nur noch entscheiden, wie (haha)……

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      1. So ging es mir dieses Jahr mit meinem Geburtstag…boh ey. Wie kann man manchmal nur so zerrissen sein ?!! Und Sylvester ist auch so ein Datum. Da bin ich manchmal froh, wenn mir die Entscheidung abgenommen wird 🙂 Vielleicht sollte man doch dem ersten, spontanen Gedanken folgen…der ist meist der richtige 🙂 Welcher wars denn gleich ??

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      2. Es ist ja auch noch so lange hin. Ich weiß jetzt noch nicht, wozu ich Silvester Lust haben werde. Das ist wohl mein Grundproblem….Ist aber alles nicht so tragisch. War ja nur ein Beispiel, das der Anschauung dienen sollte. Liebe Grüße von Herzen! Regine

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      3. Ja, aber es gibt viele solcher Situationen und ich habe mich in deinem Beispiel zufällig wiedererkannt 🙂 Bei mir ists wohl eher mein eigener Streß, weil ich mich einfach nicht entscheiden kann / konnte. Jedenfalls dieses Jahr. Das war echt blöd. Naja, neues Jahr, neues Glück 🙂 Man kann sich auch jetzt entscheiden und die Entscheidung dann wieder über den Haufen werfen, haha !! Herzliche Grüße zurück 🙂

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  5. Ich lese gerade ein Buch über Intuition. Wenn man wieder seine Intuition entdeckt und trainiert, also mehr auf Bauchgefühl achten, fallen Entscheidungen leichter, so sagt das Buch. Titel: Kopf aus, Bauch an? von Anne Heintze. Vielleicht ist das ja was für dich, liebe Grüße Michi

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