Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt nach 24 Uhr nach Hause kam. Gestern war es endlich mal wieder so weit. Konstantin Wecker reiste mit seiner Band in die Provinz und zeigte uns alten, mehrheitlich grauhaarigen Landeiern seine große Revolutions-Tour 2016.

Revolution! Konstantin Wecker machte aus einem Lied ein Programm. Mit den Liedern „Ich habe einen Traum“, „Fast ein Held“, „Der Krieg“ und „Heiliger Tanz“ seiner aktuellen CD „Ohne Warum“ sowie mit älteren Titeln forderte der Münchner Liedermacher uns Oldies auf, noch stärker mit dem Herzen zu denken.  Konstantin setzte sich für eine eine Welt ohne Waffen und Grenzen ein. Ohne Wenn und Aber.  Ein Traum? Warum nicht! Mut zum längst fällig Umdenken? Warum nicht? Konstantin Wecker: „Wir brauchen dringend eine linke Revolution, damit kein rechter Putsch passiert.“ Unter anderem sind seine Lieder „Anarchie“, „Wenn unser Brüder kommen“, „Ich singe, weil ich ein Lied hab“ oder „Frieden im Land“, über drei Jahrzehnte alt und dennoch so aktuell und notwendig wie noch nie zuvor: „Poesie und Musik können vielleicht die Welt nicht verändern, aber sie können denen Mut machen, die sie verändern wollen.“Quelle:  http://www.verdo-hitzacker.de/programm/details/126-revolution-konstantin-wecker/

Begleitet wurde Wecker von dem Pianisten Jo Barnikel, den Multiinstrumentalisten Wolfgang Gleixner und Jens Fischer, der Cellistin Fany Kammerlander sowie Manuel Lopez an der Gitarre. Eine hervorragende Band, die insbesondere in den Zugaben ihr Können bewies und uns zum Tanzen brachte. Na ja, viele blieben sitzen, aber auf dem Stuhl kann man auch feiern!

Das Außen hatte vollen Zutritt zu meinem Innen. Meine Gefühle waren hellwach. Trauer, Nachdenklichkeit, Lust, Freude, Dankbarkeit und Rührung wechselten sich ab. Ich dachte:“ Ja, er hat recht. Ich sollte mich stellen und Position beziehen. Vielleicht muss ich doch vieles nicht mit resignierter Zurückhaltung hinnehmen. Vielleicht sollte ich lautstärker Nein sagen, etwas tun….“ Ich dachte daran, dass ein nächster Krieg in Europa nicht ausgeschlossen ist. Und wie viel Glück ich bisher hatte in meinem Leben.

Als Konstantin Wecker von seinen Kinder sprach und sang, konnte ich mir ein paar Tränen nicht verkneifen und meine Gedanken waren eine Weile bei meinen weltbesten Söhnen.

Wir alle erinnerten uns wohl an unsere Jugendjahre. Wir feierten Konstantin und unser altes Lebensgefühl. Wir sangen einige Lieder mit und zum Abschluss gab es sogar ein kleines, moderates Gruppenkuscheln. Zum Glück saß ich zwischen zwei lieb gewonnen Frauen, die ich schon lange kannte und nur zu gerne in den Arm nahm.

Über eine Stunde lang verzichteten die Musiker auf ihren Feierabend und die Zugaben steigerten sich von Stück zu Stück. Die Musik und ich wurden für eine kurze Zeit eins. Kann man das so sagen? Ja, so habe ich es empfunden, also kann ich es so wiedergeben. Wecker nahm häufig Kontakt zu uns Zuschauern auf. Ich fühlte mich angenommen in seiner Welt und ich glaube, er hatte sein Herz weit geöffnet. Er wirkte so authentisch und überzeugt von seinen Texten, wie ich es selten erlebt habe. Ich stimme nicht allen seinen Aussagen zu, aber es war schon toll, wieder einmal auf so angenehme Art und Weise und mit dieser wunderbar klaren Stimme aufgerüttelt zu werden.

Ich komme ja richtig ins Schwärmen! Das Konzert wirkt noch heute nach und ich bin so froh, dass ich mich aufgemacht habe, obwohl ich es hasse, im Dunkeln mit dem Auto zu fahren. Wer was erleben will, muss manchmal vorher leiden und außerdem habe ich die Karte zum Geburtstag geschenkt bekommen. Danke, Du liebe Freundin!

Und nächsten Freitag geht es weiter: „Echoes performing The Music of Pink Floyd“. Und da sage noch einmal einer, in der Provinz sei nichts los!

Nachtrag am 17.10.16: Das Konzert wurde leider abgesagt, weil zu wenig Karten verkauft wurden. Das kann nur in der Provinz passieren, oder?

 

8 Gedanken zu “K.W. in der Provinz

  1. Das tönt nach einem erfüllenden Abend….so Dinge müsste man sich viel öfter gönnen ( können )….wie schön wenn man dann dazu „aufgefordert“ wird durch so ein tolles Geschenk….und wie schön das Du Dich dann so herrlich auf-gemacht hast 🙂

    Wann war denn Dein Schlüpftag? 🙂

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    1. Schlüpftag? Erinnert mich an Misi, der ist wohl wirklich geschlüpft. Ich bin im Juli auf die Welt gezogen worden, im wahrsten Sinne des Wortes.
      Ein viertel Jahr habe ich mich über das tolle Geschenk gefreut und plötzlich war es dann soweit.

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  2. Ja, toll, wenn man sich aufrafft und mal wieder feststellt, wie schön es sein kann. Und toll ist auch, wenn uns solche Künstler derartig ansprechen und mitreißen können !! Das könnte zur Veränderung der Welt tatsächlich ein klein wenig beitragen. Was wäre die Welt ohne Kunst ?! – Und: bei euch in der Provinz ist ja richtig was los 😉

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    1. Eine Welt ohne Kunst ist unvorstellbar! Ich werde mir ab jetzt wieder häufiger Livemusik ansehen und anhören. Leider, leider findet das Konzert am Freitag nicht statt, weil zu wenig Karten verkauft wurden. Ich werde meine gleich gegen Gustav Peter Wöhler eintauschen, der kommt im April…..

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