Meine Güte, habe ich mich heute morgen erschrocken! Mir zittern noch die Schenkel. Ziemlich müde kroch ich bei Sonnenaufgang  in Frau Holles Garten herum, um ein paar saftige Bissen zu suchen. Ich wollte meine Ruhe, wollte auf keinen Fall Herrn Krone begegnen oder seiner(!) Liebsten. Plötzlich sah ich ihn. Aus den Augenwinkeln, ihn, den Storch! Mit seinen widerlich langen Beinen stolzierte er im Zeitlupentempo über meine taufrische Wiese. Was machte der hier? Warum war der nicht in Afrika? Ich zitterte wie Froschlaich und dann sah ich etwas genauer hin.

Kein Storch! Frau Holle! Sie schlich im Storchengang über den Rasen. Gaaaanz langsam hob sie Bein für Bein. Sie hat ja nur zwei, die Arme, darum schaukelte sie manchmal beängstigend hin und her dabei. Wie ein besoffener, dicker, fetter Storch. Immer im Kreis herum. Entsetzlich. „Was machst Du da?“ brüllte ich sie an. „Guten Morgen Misi. Auch schon wach?“  „Was machst Du da?“ brüllte ich etwas leiser, aber immer noch laut genug.   „Qigong. Das ist eine alte chinesische Kunst.“

Ich kriegte die Krise. Schon wieder so was Komisches aus der Fremde. Bin ich voll dagegen. Außerdem: Musste die mich so erschrecken? Wie ein Storch herumzulaufen! Was für eine Idee. Frau Holle zeigte gar kein schlechtes Gewissen und gebärdete sich weiterhin in aller Seelenruhe höchst seltsam.

„Was machst Du denn jetzt?“ empörte ich mich. „Ich schiebe den Berg mit beiden Händen. Und nun sei ruhig Misi. Ich brauche Ruhe für meine Konzentration.“

Frau Holle sah aus wie eine Elfe, die zum Fliegen zu schwer geworden war und sich einfach nicht in die Luft erheben konnte. Sie sagte mir bei jeder neuen Übung deren Namen, damit ich nicht wieder störte. Es folgten: Der Kondor breitet die Schwingen aus, der rote Drache spreizt seine Klauen, Zerteile die Wolken und halte den Mond, Halte den Ball links und rechts, der Keim geht auf, der Kranich zeigt seine Schwingen, der Pfau schlägt ein Rad und es fehlte nur noch der sterbende Schwan.

Ich wollte das auch und suchte nach einem Kurs“ Qigong für Frösche“ in der Froschhochschule. Unter „Froschsports für Anfänger“ wurde ich fündig. Zehn Abende für 35 Fliegen und einer Nacktschnecke. Das ist günstig. Habe ich in meinem Vorrat. Prima.

Ich werde demnächst folgende Übungen lernen: Rolle die Nacktschnecken auf, belebe den Kieselstein, knote den Storchenhals, plansche in Milch bis sie Butter wird und putze die Krone. Ja, vielleicht werde ich bald ein erleuchteter Frosch sein. Verbunden mit dem Universum und verwurzelt in der Erde. Dann werde ich die Welt retten. Oder ich lasse sie aus lauter Bosheit so, wie sie ist.

 

 

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14 Gedanken zu “Misi erschrickt sich

  1. Herrlich 😀 was dem Misi immer so einfällt !!!! In Misis Qigongkurs möchte ich auch mitmachen 😉 Die Figuren erscheinen mir viel attraktiver – Schnecken rollen und so !! – Die 15 Ausdrucksformen mache ich übrigens auch, nur den „Storch“, den kenne ich noch nicht 😉

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      1. Im Moment ist er damit beschäftigt, unserer läufigen Dackeldame als kastrierter Herr beizukommen, leider ohne Erfolg. In seinen Augen stehen Fragezeichen, nach dem Motto: ich weiß, da war noch was, ich weiß aber nicht wie 😆 :mrgreen: !!!

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