Situation: Einer Freundin gefällt das Bild und sie lobt mich.

Wertschätzung: beginnt sich zu freuen.

Zweifel: Nun mal sachte, alles auf Anfang. Die sagt das nur, um dir einen Gefallen zu tun.

Liebestöter: Genau! Kann sie gar nicht ernst meinen. Glaub doch ja nicht, jemand könnte das gefallen.

Peiniger: Ist doch nur eine kleine Bastelei. Das kann jedes Kind.

Inneres Kind: Genau, das hat so viel Spaß gemacht. Die Erinnerung an den Urlaub wurden wieder wach, wie ich im Meer geschwommen bin und Muscheln gesammelt habe. Barfuß im Sand und Watt laufen. Möwengeschrei. Sonnenuntergänge bis zum Abwinken.

Kreativität: Ja, ich habe mich mal wieder selbst übertroffen.

Zweifler: Also, so schon mal gar nicht. Denkst gleich, du bist eine Künstlerin, wenn du einmal in der Lage bist, ein paar Dinge zusammenzustellen und aufzukleben.

Angsthase: Ich will das nicht mehr hören! Wenn der Freundin das gefällt, ist sie wohl blind. Dann macht sie falsche Hoffnungen. Ich will darüber nicht mehr diskutieren.

Peiniger: Na ja, Kunst ist das nun wirklich nicht. Höchstens Deko. Kitsch. Zeig es lieber nicht herum.

Selbstbewusstsein: Was ist denn das hier wieder für ein Durcheinander? Vernunft?

Vernunft: Freundin gefällt das Bild und das sagt sie auch.

Selbstbewusstsein: Ist doch prima! Also dann: Action!

Ich: Ach das, das ist doch nur eine kleine Spielerei. Na ja, vielleicht ist es ja ganz schön.

Selbstbewusstsein: Halt! Das geht deutlich besser!

Kreativität: Es hat so viel Spaß gemacht. Große Konzentration und Sorgfalt war nötig, die Quadrate mit Seidenstoff zu überziehen, die Kleinteile zusammenzufügen, sauber zu arbeiten und dann noch den Nagel gerade in die Wand zu bringen.

Wertschätzung: Und wenn die Sonne drauf scheint, leuchten viele Elemente. Licht weckt die Collage zum eigenen Leben. Die Farben passen zusammen. Es ist ein Original.

Zweifler: Das kann doch jeder.

Wertschätzung: Macht aber nicht jeder.

Trotz: Es soll aber blöd sein! Freundin hat unrecht. Bild ist scheußlich!

Angst: Ich kann mit Lob nicht umgehen. Ich will kein Lob, es kann zur Einbildung führen.

Schweinehund: Und wenn Freundin es so toll findet, sollen wir  ja immer mehr herstellen. Dazu habe ich keine Lust.

Angst: Und es fällt uns sicher nie wieder etwas neues ein.

Antreiber: Ist sowieso keine Kunst. Kunst ist etwas hochwertiges. Nicht so´n Kinderkram.

Selbstbewusstsein: Was quatscht ihr denn wieder für dummes Zeug? Geht jetzt mal schnell in den Garten und genießt die Sonne! Wir wollten uns doch mehr Lob ins Leben holen. Haben wir mal beschlossen. Darf ich euch daran erinnern?

Liebe:  Lob und Anerkennung sind gute Freunde. Ich blühe auf, wenn sie zu mir durchdringen dürfen. Ich alleine kann nicht viel ausrichten.

Inneres Kind: Und dann geht es uns allen gut! Ich will das haben, Liebe im Leben, Lob und Anerkennung.

Wertschätzung: Es ist ein schönes Bild. Es beinhaltet viele Erinnerungen. Es hat Mühe bereitet. Freundin gefällt es. Wo ist das Problem?

Selbstbewusstsein: Eben. Also: Action!

Ich: Ich danke Dir. Ja, die Collage gefällt mir auch sehr gut.

Selbstbewusstsein: Na bitte, geht doch!

Humor: Und ich wurde heute gar nicht gebraucht?

 

 

28 Gedanken zu “Lob annehmen

  1. Was für ein wundervoller Beitrag! Manchen Stimmen sollte man viel weniger Platz einräumen und anderen viel, viel mehr! Das ist ein wunderschönes Kunstwerk, in das du viel Arbeit und Liebe reingesteckt hast – das sieht man. Und jetzt glaube mir und nicht den komischen zweiflerischen Stimmen 🙂

    Gefällt mir

    1. Jaaa, ich glaube Dir. Ja! Schade , das Foto entspricht noch nicht meinen Ansprüchen (wenn wieder die Sonne drauf scheint, mache ich ein neues), aber das Ding selbst ist prima geworden. Kennst Du die Arbeit mit Inchies?

      Gefällt 1 Person

  2. Geduld an Marinsche! Nöööt Nöööööööööööt! GEDULD an Marinsche!!! Das Du mir jetzt bloß nicht mit „Oh wie schön – sowas will ich auch mal machen“ kommst! Du weisst das ich für sowas nicht zu haben bin!

    Gefällt 2 Personen

    1. Prima, Deine Geduld sagt was sie denkt und will oder nicht will. Beim Kochen unterstützt sie Dich aber sicher sehr, oder? Auf diesem Gebiet zieht sich meine Geduld gerne zurück und schmollt. Über deine Fotos vom Essen freut sie sich dann umso mehr.

      Gefällt 1 Person

  3. Ich mag die Collage auch 😉
    Wenn ich mit meinen Händen etwas geschaffen habe, habe ich null Zweifel daran, dass es so gut ist, wie ich es empfinde. Und doof finde ich meine Arbeiten selten.
    Was meine Person aber angeht, sind Zweifel auch normal. Merkwürdige Sache das …

    Gefällt 1 Person

    1. Dahin möchte ich kommen: meine Arbeiten (egal ob Kunst, Bastelei oder Deko) wertschätzen und gut finden. Seltsam, als Lehrerin habe ich meine Schüler immer bestärkt in ihrem Tun. Das war bei unseren Schülern (Förderschule Geistige Entwicklung) die Grundvoraussetzung eines erfolgreichen Unterrichts und sollte es eigentlich in jeder Schule sein. Na ja, das ist eine andere Geschichte. Meine Kinder haben auch viel Bestätigung bekommen und einer ist heute im künstlerischem Bereich tätig. Nur mit mir selbst bin ich oft so streng, wählerisch und nörgelig. Zum Glück merke ich es jetzt und kann noch gegensteuern, auch wenn ich mir selbst manchmal nicht so recht glaube. Das wirst Du aus anderen Bereichen wahrscheinlich auch kennen.

      Gefällt mir

    1. Ja, ich weiß. Du arbeitest großflächiger, ich mag das Fummelige. Leider kann ich es wohl auch irgendwann nicht mehr, denn die Hände machen Probleme. Das genaue Arbeiten fällt immer schwerer. Dann steige ich bald auch auf das Große um. Eine schöne Woche!

      Gefällt 2 Personen

      1. Ich möchte hiermit feststellen, dass ich „Gefällt mir“ aus Versehen angeklickt habe. Natürlich gefällt mir mein Kommentar, aber sich selbst anklicken geht ja schon mal gar nicht!

        Gefällt mir

  4. Das kommt mir mal wieder seeehr bekannt vor 😉 Schon erstaunlich, wie die ganzen Kritiker bei Lob so durchdrehen können. Was für eine Bedrohung ?! und was für eine verkehrte Welt und das geht vielen Menschen so. Schön, daß das Selbstbewußtsein und die Wertschätzung sich durchgesetzt haben ! Das Bild ist superschön 🙂 !!! Das hast du ganz toll gemacht !!!

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für das Lob. Ich übe, es ohne Kommentar anzunehmen. Ich werde manchmal richtig grantig, wenn mir jemand etwas Nettes sagt. Dann sagt die Person nie wieder was und ich jammere vor mich hin, das mir nie jemand etwas Nettes sagt. Diesen Kreislauf will ich unterbrechen, denn was gibt es schöneres, als wenn jemand mir ein Kompliment macht?

      Gefällt 1 Person

      1. Schon das ist gar nicht so leicht, gell ?!! Gern genommen (bei mir) ist auch schnell drüber weg gehen, als unbedeutend und nicht so wichtig abtun usw. usf. Sich bloß nicht mal „feiern“ lassen, sondern immer hübsch schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Kritik üben fällt leichter und das tun wir ja auch im täglichen Umgang in der Öffentlichkeit gerne. Aber das Lob so schwer auszuhalten ist, ist schon eine merkwürdige Angelegenheit. – Gute Übung ! Ich will auch mal versuchen, ein Lob richtig zu genießen !!!

        Gefällt 2 Personen

  5. Zu aktiven Lehrerzeiten fiel mir mal auf – und dann immer wieder -, dass, wenn ich jemanden im Sport lobte, er kurz darauf einen Fehler machte. Ich habe eine frühere Freundin um Rat gefragt, und sie sagte, was ich als sehr wahr empfand, dass die Seele des Kindes sofort spürt, ob das Lob so nebenbei kommt – dann reagiert es mit einem Fehler – oder aus der Tiefe der Seele. Seitdem habe ich, z.B. nach einem Gedichtvortrag nie mehr so nebenbei „Das war gut vorgetragen“ gesagt, sondern immer in vollem Bewusstsein, so dass deutlich war: die ganze Klasse nimmt das wahr, vor allem der, dem es gilt! Mein Lob nahm einfach Raum ein und hatte seine Zeit!
    Das hat auch in mir sehr viel verändert. Mir hat loben viel mehr Freude bereitet.

    Ich beziehe das natürlich nicht auf den aktuellen Fall, aber Lob kannst Du immer bekommen und fragst Dich dann, warum es anderes auslöst . . . Oft ist bei Lob viel Neid oder Vergleichbares dabei, nur: Du spürst es nicht oder willst es nicht spüren, gerade bei Personen, bei denen man denkt: das kann nicht sein (es sind Menschen!).
    Es lohnt sich, Lob abzutasten zu beginnen. Bis man ein unmittelbares Gefühl dafür entwickelt.
    Lob aus tiefstem Herzen: Das darf man annehmen, das lässt einen auch stille werden.

    Das gilt auch für das eigene Lob. Solange man meint, sich selbst loben zu müssen; es gibt ja auch ein spontanes dankbares und heilsames Sich-selbst-Gefallen.
    Was Du kreierst aus Dir heraus ist unüberbietbar. Und manchmal ist ein misslungenes Mandala beispielsweise, das einem gar nicht gefallen will, ein Fingerzeug für einen neuen Schritt.

    Manche Menschen schreiben solch einen Beitrag wie Du hier nie. Du hast viele Jahrzehnte gebraucht, damit sich das offenbart. – So lange, könntest Du jetzt denken?
    Das wäre wieder dieses alte Programm.
    Solche Programme tun alles, um in unserer Seele zu überleben, damit sie im nächsten weitermachen können.
    Dem hast Du mit Deinem Post, glaube ich, ein Veto des Erkennens entgegengesetzt!
    Gratuliere!

    Gefällt 1 Person

  6. Das stimmt allerdings. Lob ist nicht immer gleich Lob. Meine Schüler und meine Kinder haben es meist sofort gemerkt und entsprechend reagiert, wenn ich nur so „dahin lobte“, nur um etwas positives zu sagen. Für positive Wertschätzung muss Klarheit herrschen. Das muss geübt werden. Genau das war häufig Inhalt vieler meiner Unterrichtseinheiten.
    Ich habe erst in den letzten Jahren überhaupt positive Wertschätzung an meiner Person wahrnehmen können. Vorher wurde ich meist sauer oder hatte überlegt, ob man mich veräppeln will. Na ja, heute übe ich, mit mir nicht darüber zu diskutieren, ob ich Lob und Anerkennung annehmen will. Das geht allerdings immer noch manchmal schief, aber ich bemerke es wenigstens. Das Leben wird plötzlich viel reicher und auch lustiger, wenn mir bewusst wird, dass ich mal wieder völlig unangemessen reagiert habe.
    Ich freue mich über Dein großes Lob. Uneingeschränkt!
    Man darf sich selbst nicht vergessen, dann bleibt man unabhängig von der Wertschätzung der anderen. Hast Du Dir heute auch schon ein Lob geschenkt?

    Gefällt 1 Person

  7. Sehr schön geschrieben!
    Als ich der kleinen Miss Perfect in mir die Koffer gepackt habe sind einige von denen die hier oben zu Wort gekommen sind, mit ausgezogen.
    Ohne sie zu leben will auch geübt sein, aber ich schaffe es jetzt zum „Danke“ und lächeln ohne es mir selber kaputt zu reden.
    Dieser Blog ist lange her, vielleicht hast auch du jemandem da im Innern auch die Koffer gepackt, wenn nicht: versuche es, es lohnt sich 🙂

    Gefällt 1 Person

      1. Sie gehören ja irgendwie zu mir und lassen sich sowieso nicht wegschicken. Im Garten sind sie für sich, können sich amüsieren und vielleicht sogar eines Tages nützlich werden, wer weiß?

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s