Misi verdrückt sich

Misi verdrückt sich

Hallo Leute! Angezogen wie die anderen fühlte ich mich unter den Qi-Gong-Mädels schon viel wohler. Das Bändchen half und so konnte ich schneller das richtige Rechts und das richtige Links finden. Wir lernten „Die Stille im Fischteich finden“, „Den Regenwurm auf die Beine stellen“ und „Störche fliegen nach Süden“. Alles prima. Ich hatte vor, die Übungen mit dem Flirten zu verbinden. „Misi, konzentriere dich!“ rief die Trainerin, als ich vor lauter Wimpern-Klimpern mal wieder den Halt verlor.

Während die Störche nach Süden flogen, tänzelte ich die süße Kleine an und flüsterte:“Treffen wir uns nachher auch im Süden, du Schönste aller Schönen?“ Sie strahlte mich an. Und wir trafen uns unten am Fluss. Wir hüpften verliebt umher, fingen und verspeisten ein paar fette Fliegen, spielten Schwimm-Fangen im Wasser mit Abendrot und zum Abschied küssen wir uns. Hui!!! Sie bewunderte mein Krönchen und ich ihre Schenkel. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag in meinem Gartenteich.

Gestern war es so weit. Leider bestand Olaf darauf, seine doofe Krone wieder zu bekommen. Mein Argument, ich hätte sie gefunden und wieder holen sei gestohlen, erkannte er nicht an. Er rief nach Frau Holle und petzte und die guckte streng. Na gut, wer braucht schon eine Krone, wenn Frieda Amalie Annekathrin gleich kommt.

Ja, sie kam. Und brachte ihre Mutter mit. Und ihre vielen Schwestern und Brüder, die noch mit ihr bei Muttern lebten. Ich bin ja eher ein Einzelfrosch. Der Anmarsch der Verwandtschaft überforderte mich. Frieda Amalie Annekathrin sagte:“Ach Misi, guck nicht so. Mutti wollte dich doch unbedingt kennenlernen und meine Schwestern und Brüder sind ganz wild darauf, zu sehen, wo ich bald bleibe. Sie helfen uns dann beim Einrichten. Und wo ist überhaupt deine Krone?“ Ich glotzte stumm. Olaf und seine Liebste verschwanden gerade um die Ecke und kugelten sich. Vor Lachen. Frau Holle schüttelte den Kopf und buddelte weiter ihre Blumenzwiebeln ein.

Die Schwestern und Brüder fraßen meine Vorräte. Die Mutter suchte das Kinderzimmer. „Groß genug muss es schon sein!“ murmelte sie vor sich hin. Und mir wurde schlecht. Frieda Amalie Annekathrin schmiegte sich an mich. „Ich liebe Deine Stulpen. Dein Bändchen macht mich ganz wuschig. Bindest Du mir auch eins an?“ Ich flüsterte heiser:“Ach herrjemine, ich habe Frau Holle versprochen, ihr zu helfen! Ich muss mich leider schnell verabschieden. War nett, Euch kennengelernt zu haben.“  und schlich mich davon, in Windeseile. Und grub mich im Blumenzwiebelberg ein.

Leute, was mache ich jetzt? Ich wollte doch nur mal ein wenig mit der Kleinen Übungen üben. Und sie macht gleich einen auf Familienplanung? Warum sind die Weiber so? Man klimpert mit den Wimpern und sie bringen gleich ihre Mütter mit? Wisst Ihr, dass Froschweibchen über 1000 Eier legen, manchmal? Heute Nacht träumte ich von 899 Kaulquappen, die im Chor“Papa, wir haben dich lieb!“ quakten.

Gestern war es so

Gestern war es so

Wenn ich mich aufmache und ins Grau hinausgehe und mich auf das Fahrrad setze und losfahre, ist das mein Sport. Manchmal komme  ich überhaupt nicht vorwärts, weil ich immer wieder absteigen und fotografieren muss.

Schöner werden die Fotos bei Sonnenschein, aber gestern war es eben so:

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Und diese sind nichts geworden, aber doch irgendwie lustig.

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Der Landkreis

Der Landkreis

Wenn ich sage, ich wohne in Lüchow-Dannenberg, blicke ich meist in fragende Gesichter. Dann brauche ich nur Gorleben zu erwähnen und alle wissen Bescheid.

Aber natürlich ist Lüchow-Dannenberg viel mehr als Gorleben. Die Band „Madsen“ ist zum Beispiel hier aufgewachsen und Marunde lebt auch in der Gegend. Ich bin erst vor 27 Jahren zugezogen, also noch lange keine echte Wendländerin. Trotzdem fühle ich mich ganz gut integriert, wenn es heißt: Da leben wir Wendländer…….

Braver Junge

Braver Junge

Es kommt vor, dass ein  Mensch seine Gefühle nicht kennt oder mag. Dann müssen sich die Ungeliebten klein machen, zurückhalten oder verstecken. Das Herz lässt immer weniger Emotionen rein oder raus. Der Fluss wird zum Rinnsal. Das Herz wird hart. Der Verstand übernimmt die Kontrolle und das Selbstbewusstsein ist nicht mehr frei.

Er hat das so gemacht: brave Jungs halten sich an die Regeln und tun, was von ihnen erwartet wird. Sie sehnen sich nach Liebe. Sie wollen wie der Vater sein. Sie arbeiten hart, um richtige Männer zu werden. Sie grenzen sich von der Mutter ab, denn diese ist eine Frau.

Er lernte: er wird  ausgelacht, vielleicht als Mädchen verhöhnt, vielleicht sogar verprügelt, wenn er nicht gut genug auf sich aufpasst. Ein Junge sortiert seine Gefühle. Weibliche Gefühle haben in der männlichen Welt nichts zu suchen und werden im Herzen eingeschlossen. Ein Junge soll stark, mutig und tapfer sein. So müssen die Liebe, die Angst, die Trauer und alles mädchenhafte unter Kontrolle gebracht werden.

Die Wut darf wachsen, die Liebe versteckt sich und schickt die Angst. Selbstbewusstsein hat viel damit zu tun, diese zu verbergen. Sie darf sich nicht zeigen. Sie wächst, muss dabei aber unsichtbar bleiben. Manchmal zieht sich die Angst ein anderen Gewand an und verkleidet sich als Zorn, Zynismus, Feindschaft und Gewalt.

Als Mann wurde er das Oberhaupt der Familie. Er trug die ganze Last der Verantwortung. Er verehrte seine Frau. Die Liebe blieb klein aber die Fürsorge wuchs. Er war stark, mutig und tapfer. Er grenzte sich von seiner Liebsten ab und baute dicke Mauern, denn ihre Gefühlswelt und seine durften sich nicht vermischen. Dann wäre Selbstbewusstsein nicht mehr in der Lage, das Herz verschlossen zu halten. Er schärfte seinen Verstand und überhörte sein Herz. Manchmal tat es ihm weh. Er brauchte alle seine Kraft, die Fassade in Ordnung zu halten. Spiegel wurden trüb und den  Träumen fiel es immer schwerer, aufzuräumen. Sein Haus wurde zur Festung, die Zugbrücke nur noch selten heruntergelassen und die Türen meist verschlossen gehalten.

Er strengte sich an. Er riss sich zusammen, bis alle Gelenke schmerzten. Er machte Karriere. Er verdiente viel Geld, baute ein Haus und wurde ein guter Vater. Die Kinder machten es ihm unmöglich, seine Gefühle verschlossen zu halten. Sie  brachen hervor, das Glück und die Trauer, die Liebe und die Angst. Das wollte er nicht, Selbstbewusstsein mühte sich, sie wieder zu kontrollieren. Die Liebe aber wuchs und machte ihm das Leben schwer.

Das Herz wurde krank. Die Fassade bekam Risse. Nichts ging mehr, Wut und Gewalt brachen aus, die Angst holte alle ihre Attacken und besetzte das Haus. Selbstbewusstsein zog sich zurück. Es brauchte Zeit und Ruhe, um sich zu erholen und wieder zu wachsen. Es entsorgte unbrauchbare Glaubenssätze und befreite die wahre Männlichkeit. Es schloss das Herz auf. Das Rinnsal wurde wieder zum Fluss, die ungeliebten Gefühle reckten und streckten sich. Sie hatten Sehnsucht nach Licht und Sonne. Sein  Inneres Kind begann zu tanzen und zu lachen. Die Träume putzten die Spiegel und öffneten die Fensterläden.

Das Tor wurde geöffnet, die Zugbrücke heruntergelassen. Das Selbstbewusstsein paßte gut auf ihn auf. Es ließ Nähe zu und sorgte für die nötige Distanz.

Er erkannte und umarmte seine Frau und wurde ihr Mann.

Oktoberelbe

Oktoberelbe

Eigentlich wollte ich gestern den ganzen Tag lesen. Eigentlich sollte es draußen herbstlich  ungemütlich sein. Eigentlich sollte sich kein Besucher anmelden.

So war der Plan. Es kam ganz anders. Statt furchtbar ungemütlich war es nur mäßig ungemütlich. Statt allein zu zweit. Statt Sofa Elbe. Statt Buch Wald und dunkle Gesellen. Statt Ruhe viel Bewegung.

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Heute lese ich….

Nun muss es heraus. Ich bin Fan. Ich lese Stephen King. Ich lese ihn sogar gerne immer mal wieder zwischendurch und die meisten seiner Romane sogar mehrmals. Einer meiner Söhne hat diese Leidenschaft übernommen. Sonst kenne ich niemanden, der Stephen King liest. Meine Freundinnen finden ihn einfach nur pervers und würden sich seine Bücher nie antun

Ich mag die manchmal etwas derbe Sprache, die schnörkellos zur Sache geht. Und ich liebe es, den Figuren zu folgen. King lässt sich immer viel Zeit für das Ausgestalten der Charaktere. Ich tauche in die Welten ein und bedaure es immer wieder, wenn das Buch zu Ende ist. Zum Glück sind die meisten Romane ziemlich dick und halten lange vor. Ich mag es, wie alles immer ganz normal und alltäglich beginnt und dann verschiebt sich etwas ganz leicht. Und wird dann richtig gruselig, grausig, entsetzlich. Manchmal ist es mir zu eklig, dann lese ich an gewissen Stellen schnell drüber. In den neueren Romanen hält sich das aber in Grenzen. Zum Glück kann sich meist das Gute behaupten und das Böse vernichten oder wenigstens erst einmal unschädlich machen. Manchmal erwacht es (also das Böse) später erneut und das Ganze geht wieder von vorne los. Fast wie im wirklichen Leben.

Und nun habe ich eigentlich keine Zeit mehr mich hier lange aufzuhalten, denn gestern habe ich mir den neuesten Roman gekauft und ich würde jetzt viel lieber lesen, bis S. 81 bin ich heute gekommen und gleich geht´s weiter. Ich bin so froh, morgen nichts anderes zu tun zu haben, als zu lesen. Gemütlich auf dem Sofa mit Decke, mit Tee und Kerzen. Draußen wird es kalt und ungemütlich sein, Besuch ist nicht angesagt. Und abends werde ich mich gruseln und die Türen fest verschließen und das Licht brennen lassen…..Was gibt es Schöneres?

Ich genieße es so sehr, Romanfiguren wieder zu begegnen, die ich aus anderen Büchern schon kenne. „Mind Control“ ist die Fortsetzung von „Mr. Mercedes“ und beginnt auch an gleicher Stelle, nur aus einem anderen Blickwinkel.

„Mal im Ernst. Wir lesen hier Stephen King. Wann immer etwas Unheimliches passieren kann, dann tritt das natürlich auch ein.“ The New York Times

So, Ihr Lieben. Hoffentlich erholt Ihr Euch gut von dieser Buchvorstellung. Oder gibt es gar den einen oder die andere, der oder die mich verstehen kann? Ich glaube, bei Michaela könnte es der Fall sein, oder?

Für alle anderen ein Foto zum „Auf andere Gedanken kommen“….

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Inzwischen beteiligt sich bei „Heute lese ich …“ auch

   (als Erfinderin)
Michaela von Buecherlogie
und Mein Name sei Mama

und Veronika von vrojongliert

Misi rüstet sich

Misi rüstet sich

„Nein, Frau Holle, ich kann nicht mehr abwarten! Es dauert mir zu lange, bis Du deinen neuen Text fertig hast. Meine Güte, Du hältst Dich aber auch immer lange damit auf. Ich will das jetzt sofort zeigen! Die Welt wartet drauf!“ Frau Holle seufzt und lässt mich ran an den Speck.

Manchmal ist sie ja doch recht nützlich, die Gute. Sie hat mir Stulpen gestrickt. Und ein Bändchen an meiner rechten Seite befestigt. Hoffentlich am richtigen Rechts! Eine Pflanze auf dem Balkon riet mir, mich um Wimpern zum Klimpern zu kümmern. Auch das! Und dann lag da plötzlich die Krone von Olaf rum. Der übte wohl gerade im Teich das Tauchen. Ich habe sie mir geliehen. Er weiß es nur noch nicht. Wenn mich seine Liebste jetzt sehen würde, sie würde sich ärgern, bis sie Punkte kriegt. Zu spät, sage ich. Nächste Woche werde ich der Qi-Gong-König sein. Und dann gibt es noch ganz andere Übungen! Ups, das war wohl ein bißchen frech, Frau Holle runzelt die Stirn. Sorry.

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Misi entspannt sich nicht

Misi entspannt sich nicht

„Qi-Gong für Frösche“ soll entspannen. Im Programm steht: Die leicht zu erlernenden Bewegungen führen im besten Fall zu wirkunsvollem Stressabbau, mehr Körperspannung und Körperbewusstsein bei gleichzeitig gezielter Entspannung der Nacken- und Rückenregion. Durch die langsamen und sehr bewusst durchgeführten Übungen wird der Geist beruhigt und die innere Ausgeglichenheit wird zuverlässiger.“

Ich ging also tatsächlich hin, obwohl ich mich fragte, welchen Stress ich abbauen sollte und was mit meinem Nacken und Rücken nicht in Ordnung sein sollte. Außerdem stellte ich es mir sehr schwer vor, langsam und bewusst in die Höhe zu springen. Und welchen Geist sollte ich beruhigen?  Und was ist innere Ausgeglichenheit? Wer braucht denn so was? Störche vielleicht, weil die sonst ihren Kopf auf dem langen Hals nicht halten können, oder?

Werde ich in der Luft schweben müssen? Langsam und zierlich? Zierlicher jedenfalls als Frau Holle? Die schwebt natürlich nicht in der Luft. Die kommt gar nicht erst hoch und bleibt hübsch auf dem Boden. Ihre Schenkel sind eben keine herrlichen Sprungschenkel, sondern eher Sitzschenkel. Darum macht sie jeden Morgen ihr Yoga auf dem Stuhl. Zum Piepen.

So. Was glaubt ihr wohl, was mich erwartete? Kein einziger Frosch dabei, nur lauter Froschweibchen. Alte und junge. Hübsch gekleidet mit Stulpen an Armen und Beinen. Und ich als nackter Kerl dazwischen. Puh. Wie sollte sich da ein eventuell vorhandener Geist beruhigen?  Es kicherte und brabbelte um mich herum und zaghaft, so von unten nach oben, guckte ich mir diese holde Weiblichkeit an. Bin ja jetzt ungebunden. Brauche mir nur eine auszusuchen. Ich hoffte auf Partnerübungen.

Wir sollten uns im Raum bewegen, Schenkel und Vorderbeine strecken und drehen und springen und Storchengang (argh!!!) und bücken und rechten Schenkel heben, linken Schenkel heben, Nase rümpfen und Ohren massieren. Hektisch suchte ich meine Ohren. Leute, ich habe keine! Auch die weiteren Übungen entspannten mich nicht! Im Gegenteil. Ich fing an zu schwitzen. Schwitzende Frösche, meine Güte, wie ist das peinlich. Wäre ich doch bloß zum Frogpainting gegangen! Aber nein, ich musste es ja unbedingt Frau Holle gleichtun.

Wir standen im Kreis, die Mädels waren gut drauf und kannten das alles schon und ich als harter Kerl flog erst mal auf die Nase, als ich den „einbeinigen Kranich dreht sich nach rechts und links“ nachmachen wollte. Rosarot lief ich an, als ich mich aufrappelte. Die Weiber richteten derweil ihre Stulpen zurecht und puderten sich die entzückenden Näschen. Es dauerte ja eine Weile, bis ich meine Schenkel wieder entknoten konnte, weil ich vergessen hatte, immer wieder die Richtung zu ändern. Ich drehte mich immer weiter nach links ohne in die Mitte zurückzukommen. Peinlich, peinlich. Storchenhals knoten war reine Schikane. Schritt rechts, also das andere Rechts, vorbeugen, Arme heben, linke Hand unten, rechte Hand oben, nein, das andere Rechts…ach, ich weiß auch nicht mehr. Nächsten Mal mache ich mir ein Bändchen um mein rechtes Vorderbeinchen.

Und dann macht sich Frau Holle auch noch lustig über mich. Schreibt in ihrem Blog etwas von Qi-Gong für Insekten. Spinnen springen und so. Und eine Pflanze auf dem Balkon meint dazu, ich würde auf Konkurrenz nicht gut zu sprechen sein. Hä? Meinetwegen sollen sich doch die Fliegen  ihre vielen Beine verrenken und die Flügel verknoten. Dann erwische ich sie leichter. Entspannte Fliegen schmecken sicher leckerer.

So Leute, nächstes Mal ziehe ich mir auch was an und eine Kleine habe ich schon im Auge. Die kann so nett ihr Köpfchen drehen und mit den Wimpern klimpern. Brauchen Frösche Wimpern? Wozu? Sieht aber froschmäßig süß aus!

Heute lese ich….

Heute lese ich den Roman von Gilles Paris: Autobiografie einer Pflaume, 2002.

Ich habe etwa 30 Seiten gelesen und freue mich auf die weiteren 200. Ich denke, ich werde mir heute viel Zeit für dieses Buch nehmen und da die Sonne gerade den Nebel verdrängt, kann ich es wohl auf meinem Lieblingsleseplatz verschlingen.

Vielleicht könnte ein Neunjähriger tatsächlich seine Erlebnisse und Sichtweisen in ähnlich kurzen, klaren Sätzen beschreiben. Die Ereignisse, so wie sie ein Erwachsener wahrnehmen würde, werden meist nur angedeutet und meiner Phantasie wird es überlassen, mir diese zu erklären und auszumalen.Wie Pflaume die Welt erlebt und interpretiert hat manchmal so gar nichts mit meinem Bild der Fakten  zu tun. Das ist für manche Überraschung gut und macht für mich das Buch so lesenswert.

Im Roman wird so eindrucksvoll beschrieben, wie Pflaume mit seiner Mutter nicht in Kontakt kommt, weil diese sich im Fernsehen verliert und kaum ansprechbar ist. Ich denke  daran, wie vielen Kindern es heute ähnlich mit Eltern ergeht, die ihr Smartphone niemals aus der Hand kriegen und immer abgelenkt sind.

Pflaume  erschießt seine Mutter aus Versehen und ist sich gar nicht bewusst, was passiert ist. Er erwartet, dass sie bald zurückkehren wird und fragt sich, wie sie in die versiegelte Wohnung kommen könnte. Der ermittelnde Beamte erweist sich als sehr einfühlsam, als er Pflaume in ein Kinderheim bringt. Er besucht den Jungen weiterhin jeden Samstag, so dass dieser nichts weiter zu vermissen scheint. Die Heimbetreuer, für Pflaume heißen sie Heimwehstreuer, die Lehrer und die anderen Erwachsenen nimmt er als sehr liebenswert, verständnisvoll und verwöhnend wahr. Und wenn sie es doch einmal nicht sind, geht Pflaume mit einem Kopfschütteln darüber hinweg und nimmt nichts übel.

Pflaume akzeptiert seine Mitmenschen so, wie sie sind und wertet ihr Verhalten nicht, sei es auch  noch so seltsam. Was die Kinder, die ihm begegnen, erlebt haben, bevor sie ins Heim gekommen sind, wird nur angedeutet. In meinem Berufsleben habe ich erfahren, in was für katastrophalen Umständen manche Kinder aufwachsen können, so dass ich weiß, wie realistisch die im Roman erwähnten Schicksale sind. Zu lesen, wie verständnisvoll die Heimwehstreuer und anderen Erwachsenen mit den Kindern umgehen und mit wie viel Lebenswillen, Humor und Stärke die Kinder in diesem Roman ihr Leben meistern und es trotzdem noch so viel Liebe für die Eltern gibt, stimmt mich ziemlich optimistisch.

Inzwischen beteiligt sich bei „Heute lese ich …“ auch

   (als Erfinderin)
Michaela von Buecherlogie
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und Veronika von vrojongliert