Heute lese ich……

Heute lese ich……

Mir fällt gerade auf, dass meine Bücher-Neuanschaffungen nur aus Mord und Totschlag und Endzeit bestehen. Das ist nicht schön. Zwischendurch werde ich wohl mal zu Astrid Lindgren oder Michael Ende greifen müssen, um mich von den wirklich üblen Gesellen zu erholen. Und zum Glück erscheint ganz bald ein sehr schönes Sachbuch, welches ich dann tagsüber lesen werde. Parallel zu meinen Einschlafbüchern…….

Aber bis dahin lese ich mit großem Vergnügen „Die Schande der Lebenden“ von Mark Billingham, 2016.

Ein renommierter Chirurg, eine attraktive Grenzgängerin, ein unberechenbarer Stricher, eine junge Kassiererin und eine verbitterte reiche Dame: Fünf Menschen, die unterschiedlicher kaum sein können, bilden einen Kreis. Sie alle sind Süchtige, die sich auf der Suche nach Hilfe zufällig begegnet sind. Jeden Montag treffen sie sich im selben Haus, um in der Gruppe Halt zu finden. In ihrer Mitte sitzt der Therapeut Tony De Silva, der selbst eine Vergangenheit hat. Ihm vertrauen die fünf ihre dunkelsten Geheimnisse an. Dabei gibt es eine eherne Regel: Nichts von dem, was zwischen ihnen besprochen wird, darf jemals nach außen dringen. Selbst als ein Gruppenmitglied ermordet wird, halten die Überlebenden an dieser Übereinkunft fest- während die Ahnung wächst, dass einer von ihnen ein Mörder ist.

Der Roman springt ständig zwischen zwei  Zeitebenen (vor dem Mord und während der Aufklärung des Falls) und den Blickwinkeln der Protagonisten hin und her. Ziemlich lange wusste ich nicht, wer denn nun eigentlich ermordet wurde. So einen Krimi habe ich noch nie gelesen! Spannung auf mehreren Ebenen. Überhaupt kann ich das Buch kaum aus der Hand legen. Die Personen werden von Seite zu Seite immer differenzierter und lebendiger. Der Unterschied vom Schein zum Sein wird immer deutlicher. Noch habe ich keine Ahnung, warum dieser Mord geschah, aber bis jetzt scheint jeder und jede in Frage zu kommen.

Mein neues Puzzle fange ich nicht an, bevor ich das Buch zu Ende gelesen habe!

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Sonderbar!

Sonderbar!

An diesem Puzzle kam ich heute nicht vorbei. Was ist denn nun los? Ich habe seit Jahrzehnten nicht mehr gepuzzelt. Ich hatte auch bis eben nicht die Idee, es zu tun. Und nun kaufe ich es mir mal eben so. Ich konnte es einfach nicht liegen lassen, es ist mir in den Einkaufswagen gesprungen und wollte unbedingt mit.

Und nun?

Nun werde ich vielleicht abends den Fernseher mal auslassen und mir eine schöne CD einlegen und mich mit dem Puzzle entspannen. Und die nächste schlaflose Nacht…..und wenn ich mal durchhänge……und wenn ich mal nicht mehr lesen möchte…..und überhaupt….

Habe ich sonst nichts zu tun? Manchmal denke ich, ich werde etwas sonderbar. Ein Puzzle?! Also ehrlich!

K.W. in der Provinz

K.W. in der Provinz

Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt nach 24 Uhr nach Hause kam. Gestern war es endlich mal wieder so weit. Konstantin Wecker reiste mit seiner Band in die Provinz und zeigte uns alten, mehrheitlich grauhaarigen Landeiern seine große Revolutions-Tour 2016.

Revolution! Konstantin Wecker machte aus einem Lied ein Programm. Mit den Liedern „Ich habe einen Traum“, „Fast ein Held“, „Der Krieg“ und „Heiliger Tanz“ seiner aktuellen CD „Ohne Warum“ sowie mit älteren Titeln forderte der Münchner Liedermacher uns Oldies auf, noch stärker mit dem Herzen zu denken.  Konstantin setzte sich für eine eine Welt ohne Waffen und Grenzen ein. Ohne Wenn und Aber.  Ein Traum? Warum nicht! Mut zum längst fällig Umdenken? Warum nicht? Konstantin Wecker: „Wir brauchen dringend eine linke Revolution, damit kein rechter Putsch passiert.“ Unter anderem sind seine Lieder „Anarchie“, „Wenn unser Brüder kommen“, „Ich singe, weil ich ein Lied hab“ oder „Frieden im Land“, über drei Jahrzehnte alt und dennoch so aktuell und notwendig wie noch nie zuvor: „Poesie und Musik können vielleicht die Welt nicht verändern, aber sie können denen Mut machen, die sie verändern wollen.“Quelle:  http://www.verdo-hitzacker.de/programm/details/126-revolution-konstantin-wecker/

Begleitet wurde Wecker von dem Pianisten Jo Barnikel, den Multiinstrumentalisten Wolfgang Gleixner und Jens Fischer, der Cellistin Fany Kammerlander sowie Manuel Lopez an der Gitarre. Eine hervorragende Band, die insbesondere in den Zugaben ihr Können bewies und uns zum Tanzen brachte. Na ja, viele blieben sitzen, aber auf dem Stuhl kann man auch feiern!

Das Außen hatte vollen Zutritt zu meinem Innen. Meine Gefühle waren hellwach. Trauer, Nachdenklichkeit, Lust, Freude, Dankbarkeit und Rührung wechselten sich ab. Ich dachte:“ Ja, er hat recht. Ich sollte mich stellen und Position beziehen. Vielleicht muss ich doch vieles nicht mit resignierter Zurückhaltung hinnehmen. Vielleicht sollte ich lautstärker Nein sagen, etwas tun….“ Ich dachte daran, dass ein nächster Krieg in Europa nicht ausgeschlossen ist. Und wie viel Glück ich bisher hatte in meinem Leben.

Als Konstantin Wecker von seinen Kinder sprach und sang, konnte ich mir ein paar Tränen nicht verkneifen und meine Gedanken waren eine Weile bei meinen weltbesten Söhnen.

Wir alle erinnerten uns wohl an unsere Jugendjahre. Wir feierten Konstantin und unser altes Lebensgefühl. Wir sangen einige Lieder mit und zum Abschluss gab es sogar ein kleines, moderates Gruppenkuscheln. Zum Glück saß ich zwischen zwei lieb gewonnen Frauen, die ich schon lange kannte und nur zu gerne in den Arm nahm.

Über eine Stunde lang verzichteten die Musiker auf ihren Feierabend und die Zugaben steigerten sich von Stück zu Stück. Die Musik und ich wurden für eine kurze Zeit eins. Kann man das so sagen? Ja, so habe ich es empfunden, also kann ich es so wiedergeben. Wecker nahm häufig Kontakt zu uns Zuschauern auf. Ich fühlte mich angenommen in seiner Welt und ich glaube, er hatte sein Herz weit geöffnet. Er wirkte so authentisch und überzeugt von seinen Texten, wie ich es selten erlebt habe. Ich stimme nicht allen seinen Aussagen zu, aber es war schon toll, wieder einmal auf so angenehme Art und Weise und mit dieser wunderbar klaren Stimme aufgerüttelt zu werden.

Ich komme ja richtig ins Schwärmen! Das Konzert wirkt noch heute nach und ich bin so froh, dass ich mich aufgemacht habe, obwohl ich es hasse, im Dunkeln mit dem Auto zu fahren. Wer was erleben will, muss manchmal vorher leiden und außerdem habe ich die Karte zum Geburtstag geschenkt bekommen. Danke, Du liebe Freundin!

Und nächsten Freitag geht es weiter: „Echoes performing The Music of Pink Floyd“. Und da sage noch einmal einer, in der Provinz sei nichts los!

Nachtrag am 17.10.16: Das Konzert wurde leider abgesagt, weil zu wenig Karten verkauft wurden. Das kann nur in der Provinz passieren, oder?

 

Misi verdrückt sich

Misi verdrückt sich

Hallo Leute! Angezogen wie die anderen fühlte ich mich unter den Qi-Gong-Mädels schon viel wohler. Das Bändchen half und so konnte ich schneller das richtige Rechts und das richtige Links finden. Wir lernten „Die Stille im Fischteich finden“, „Den Regenwurm auf die Beine stellen“ und „Störche fliegen nach Süden“. Alles prima. Ich hatte vor, die Übungen mit dem Flirten zu verbinden. „Misi, konzentriere dich!“ rief die Trainerin, als ich vor lauter Wimpern-Klimpern mal wieder den Halt verlor.

Während die Störche nach Süden flogen, tänzelte ich die süße Kleine an und flüsterte:“Treffen wir uns nachher auch im Süden, du Schönste aller Schönen?“ Sie strahlte mich an. Und wir trafen uns unten am Fluss. Wir hüpften verliebt umher, fingen und verspeisten ein paar fette Fliegen, spielten Schwimm-Fangen im Wasser mit Abendrot und zum Abschied küssen wir uns. Hui!!! Sie bewunderte mein Krönchen und ich ihre Schenkel. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag in meinem Gartenteich.

Gestern war es so weit. Leider bestand Olaf darauf, seine doofe Krone wieder zu bekommen. Mein Argument, ich hätte sie gefunden und wieder holen sei gestohlen, erkannte er nicht an. Er rief nach Frau Holle und petzte und die guckte streng. Na gut, wer braucht schon eine Krone, wenn Frieda Amalie Annekathrin gleich kommt.

Ja, sie kam. Und brachte ihre Mutter mit. Und ihre vielen Schwestern und Brüder, die noch mit ihr bei Muttern lebten. Ich bin ja eher ein Einzelfrosch. Der Anmarsch der Verwandtschaft überforderte mich. Frieda Amalie Annekathrin sagte:“Ach Misi, guck nicht so. Mutti wollte dich doch unbedingt kennenlernen und meine Schwestern und Brüder sind ganz wild darauf, zu sehen, wo ich bald bleibe. Sie helfen uns dann beim Einrichten. Und wo ist überhaupt deine Krone?“ Ich glotzte stumm. Olaf und seine Liebste verschwanden gerade um die Ecke und kugelten sich. Vor Lachen. Frau Holle schüttelte den Kopf und buddelte weiter ihre Blumenzwiebeln ein.

Die Schwestern und Brüder fraßen meine Vorräte. Die Mutter suchte das Kinderzimmer. „Groß genug muss es schon sein!“ murmelte sie vor sich hin. Und mir wurde schlecht. Frieda Amalie Annekathrin schmiegte sich an mich. „Ich liebe Deine Stulpen. Dein Bändchen macht mich ganz wuschig. Bindest Du mir auch eins an?“ Ich flüsterte heiser:“Ach herrjemine, ich habe Frau Holle versprochen, ihr zu helfen! Ich muss mich leider schnell verabschieden. War nett, Euch kennengelernt zu haben.“  und schlich mich davon, in Windeseile. Und grub mich im Blumenzwiebelberg ein.

Leute, was mache ich jetzt? Ich wollte doch nur mal ein wenig mit der Kleinen Übungen üben. Und sie macht gleich einen auf Familienplanung? Warum sind die Weiber so? Man klimpert mit den Wimpern und sie bringen gleich ihre Mütter mit? Wisst Ihr, dass Froschweibchen über 1000 Eier legen, manchmal? Heute Nacht träumte ich von 899 Kaulquappen, die im Chor“Papa, wir haben dich lieb!“ quakten.

Gestern war es so

Gestern war es so

Wenn ich mich aufmache und ins Grau hinausgehe und mich auf das Fahrrad setze und losfahre, ist das mein Sport. Manchmal komme  ich überhaupt nicht vorwärts, weil ich immer wieder absteigen und fotografieren muss.

Schöner werden die Fotos bei Sonnenschein, aber gestern war es eben so:

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Und diese sind nichts geworden, aber doch irgendwie lustig.

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Der Landkreis

Der Landkreis

Wenn ich sage, ich wohne in Lüchow-Dannenberg, blicke ich meist in fragende Gesichter. Dann brauche ich nur Gorleben zu erwähnen und alle wissen Bescheid.

Aber natürlich ist Lüchow-Dannenberg viel mehr als Gorleben. Die Band „Madsen“ ist zum Beispiel hier aufgewachsen und Marunde lebt auch in der Gegend. Ich bin erst vor 27 Jahren zugezogen, also noch lange keine echte Wendländerin. Trotzdem fühle ich mich ganz gut integriert, wenn es heißt: Da leben wir Wendländer…….

Braver Junge

Braver Junge

Es kommt vor, dass ein  Mensch seine Gefühle nicht kennt oder mag. Dann müssen sich die Ungeliebten klein machen, zurückhalten oder verstecken. Das Herz lässt immer weniger Emotionen rein oder raus. Der Fluss wird zum Rinnsal. Das Herz wird hart. Der Verstand übernimmt die Kontrolle und das Selbstbewusstsein ist nicht mehr frei.

Er hat das so gemacht: brave Jungs halten sich an die Regeln und tun, was von ihnen erwartet wird. Sie sehnen sich nach Liebe. Sie wollen wie der Vater sein. Sie arbeiten hart, um richtige Männer zu werden. Sie grenzen sich von der Mutter ab, denn diese ist eine Frau.

Er lernte: er wird  ausgelacht, vielleicht als Mädchen verhöhnt, vielleicht sogar verprügelt, wenn er nicht gut genug auf sich aufpasst. Ein Junge sortiert seine Gefühle. Weibliche Gefühle haben in der männlichen Welt nichts zu suchen und werden im Herzen eingeschlossen. Ein Junge soll stark, mutig und tapfer sein. So müssen die Liebe, die Angst, die Trauer und alles mädchenhafte unter Kontrolle gebracht werden.

Die Wut darf wachsen, die Liebe versteckt sich und schickt die Angst. Selbstbewusstsein hat viel damit zu tun, diese zu verbergen. Sie darf sich nicht zeigen. Sie wächst, muss dabei aber unsichtbar bleiben. Manchmal zieht sich die Angst ein anderen Gewand an und verkleidet sich als Zorn, Zynismus, Feindschaft und Gewalt.

Als Mann wurde er das Oberhaupt der Familie. Er trug die ganze Last der Verantwortung. Er verehrte seine Frau. Die Liebe blieb klein aber die Fürsorge wuchs. Er war stark, mutig und tapfer. Er grenzte sich von seiner Liebsten ab und baute dicke Mauern, denn ihre Gefühlswelt und seine durften sich nicht vermischen. Dann wäre Selbstbewusstsein nicht mehr in der Lage, das Herz verschlossen zu halten. Er schärfte seinen Verstand und überhörte sein Herz. Manchmal tat es ihm weh. Er brauchte alle seine Kraft, die Fassade in Ordnung zu halten. Spiegel wurden trüb und den  Träumen fiel es immer schwerer, aufzuräumen. Sein Haus wurde zur Festung, die Zugbrücke nur noch selten heruntergelassen und die Türen meist verschlossen gehalten.

Er strengte sich an. Er riss sich zusammen, bis alle Gelenke schmerzten. Er machte Karriere. Er verdiente viel Geld, baute ein Haus und wurde ein guter Vater. Die Kinder machten es ihm unmöglich, seine Gefühle verschlossen zu halten. Sie  brachen hervor, das Glück und die Trauer, die Liebe und die Angst. Das wollte er nicht, Selbstbewusstsein mühte sich, sie wieder zu kontrollieren. Die Liebe aber wuchs und machte ihm das Leben schwer.

Das Herz wurde krank. Die Fassade bekam Risse. Nichts ging mehr, Wut und Gewalt brachen aus, die Angst holte alle ihre Attacken und besetzte das Haus. Selbstbewusstsein zog sich zurück. Es brauchte Zeit und Ruhe, um sich zu erholen und wieder zu wachsen. Es entsorgte unbrauchbare Glaubenssätze und befreite die wahre Männlichkeit. Es schloss das Herz auf. Das Rinnsal wurde wieder zum Fluss, die ungeliebten Gefühle reckten und streckten sich. Sie hatten Sehnsucht nach Licht und Sonne. Sein  Inneres Kind begann zu tanzen und zu lachen. Die Träume putzten die Spiegel und öffneten die Fensterläden.

Das Tor wurde geöffnet, die Zugbrücke heruntergelassen. Das Selbstbewusstsein paßte gut auf ihn auf. Es ließ Nähe zu und sorgte für die nötige Distanz.

Er erkannte und umarmte seine Frau und wurde ihr Mann.