Schuld bedeutet die Verletzung wohlverstandener Interessen anderer.

Schuld bedeutet im moralischen Sinne ein Verstoß gegen das Gewissen.

Wann bin ich schuldig geworden? Wie fühlt sich Schuld an? Ist die Schuld abhängig von Moral und Erziehung? Ändert sich Schuld, wenn sich die Moral ändert? Ist die Schuld abhängig von Regeln? Würde es ohne Gesetze keine Schuld geben? Wer bestimmt den Wert der Schuld? Ist die Schuld eine relative oder eine feststehende Größe? Gibt es ein Leben ohne Schuld? Werden auch  Tiere schuldig oder gibt es das nur bei den Menschen?

Ist die Schuld ein eigenes Gefühl oder setzt sie sich aus vielen Gefühlen zusammen? Gibt es „die Schuld“ überhaupt? Ist sie verwandt mit „der Wahrheit“?

Kann ich Schuld messen? Mache ich mich nur schuldig, wenn ich erwischt werde? Fühle ich mich schuldig, wenn meine „negativen“ Handlungen positive Konsequenzen nach sich ziehen? Oder freue ich mich, damit durchgekommen zu sein?

Kann ich Schuld übertragen oder übernehmen? Zeigt mir mein Gewissen, wann ich schuldig geworden bin? Bewahrt mich mein Gewissen davor, schuldig zu werden? Bin ich weniger schuldig, wenn mein Gewissen gering ausgeprägt ist? Hilft es mir, wenn ich mich schuldig fühle?   Haben Schuldgefühle etwas mit der Schuld zu tun? Helfen sie mir weiter oder sind sie nur willige Helfer der Depression?

Was passiert, wenn ich mich entschuldige? Ist die Schuld dann weg? Sammelt sie sich an?  Hilft es mir und dem Schuldigen, wenn ich mich räche?

Brauche ich andere Schuldige, um zu wissen, dass ich ein guter Mensch bin?

Ich weiß keine Antworten. Dafür kenne ich nun viel mehr Fragen als vorher.

Ich fühlte mich oft schuldig, ohne darüber groß nachzudenken. Schuld ist ein sehr unangenehmes Gefühl, welches ich schnell wieder loswerden will. Aber keiner übernimmt es freiwillig für mich. Die Verantwortung für ein Handeln selbst zu übernehmen, gucken, ob ich etwas wieder gut machen kann und sehen, dass ich es zukünftig nicht wiederhole, ist mein bester Weg, mit Schuld umzugehen.

Eine lange Zeit übernahm ich gerne die Schuld der anderen, ohne mich abzugrenzen. Welchen Nutzen hatte ich davon? Wurde ich mehr geliebt, wenn ich „alle Schuld der Welt“ schulterte? Nein, die Rolle des Sündenbocks entlastet vielleicht andere, aber sie führt mich in die Sackgasse.

Heute ersetze ich den Begriff Schuld lieber mit Verantwortung. Damit nehme ich die negative Wertung heraus und kann klarer denken. Und mich besser abgrenzen. Aber ist das wirklich dasselbe?

14 Gedanken zu “Die Schuld Zwei

  1. Min Jotte näi……Du hast aber auch viele Fragen zu einem sehr komplexen Thema….. 😉 …ich fang mal bei der Entschuldigung an….denn meistens ist es ja heutzutage ein verlegenes „Tschuldigung“…..aber wenn man dabei zwei Dinge beachtet sollte es den richtigen Effekt haben….nämlich den der Ent-schuldigung….man sollte es in klare Worte fassen „Ich bitte um Entschuldigung“ und dem Gegenüber auch die Gelegenheit geben die Antwort in klare Worte zu fassen „Ich entschuldige Dich, ja“….wer das beherrscht ist dann schon mal fein raus, denn es hat eine bereinigende und somit positive Rückwirkung für beide Seiten ….vorausgesetzt das das Thema dann auch wirklich vom Tisch ist, denn nach-tragend sollte man dann nicht sein 🙂

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    1. So sehe ich es auch. Eigentlich finde ich, dass man so genau wie möglich ausdrücken sollte, wofür man sich entschuldigt. Allerdings erlebte ich einmal, dass sich eine mir nahestehemde Person von Herzen und ganz allgemein entschuldigt hat. Damit hätte ich nie gerechnet, darum hatte gerade diese Entschuldigung eine so entlastende Wirkung, dass ich abschließen konnte.

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  2. Gesetzliche Schuld ist wohl aus der moralischen gewachsen. Die moralische ist, glaube ich, darum die verwachsenere. Ändert sich unsere Moral? Schwerlich, weil es ein tiefverwurzeltes Gefühl ist.
    Dann aber kommt die Erziehung ins Spiel, die Moral bisweilen mit Vorurteilen verwechselt. Vieles davon kann und darf man gern wieder verlernen.
    Den Wert der Schuld, kann immer nur der bestimmen, dem etwas angetan wurde. Darum ja, Moral ist wandelbar. Nur er weiß wie und wo es wehtat. Kein Mensch kann immer moralsch integer sein, darum trägt auch jeder -ausnahmslos – irgendeine Schuld. Wogegen man Tieren nur eine Schuld geben kann, ohne dass sie
    Schuld selbst ist keine Gefühl. Schuld kann dich traurig fühlend machen, oder dir ist nach Wiedergutmachung. Du sehnst mach Verzeihen, und das Gewissen beißt, aber aus psychologischer Sicht ist Schuld kein Gefühl. Im Gegensatz zu Reue.
    Die kann man kundtun und um Verzeihung bitten, aber das macht die Schuld nicht ungeschehen, sondern nur die Annahme einer Entschuldigung.

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    1. Ich danke Dir für Deine ausführliche Antwort und stimme in allen Aspekten zu. Die Reue hatte ich gar nicht im Blick. Sie ist tatsächlich ein deutliches Gefühl, das ich kenne. Der Begriff Schuld bleibt für mich schwammig. Religiöse Menschen haben es da vielleicht leichter?

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      1. Wahrscheinlich können Tiere Schuld im Rahmen des schlechten Gewissens empfinden. Wenn Hundhund den Mülleimer plündert, weiß er zumindest, was ich will, wenn ich ihn dann ranrufe 😉
        Aber, und da ist eben der Unterschied, er wird diese Konsequenz vorher nicht bedenken, was Schuld im Sinn meiner Definition ausschließt.
        Sicher kann auch Mensch blind in eine Schuld laufen, weil er mal nicht nachdenkt, und doch ist es anders. Wir Menschen können in Konsequenzen denken. Ob wir es machen, bleibt am Ende uns selbst überlassen.
        Gutes Thema, danke dafür.

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      2. Religiöse, glaubende Menschen … Die beneide ich generell, weil ich denke, dass Glaube vieles leichter macht. Ob man das auf Schuld umlegen kann? Darüber muss ich nachdenken …

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      3. Ich beneide sie nicht so sehr, wenn ich an das Thema Schuld denke. Erbsünde und so. Mit welchen Handlungen Gläubige sich schon schuldig machen, die doch eigentlich harmlos sind. Die Schuldfrage ist hier aber eindeutig geklärt, das macht vielleicht einiges leichter.

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  3. Nachtrag zu den Tieren, zwischen geschrieben und auf senden gekommen …
    Tiere sind keine Wesen, die in Konsequenzen denken und fühlen können, wodurch sie keine Moral empfinden …
    Halbsatz fertig 😉

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  4. Ich denke auch so, stelle mir aber seit neuestem die Frage, obTiere nicht doch eine gewisse Moralvorstellung in ihrer eigenen Art haben? Vielleicht können sie besser vorausschauen, als wir vermuten. Ihre Gefühlswelt ist ja auch größer, als wir bisher wahrnehmen (wollten). Vielleicht bereuen sie auch manchmal? Auf jeden Fall wissen z.B. Hunde und Katzen, was sie zu Hause dürfen oder nicht. Ob sie sich daran halten, entscheiden sie ja irgendwie selbst.

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  5. Vielleicht kennen manche Tiere Schuld: ein Hund, der in die Ecke pinkelt, obwohl er stubenrein ist, macht schon einen schuldbewussten Eindruck. Oder ein Zaunkönig, dessen Freundin sein Nest zerrupft, weil er unordentlich gebaut hat. Vielleicht kann man erst schuldig werden, wenn es eine Autorität gibt, vor der man bestehen muss.

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